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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 8=18.1888

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Entwicklung zu jener Cultur, welche in den östlichen
wie in den westlichen Alpenländern unmittelbar vor
dem Beginne unserer Zeitrechnung geherrscht hat.
Wenn aber der merkwürdige Fund von Idria nach
Allem, was uns die Schriftquellen und die topograohischen
 Umstände lehren, nahezu mit Sicherheit
für die keltischen Karner, die weiter östlich, jenseits
des Golfs von Fiume und des krainischen Schneeberges
 in jüngster Zeit entdeckten Grabfelder mit
abenso grosser Wahrscheinlichkeit für die illyrischen
Japuden in Anspruch genommen werden dürfen, sind
wir schliesslich doch im Zweifel, ob wir am Südostabhange
 des Okra für die Zeit, aus welcher die
jüngeren Gräber von St. Michael stammen, eine
keltische oder illyrische Bevölkerung anzunehmen
haben, Eine sichere Entscheidung in diesem Punkte
wäre auch nur dann unerlässlich, wenn es sich etwa
Jarum handelte, die Identität unserer Wallburg von
St. Michael mit der karnischen Ortschaft Okra oder
mit einer Ansiedlung der illyrischen Subokriner
nachzuweisen. Die prähistorische Forschung steht
aber auf einem anderen Standpunkt. Ihre Ziele sind
vorläufig allgemeinerer Art, wenngleich nicht .ausgeschlossen
 bleibt, dass sie später auch solche Fragen
‚Ösen wird.
Indessen ist es vielleicht gestattet, nach dem
Abschlusse so erfolgreicher Grabungen, zu welchen
auch die Arbeiten an der Wallburg von St. Michael
gehören, auf die vor drei Jahren — auf der Klagenfurter
 Versammlung unserer Gesellschaft — speciell
mit Rücksicht auf die La Töne-Funde in den Ostalpen
 geäusserten Erwartungen und auf die bisherige
Erfüllung derselben zurückzublicken. Wenn damals
ausgesprochen‘ wurde, dass das Fundmaterial bereits
hinreiche, um in das Profil der prähistorischen
Schichten der Ostalpen die La Töne-Periode definitiv
als durchgehende Linie aufzunehmen ', so hat die
Mehrung der Fundthatsachen dieser Aufstellun g natürlich
 nicht direct widersprochen. Aber es scheint sich
zu zeigen, dass die La Tene-Schichte, je weiter wir
nach Osten vorschreiten, umsoweniger lückenlos und
unvermischt über den älteren Elementen auftritt;
1) Siehe den Vortrag des Secretärs J, SzomsATtur im
XV. Bande dieser Mittheilungen [S. 103],

lass die Hallstatt-Cultur, als eine vorkeltische und
ron Südosten .her verbreitete Erscheinung, nur im
Nesten, in den alten Wohnsitzen der Kelten vor den
zeschichtlich bekannten Wanderungen derselben, völlig
von der La Töne-Cultur abgelöst wurde, während
m Osten, in den Wohnsitzen der Illyrier, die wir
ıns als Hauptträger der Hallstatt-Cultur in Mittel-;uropa
 denken möchten, eine Vermischung und Verchmelzung
 eintrat, welcher wir unter Anderem auch
las eigenartige Bild der jüngeren Nekropole von
;t. Michael verdanken. Die nächste, noch werthollere
 Illustration zu diesem Verhältniss wird die
)jevorstehende Publication der Grabfunde von Idria
)je1 Baca bringen.
Jene Keltenschwärme, welche vier Jahrhunderte
ror dem Beginne der Römerherrschaft erobernd in
‘teiermark, Kärnten und Krain, in Friaul und im
‚üstenlande eindrangen, waren wohl militärisch stark
zenug, um diesen Gebieten fortan ihren Namen und
hr Gesetz zu geben — Formen, welche uns von
len literarischen Quellen allein überliefert werden —;
lein sie waren, wie uns die Ausgrabungen lehren,
ıumerisch und culturell zu schwach, um innerhalb
les gerade hier so hoch entwickelten archaischen
‚ebenskreises eine allgemeine Umwälzung hervorsurufen.
 ı Dies war erst den Römern ‚vorbehalten.
Jarum mögen, wie man auch früher bei uns anzenommen
 hat, immerhin einige der sogenannten
‚hallstättischen“ Gräberfelder des ostalpinen Fundzebietes
 in eine Zeit hineinragen, die man sonst
ıusschliesslich der La Tene-Periode zuweist, und
ılso zum Theile Jünger sein, als man jetzt gewöhnılch
 meint,
Und das erscheint am Ende vollkommen naturzemäss
 und verständlich. Wir glauben zu sehen, wie
ıler schon in halbgeschichtlicher Zeit, theils unter
ler Wucht kriegerischer Ereignisse, theils unter dem
sanften Druck friedlichen Verkehres ein vielgestaltiger
Nandel sich vollzog und an verschiedenen Orten
verschiedene Formen annahm, die in den Fundarscheinungen
 der jüngst aufgeschlossenen Nekropolen
m Küstenlande, Kärnten, Krain und Kroatien .nirzends
 völlig gleich, aber überall höchst belehrend
und zu weiterer Forschung anregend zu Tage treten.

Mitiheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien, Bl. XV. 1888
            
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