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Namentlich bei den Festen wird eine möglichst
grosse Pracht entfaltet. Da werden die zierlich ge-Aochtenen,
mit Papageien- und AÄrarafedern geschmückten
Kronen getragen, der mit Hängezierrathen
ausgestattete Perlen-Brustschmuck u. s. w. Den Gebrauch
der europäischen Waffen haben sie noch nicht
gelernt. Mit der geschliffenen Steinaxt, die sie an
einen Zweig oder dünnen Holzschaft festbinden
oder mit Harz befestigen, fällen sie Bäume und verfertigen
sie ihre Waffen. Vögel und kleine Säuget*hiere
erlegen sie mit der Lieblingswaffe aller südamerikanischen
Völker, dem Blaserohr, welches einige
Stämme mit grosser Kunstfertigkeit aus zwei ausgehöhlten
Holzstücken herzustellen verstehen. Aus
diesen Blaseröhren entsenden sie die dünner, Vvergifteten
Pfeile, die dergestalt eingeschnitten sind,
dass sie bei einem Versuche, sie aus der Wunde
herauszuziehen, abbrechen müssen. Im Kriege .und
bei der Jagd auf grössere Thiere treten an die Stelle
des Blaserohres Bogen und Pfeil, die je nachdem
sie bestimmt sind, ein Thier oder einen Menschen
niederzustrecken, verschiedener Art sind. Die grossen
eleganten Keulen dienen dahingegen nur als Paradewaffen
bei Festlichkeiten. Die meisten Gegenstände
im Besitze dieser Völkergruppe sind mit grosser
Tüchtigkeit angefertigt. Dies gilt sowohl von den
Geweben, welche von den Frauen hergestellt werden,
als von den sorgfältig behandelten Federsachen, von
den Waffen und vor Allem von den ausgezeichneten
Töpferarbeiten, die aus feinem Thon geformt und
mit rothen und schwarzen Linien auf weissem Grunde
reich verziert sind. Sie gehören zu dem Besten, was
die südamerikanischen Völker in dieser Beziehung
geleistet haben. Die Ornamente sind dieselben wie
auf den Tunikas, auf den feinen Umwicklungen
von Baumwollengarn an den Keulen und Bögen und
an den Pfeilspitzen. Eine Tunika mit gemalten Figuren
im Museum zu Rom ist mit naturalistischen
Darstellungen von vierfüssigen Thieren und Schlangen
verziert, aber dies scheint bis jetzt in den Museen
das einzige Beispiel von der Verwendung von Thierfiguren
in der Ornamentik zu sein, die sonst ausschliesslich
lineare Motive verwendet. In letzteren
könnte man Anklänge an die Inca-Zeit sehen wollen;
verschiedene Züge in der Combination mäanderartiger
Motive, gebrochener Linien und dreieckiger
Figuren, welche dieser Ornamentik eigen sind, erinnern
stark an die Ausschmückung der Gewebe und
Thongefässe aus peruanischen Gräbern. Trotzdem
‚st ein Einfluss von Peru sehr zweifelhaft. da nur
lie einfachen Linienornamente Aehnlichkeit mit denen
ler Andes-Völker zeigen, während die charakteri-‚tischen
Thier- und Menschenfiguren, die in der
Jecorationsweise der Inca eine so grosse Rolle
‚pielen, hier niemals vorkommen. Es ist überhaupt
laran zu erinnern, dass die Ornamentik wenig entwickelt
ist und dass bei zahlreichen Völkerschaften
ım Amazonenstrom und in den nördlichen Theilen
les Festlandes noch verwandte Ornamentmotive
zefunden werden. Sie sind eher als ein gemeinschaftiches
Eigenthum aller Stämme zu betrachten, und
hre Aehnlichkeit mit den peruanischen, in der Zusaammensetzung
wie in der Verwendung, beruht wahrscheinlich
auf einer nebeneinander fortschreitenden
üntwicklung auf gemeinschaftlicher Grundlage.
Der Sammlung LvcıoLrt schliesst sich das prächige
ethnographische Material an, welches das Museum
in Rom dem Missionär Pozzı verdankt. Pozzı
1at während seiner 13jährigen Thätigkeit unter
irca 20 Stämmen am R. Napo und Pastazza
zesammelt, d.h. auf einem Territorium, welches an
las Ucayali- und Huallagagebiet grenzt. Die beiden
Sammlungen ergänzen einander und gewähren neben
ner Anzahl werthvoller Dinge, die sich schon vorher
n Rom befanden !), die beste Darstellung der Völkerschaften
des nördlichen Peru, in Ecuador und im westichen
Brasilien, .die sich gegenwärtig geben lässt.
Namentlich sind die Sammlungen von den Jivaro
ıuf den östlichen Abhängen der Andes, deren merkvürdig
präparirte Köpfe so lange Gegenstand des
ürstaunens gewesen sind, ausserordentlich reich und
eben von diesen wilden, grausamen Völkerstämmen
un anschauliches Bild”). In anderen Museen sind
je nur durch kleine Gruppen von Gegenständen
vertreten.
Das Museum in Rom besitzt noch eine dritte
Sammlung vom Oberen Maranon, die von dem
Missionär Corpr mitgebracht ist, welcher lange unter
len Stämmen am R. Üaupes sich aufgehalten hat %).
)bschon weder die grösste noch die beste von diesem
xebiete, enthält sie doch ein besonders gutes Studiennaterial
von der Völkergruppe, die den Namen des
Ylusse3 trägt. Von besonderem Interesse sind einige
1) Pıcorıni in den Atti della Reale Accademia dei Lincei
JOLXXVIL
?) Vgl. Cornınyi’s sorgfältige Studie in den Atti della Reale
Accademia dei Lincei CCLXXX mit Abbildungen einiger der
nteressantesten Gegenstände der Sammlung.
3) Einen ausführlicheren Bericht über diese Sammlung
‚ibt Corıinz in der Cronaco del Museo preistorico ed etnorrafico,
I, S. 40 ff.