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Stammes klar und bestimmt hervortritt und zugleich
die verschiedenen Industriezweige, die bei den Nilvölkern
eine so eigenthümliche Entwicklung erfahren,
wie die Schmiedekunst, die Holzschnitzerei,
die Keramik hier, wie nirgendswo anders, in allen
Einzelheiten sich studiren lassen. Einen bedeutenden
Zuwachs haben diese Sammlungen durch andere Erwerbungen
erfahren, darunter die reichhaltige Ausbeute
der Reisen Marno’s und BucHTA’s am obern
Nil, die durch die bedeutenden Sammlungen des
österreichischen Consuls Hansaı in Chartum ergänzt
ist. Der hohe Werth der Sammlungen des Emmy Buy
liegt nicht allein in ihrer Vollständigkeit, sondern
namentlich auch darin, dass sie von einem Manne
herrühren, der zu sammeln verstand und die beste
Gelegenheit dazu hatte, indem er lange genug unter
den Nilvölkern lebte, um mit den dortigen Verhältnissen
völlig vertraut zu werden. Seine Sendungen
waren von ausführlichen Erklärungen und sicheren
Bestimmungen begleitet, die für das betreffende Gebiet
äusserst wichtig sind, weil die Völker zwar in
Betreff ihrer Cultur einander nahestehen, aber nichtslestoweniger
in mehrfacher Hinsicht ziemlich ausgeprägte
Eigenthümlichkeiten verrathen. In den
übrigen Wiener Sammlungen !) sind die Stämme häufig
Jurcheinander gemischt, wohingegen diejenigen des
Emmy Bey eine sichere Basis für Classificationen auf
Jiesem Gebiete gewähren.
Auch in den italienischen Museen findet man bedeutende
Sammlungen aus den Nilländern. Der Maler
Mıaxyı hat z. B. seine Sammlungen von den Niam-Niam,
Bari, Dinka, Bor, Schilluk und Galla
an das Museo civico in Venedig geschenkt. Er
hat gesammelt, was er gelegentlich hat erwerben
können und was ihm des Sammelns werth erschienen
war. Einen Plan kann man darin nicht entdecken,
selbst nicht einmal einen Versuch, ein auch nur annähernd
vollständiges Bild zu geben von den Völkerschaften,
unter denen er sich so lange aufgehalten
hat. Mehrere Serien namentlich von Waffen und
Schmucksachen sind jedoch recht ausgiebig und das
Hauptinteresse der Sammlung liegt in Einzelnheiten.
Von grosser‘ Bedeutung ist die Classification der
Gegenstände seitens des langjährigen Missionärs bei
den Dinka-Stämmen BuLrtrAMe, weil sie die Eintheilung
des Emıy Bey durchaus bestätigt.
Das Museum in Rom besitzt ein gutes Material
aus diesem Territorium. Die Hauptmassen bestehen
1) Mit Ausnahme jener Buchra’s, welche auch bis in’s
Detail trefflich bestimmt ist. Anm. d. Red.
n den Sammlungen Gussı, Sanrtoxı und Cxeccm, die
Jusser einigen Objecten aus Unyoro und Uganda fast
ılle grösseren Stänme am weissen Nil sammt den
Niam-Niam und Monbuttu umfassen. Am besten
zertreten sind letztgenannte, die Bari-, Dinkaınd
Latuka-Stämme. Namentlich Gzssı's Samm-‚ung
ist besonders reich an seltenen guten Sachen
von dorther. Ausser Serien von Schmiedearbeiten,
Alfenbeinhörnern, musikalischen Instrumenten und
Tausgeräthen, die zu den besten Erzeugnissen dieser
Völker gehören, findet man dort von den Niam-Niam-
und Bongo-Völkern einige jener seltenen
\hnenfiguren von Holz, die zur Erinnerung an die
Podten in den Hütten aufgestellt werden, und etliche
ler nicht minder seltenen Tanzmasken. Beklaglicherweise
sind Gzssiı's schriftliche Aufzeichnungen veroren
gegangen, was umsomehr empfunden wird, als
inige Gegenstände nirgendwo anders existiren und
leshalb bis jetzt jeglicher Erklärung ermangeln;
veniger vermisst man sie hinsichtlich der Classiication,
weil diese sich mit Hülfe der vorliegenden
‚ammlungen mit Sicherheit ausführen lässt. Auch
las kleine Museum der Propaganda besitzt eine
ılcht geringe Auswahl von Gegenständen aus den
Villändern und dem centralafrikanischen Seegebiet,
velche die Sammlungen des Museo preistorico ed
;tnografico nach mehreren Richtungen in glücklicher
Neise ergänzen.
Sowohl hinsichtlich ihres Ursprunges als ihrer
Jultur von den eben genannten Völkergruppen völlig
verschieden sind die drei Stämme der Danakil,
Somali und Galla, welche das östliche Aequatojal-Afrika
bewohnen, Auch diese sind in den letztverflossenen
Jahren gut repräsentirt worden. In allen
zrösseren Museen findet man ihre leicht kenntlichen
Naffen, ihre mit Kauris verzierten Stroharbeiten,
Tolzschnitzereien und ihren Silber- und Messingichmuck;
umfangreiche, vollständige Sammlungen
ind indessen nur in Rom und in Wien, und zwar
3rgänzen diese beiden. Museen sich einander auf
liesem Gebiet, indem ersteres die grösste Sammlung
zon den Galla besitzt, während letzteres die Somali
am vollständigsten vor Augen führt.
Der Einfluss der orientalischen Cultur ist bei den
Völkern an der Ostküste Afrikas sehr merkbar; in
\bessynien ist er geradezu überwiegend. Da hat
nan nicht mehr mit einer primitiven Cultur zu
cechnen, sondern mit einer Halbeivilisation, die beceits
eine Geschichte hat, in welcher der arabische
Zinfluss die Herrschaft gewonnen. Diese spiegelt sich