177
Gutes an. Da er der Schöpfer der Welt ist, so wendet
man sich am Yechfeste (an den religiösen Frühjahrsfeierlichkeiten)
an ihn unter Darbringung einer Caron
(eines aus Holz geschnitzten Bechers) und fleht ihn
an um seinen Segen für alle Menschen und deren
Viehstand. Der Caron wird von den Jurjun-Verehrern
gegen den Himmel gehalten, weil sie überzeugt sind
Jurjun nippe vom Kumys. Darauf wird der Inhalt
des Caron als ein heilkräftiger Trank, den göttliche
Lippen geheiligt, unter die Jakuten vertheilt. Der
Schamane versichert, dass Jut-tas olbochtachaj-Toön
während der Darbringung des Caron am
Himmel sich zeige und von einem milchweissen
Throne herab den Jakuten und ihren Herden seinen
Segen spende. Nach der Lehre der Schamanen gibt es
keine höhere Gottheit als Jurjun.
Ajsyt (die Austheilerin von Gütern). Diese weibliche
Gottheit hat ihren Aufenthalt im Himmel, sie
erweist den Menschen Wohlthaten, indem sie ihnen
Kindersegen zuschickt und den Frauen die Niederkunft
erleichtert. Ueberhaupt spendet sie viel Gutes,
in Sonderheit den Frauen und lässt nach Geburts-‚ällen
die monatliche Reinigung nicht ausbleiben,
Nach glücklich erfolgten Entbindungen bringt man
ihr Opfer dar. Ueber die Ceremonie werde ich späterhin
besonders sprechen. Diesen guten Gottheiten
werden keine blutigen Opfer, sondern blos Nahrungsnittel
(Feldfrüchte) dargebracht.
Gute Gottheiten zweiter Ordnung
orolZuttar) sind:
1. An-dojdu-it&itja An-darchan-chotun
‚die weibliche Gottheit, die der Erde ihren Schutz
verleiht), sie hält sich auf grösseren Bäumen auf
and verleiht den Gewächsen Wachsthum und Fruchtbarkeit.
Nach der Versicherung der Schamanen erscheint
sie zuweilen den Menschen, und welche ihres
Anblicks einmal theilhaftig geworden, die erfahren
ihr Lebelang keine Noth mehr, vielmehr erfreuen sie
sich vollster Glückseligkeit. Nach Angaben der Schamanen
bringt man ihr verschiedenartige Opfer dar.
2. Sjugja-To&n, chara-begi-to&n (die
Gottheit des Viehstandes); er schickt den Menschen
Kinder und Kälber. Nach der Versicherung der Schamanen
gibt er beleljach-kulun und mjanjachogon,
d. h. ein Füllen mit einem Stirnblattflecken
und einen Knaben mit einem Muttermal. Stirnblattflecken
und Muttermale gelten nämlich als Zeichen
des Glückes. Das Verhältniss und die Eigenschaften
des jeweilig darzubringenden Opfers bestimmt der
Schamane.
3. Uordach-dZjusjugjaj-Aj, das ist die
‚orngemuthe Gottheit, welche die Menschen für ihre
Vergehen und Uebertretungen züchtigt. Als Opfer
vird ihm ein Pferd oder ein Stier dargebracht.
‘Der Lehrer Prırvzovy macht die Mittheilung, dass
liese Gottheit den Menschen beherzte Männer, hitzige
”ferde und spannkräftige Stiere schenke.
4. Derselbe Prırvzov gedenkt auch eines Chotoj-\j;,
welcher den Menschen zwar eine physisch geringere
Zuzucht bescheert, dafür aber eine grössere
Zenge, unter der das weibliche Geschlecht vorherrscht.
5. Eechsit, eine weibliche Gottheit, die den
Wanderer unausgesetzt auf seiner Reise begleitet und
hn in seinem guten Vorhaben fördert. Sie erfreut
sich einer besonders grossen Liebe und Werthschätzung
seitens der Jakuten. Ihr bringt man freudig gern
Jpfer dar. Sie gilt als der jakutische Schutzengel.
Nach der Betheuerung der Schamanen ist der Mensch
ntblösst von jeglichem Schutz und den Versuchunzen
der bösen Geister‘! preisgegeben, von dem sich
%echsit beleidigt glaubt und sich von ihm abwendet.
Entkommt einer irgend einer Gefahr, so sagt
ar, Kechsit sei ihm beigestanden. Ihr wird eine
unge Stute dargebracht.
6. Baj-Bajanaj ist die Gottheit der Jagd auf
Wild. Er geleitet den Jäger überall hin und leistet
hm Hilfe auf seinen Zügen. Wenn sich der Jakut
auf einen langen Weg zur Gewinnung von Wild-;ellen
aufmacht, so schnitzt er aus Holz ein Idol
ınd bestreicht es mit dem Blut des Thieres, welches
ar zu Ehren Baj-Bajanajs getödtet. Mit dem
Fleisch des getödteten Thieres hbewirthet man den
Schamanen und die Gäste, die Statue Baj-bajan’s
ıber stellt man in den vorderen Winkel auf den
£hren-Oron. Oron heisst nämlich der Ehrentisch
m linken vorderen Winkel. Zuweilen bleibt B a joajanaj
in seiner Ecke viele Jahre stehen.
7. Ukulan, das ist die Gottheit der Fischer.
£&r hält sich in Gewässern auf und vermittelt erfolgreichen
Fischfang. Als Opfer wird ihm ein zwei-‚ähriges,
schwarzes Kalb dargebracht,
Von den Gottheiten und anderen Gutthaten ausibenden
Wesenheiten mögen noch folgende erwähnt
werden: Kis-tanara, die Gottheit der Zobel. Man
stellt sich ihn in Menschengestalt vor, bekleidet mit
2>inem Zobelpelz. Diese Figur wird in einem sämisch
edernen Beutel aufbewahrt, der mit verschieden-'arbigen
Perlen verziert ist, Bei wichtigeren Anlässen
wendet man sich an ihn um Beistand, wobei man
fett in’s Feuer wirft.