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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 8=18.1888

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Eine genauere Untersuchung der Localität wurde
trotz der ansehnlichen Funde, welche sich bereits im
Privatbesitz befanden, vermisst. Auch die sehr verdienstliche
 und in der Regel sehr rührige Leitung des
Laibacher Landesmuseums that nichts zur systematischen
 Untersuchung der Localität. Unter diesen
Umständen hielt es die Anthropologische Gesellschaft
für ihre Pflicht, sich derselben anzunehmen.
Zunächst wurde in der Monatsversammlung am
9. December 1884 (s. diese Mitth. Bd. XIV, [S. 112])
durch ein von Seiner Durchlaucht Fürsr Ernst zU
WınDiscHGRÄTZ vorgelegtes Eisenschwert von St. Michael
die Aufmerksamkeit der Anthropologischen Gesellschaft
 auf diesen Punkt gelenkt. Fürst WINDISCHGRÄTZ
wies bereits auf die Verschiedenheit der (zum Theile
in seinen Besitz gelangten) Funde von St. Michael
und Watsch hin und sprach seine Geneigtheit aus,
das Grabfeld am ersteren Orte dem illyrischen Volksstamme
 der Japuden zuzuschreiben, da durch Strabo
bezeugt sei, dass die Japuden von Süden her bis
Nauportus (Oberlaibach) sesshaft waren, während
weiterhin nach Norden die Taurisker wohnten.
Bei diesem Anlasse empfahl Herr Secretär
J. SzomsaTEy unter Betonung der grossen Seltenheit
von La Tene-Fundstücken in den Ostalpen die baldigste
 und sorgfältigste Aufdeckung der noch übrigen
Theile des Gräberfeldes und eine genaue Revision
der früher gegrabenen Stellen, da der Charakter des
vorliegenden Objectes im Zusammenhange mit anderen
Mittheilungen einen grösseren La Tene-Fund, wie er
im östlichen Alpengebiete bisher vermisst wurde, erwarten
 liesse.
In Folge dieses dringenden Wunsches wurde die
Ausgrabung der Nekropole von St. Michael auf das
Programm der praktischen Arbeiten unserer Gesellschaft
 gesetzt und im folgenden Jahre ungesäumt
begonnen. Zuvor muss jedoch erwähnt werden, dass
Fürst Ernst zu Winvisonerätz auf der „III. Wanderversammlung
 der Anthropologischen Gesellschaft“ zu
Klagenfurt Anlass nahm, in einem Vortrage „Ueber
die Classificirung seiner prähistorischen Funde in
Krain“ auch über die bisher in seinem Auftrage geöffneten
 Gräber von St. Michael nähere Mittheilungen
zu machen. Demnach waren dieselben ausschliesslich
Brandgräber, u. zw. nur Flachgräber, jedes von feinkörnigen
 rothen Sandsteinen umgeben, in deren
Mitte sich die Kohlenschicht mit dem Leichenbrand
und den meist zerbrochenen Beigaben befand. Letztere
oestanden „in sämmtlichen männlichen Gräbern aus
Waffen, Wurfspiessen und Beilen aus Eisen. Die

Schmuckgegenstände sind alle auffallend gross, sovohl
 die Bronzen als auch die Glasperlen; die Fibeln
neist schlank mit certosaähnlichem Fuss und einem
zrossen Knopf an der Ansatzstelle der Nadel. Neben
hnen erscheinen auch schlangenförmige Fibeln mit
Törnchen. Die Fibeln, sowie die übrigen Bronzeschmucksachen
 sind häufig im Tremolirstich verziert.
Zu erwähnen wären noch die grossen Fussringe mit
5-förmig gebogenem Ende und aus Bronzedraht gevundene
 Bügel, deren Enden kreisrunde Oehre bilden.“
Der Vortragende wies ferner abermals auf den Unter-‚ıchied
 der Funde von Watsch und St. Michael hin,
welcher nach seiner Ansicht darauf beruht, dass uns
n Watsch die gleichzeitigen Bestattungen zweier verschiedener
 Volksstämme, eines herrschenden keltischen
n den Skelet- und eines unterjochten illyrischen
südslavischen) in den Brandgräbern vorlägen, während
.n St. Michael die Ueberreste einer unvermischten
ınd frei gebliebenen, rein illyrischen Bevölkerung,
ler Japuden, erhalten wären.

2. Ausgrabungen im Jahre 1885.
Anfang September 1885 machte Herr J. Szom-3ATHY,
 Welcher seinerzeit als Secretär der Gesellchaft
 den Antrag zur Untersuchung der Fundplätze
ron St. Michael gestellt hatte, eine Recognoscirungs-;our
 dahin, bei welcher er von Herrn Axt. BurcEr
vus Adelsberg begleitet war!). Er fand sowohl auf
lem Hügelrücken Pod Mackovcam als auch auf dem
\bhange Za Pol&no die zahlreichen Spuren der Raubzräberei
 der früheren Jahre. Seine am 9. und
‚0. September ausgeführten Versuchsgrabungen auf
len Grundstücken des MArtın SchAnTEL (Pod Mackov-:am)
 und des Jos. KırmexT (Za PolSno)ergaben aber,
lass doch noch einiges Terrain für eine regelrechte
Jntersuchung übrig geblieben war.
Pod Mackovc ergab 5 Brandgräber in unregelnässiger
 Gruppirung, 1—3 m von einander entfernt.
Sie liegen 50—80 cm tief und bilden 20—60 cm tiefe,
0 bis 70 cm breite, unregelmässig cylindrische Gruben,
welche in den gewachsenen humösen Boden und zum
"heil in den darunter liegenden dünnplattigen merzeligen
 Sandstein gegraben sind. Von diesen Gruben
sind 4 nicht ausgekleidet, eine ist in ihrer unteren
Aälfte mit faustgrossen Steinen rundum ausgelegt.
Sie sind vollständig mit Kohle und Asche er-'allt,
 in welcher man wenig calcinirte Knochen und

1) Die folgenden Angaben über die Ausgrabungen des
Jahres 1885 beruhen auf freundlicher Mittheilung des Herrn
Justos SzouBATErY.
            
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