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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 8=18.1888

{

die sorgfältige, gründliche Auskunft über den Ursprung,
die Nutzanwendung, den Stoff u. s. w., womit jeder
einzelne Gegenstand versehen ist. Eine zweite Sammlung
 wie die seinige lässt sich unter den gegenwärtigen
 Verhältnissen nicht mehr zu Stande bringen.
Unter den übrigen grösseren Sammlungen aus
Melanesien ist diejenige des British Museum am
bedeutendsten, welche die Salomon-Inseln, die Neu-Hebriden
 und Fidschi sehr gut zur Anschauung
bringt. Mehr speciell sind die Museen in Wien und
das Musege des colonies in Paris, beide mit reichhaltigen
 Sammlungen von Neu-Caledonien ; desgleichen
das Museum in Rom mit umfangreichem Material von
den Fidschi und nicht am wenigsten das Dresdener
Museum, welches die grösste Sammlung von den
Palau-Inseln besitzt, und durch die merkwürdigen,
mit Bilderschrift versehenen Pfähle, die nach Europa
zu entführen Dr. Semrer das Glück hatte, geradezu
3inzig dasteht %).
Alsdann kommt noch die grösste Insel Melanesiens,
 Neu-Guinea. Die zahlreichen Untersuchungen
and Colonisationsbestrebungen, für welche diese Insel
in den letzten Jahren Gegenstand gewesen, haben
den ethnographischen Museen Gewinn gebracht. Zuerst
 sind die nördlichen und nordwestlichen Theile
des Landes mit den Europäern in Berührung gekommen,
 während die neuesten Untersuchungen sich
dem Süden und Südwesten der Insel zugewandt
haben, Aus den erstgenannten Gegenden finden sich
in fast allen Museen grössere oder kleinere Gruppen
von Gegenständen, die meisten von der Geelvink-Bay.
 Am vollständigsten sind unter den deutschen
and italienischen Museen die von Mever heimzebrachte
 Sammlung in Dresden?) und die Sammlung
 Beccarı's, welche grösstentheils nach Florenz
gekommen ist*); ein kleinerer Theil ist von Rom
erworben; beide von dem Küstenstrich zwischen der
Humboldt-Bay und dem Arfak-Gebirge.
Aus dem übrigen Guinea hatten bis vor einigen
Jahren nur einzelne Gegenstände den Weg nach
Europa gefunden; das Land war so gut wie unbekannt.
 Jetzt sind die Sammlungen von dort bedeu-;ender
 als von der Nordküste, aber bei weitem weniger
allgemein. Von dem Papua-Golf ist p’Ansertis längs
dem Fly-River in’s Innere vorgedrungen und hat
1) Meyer: Bilderschriften etc, ;
?) Umne: Holz- und Bambus-Geräthe aus Nordwest-Neuuinea,
 Leipzig 1886.
3) MantrcaAzza im Archivio per l’antropologia e la etno-‚ogia.
 VII. 307.

ne stattliche ethnographische Ausbeute heimzebracht,
 die zu den werthvollsten Erwerbungen des
Museums in Rom gehören (ein kleinerer Theil davon
’efindet sich in Florenz), während Dr. Fıyson an
ler Südostküste, dem sogen. Kaiser Wilhelms-‚and,
 seinen Forschungen obgelegen !). Das reichıaltige
 Material, welches der tüchtige Sammler heimzebracht
 (circa 5000 Nummern) ist grösstentheils
ron dem Berliner Museum käuflich erworben ?),
velches augenblicklich nebst dem Museum in Rom
Neu-Guinea am besten vor Augen führt.
Aus diesen Sammlungen geht zur Evidenz hervor,
lass Neu-Guinea, das in anthropologischer Beziehung
Un Ganzes bildet, vom ethnologischen Gesichtspunkt
yetrachtet, nicht unbedeutende Verschiedenheiten
ıffenbart, die sowohl in der Lebensweise und Sitte
ınd Brauch, als in den Werken der Menschenhand
ıervortreten. Im Ganzen sind in dem nördlichen Theile
les Landes die Formen einfacher, die Ornamentik
jarocker, als bei den südlicher wohnenden Stämmen,
etztere sind am weitesten in ihrer Entwicklung
‚orgeschritten und geben ein äusserst lehrreiches
3ild einer eigenthümlichen Steinaltercultur. Auf
zeinem Gebiete der Südsee tritt diese erste Culturjeriode
 so charakteristisch auf, wie im Kaiser
Nilhelms-Land und am Fly-River. Das den
Singebornen zu Gebote stehende Material war nicht
;ben mannigfaltig, aber sie haben es mit nicht
zeringer Fertigkeit zu benutzen verstanden, Für die
Nerkzeuge verwenden sie Diorit-Porphyr oder einen
‚unkelgrünen Schiefer, seltener die Schale der Trilacna-Muschel.
 Während diese in der einfachen
Form, die das Werkzeug erfordert, benutzt wird,
ıaben die Papua in der Behandlung des Steines
ne grosse Geschicklichkeit erworben. Die Aexte,
lie zu ihrem Tagewerk unentbehrlich sind, zeigen
neistens die bekannte einfache Form mit ‚spitzer
3ahn, aber sind mit grosser Umsicht und vielem
xeschick geschliffen, und die scheiben-, cylinder- und
ternenförmigen Köpfe der Keulen der Gebirgsvölker
m Binnenlande sind so verschieden von allen anleren
 Steinalterformen, dass man sie, wenn nicht
lie Isolirtheit der Papua dieser Annahme entgegen-‚tände,
 für Nachbildungen von Metallsachen zu halten
zeneigt sein könnte, Nach etwaigen Vorbildern sucht
1) D’Ansertis: Alla nuova Guinea, und Proceedings of
the royal Geogr. Soc. of London. XX, S. 343. Fınscm in den
Jriginalmittheil. I, S. 92.
7) Ein Theil von den Fıysem’schen Sammlungen ist, wie
weiter oben gesagt, nach Rom und nach Wien gekommen.
            
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