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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 8=18.1888

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In erster Linie steht hier, sowohl hinsichtlich
des Reichthums als der Vielseitigkeit des Stoffes, der
Trocadero. Die mexikanische Sammlung desselben
umspannt das ganze Territorium zwischen Tula und
Tabasco, wozu noch die interessante Ausbeute der
Ausgrabungen in Lorillard-City und Yukatan kommen *).
Das eigentliche Massenmaterial der Sammlung, welches
man Pısarr und CHarsay verdankt, umfasst ausser
ainigen äusserst werthvollen Sculpturen, worunter
z. B. die interessante Porphyrstatue des Quetzalcoatl
aus der Stadt Mexiko und vortreffliche Abgüsse der
Reliefs von Palenque und Chichenitza, ausserordentlich
 reiche Serien behauener und geschliffener Steingeräthe,
 Amulette, Idole, Masken und Vasen von
verschiedenem Gestein und besonders von Gefässen,
Stempeln, Grabfiguren und Götzenbildern von Thon,
das Meiste aus Anahuac, Durango und Guanajuato
herstammend. Ein besonderer Werth dieser Sammlungen
 liegt in den genauen Angaben des Fundortes,
womit jedes Stück versehen ist, wodurch es möglich
wird, die verschiedenen Localitäten und Stilgruppen
von einander zu unterscheiden. Da sehen wir, dass
bei den verschiedenen Völkerschaften, die das alte
mexikanische Reich bildeten, gleichzeitig verschiedene
Culturformen nebeneinander existirt haben. In den
Serien der Terracottafiguren und Thongefässe lassen
sich z. B. eine Reihe leichter Nuancen im Stil verfolgen,
 von den ersten Versuchen, die menschliche
Gestalt nachzubilden, in den Thonfiguren von Cerro
de las Palmas bis zu den vortrefflichen Köpfen
von Estanzuela und den Statuetten von Teotihuacan.
 Die Sammlung ist ausserdem durch ihre
Gruppirung sehr werthvoll für die Vergleichung und
Bestimmung des mexikanischen Materials in anderen
Museen, die nicht so gut mit Fundangaben versehen sind.
Für eingehende Detailmittheilungen über das grosse
Material ist hier nicht der Ort. Es sei nur bemerkt,
dass die grossartigen Serien von Terracotta-Idolen
eine Grundlage für das Studium der aztekischen
Mythologie bilden, wie sie gewiss nirgends gewährt
wird, Von einer grossen Anzahl der Idole ist die
Bedeutung noch unbekannt, und es erfordert noch
viele Detailuntersuchungen, bevor man zu einem

1) Im Jahre 1887 sind auch die mexikanischen Sammlungen,
 die früher im Louvre aufgestellt waren, an den Trocadero
 abgegeben worden, Sie enthalten unter Anderm eine
Anzahl der Originale zu den Abbildungen in KınGssorovGH’s
Werk. Vgl. über diese Sammlungen LonxersrtER: Notices des
monuments expos6s dans la salle des antiquites americaines
du Louvre. Paris 1851

‚icher begründeten allgemeinen Resultat gelangen
vird. Einen Anfang in der Bestimmung der charakteistischsten
 Figuren in dem aztekischen Pantheon
zemacht zu haben, ist Hamy’s Verdienst.
Neben dem Trocadero steht das Berliner Museum,
wo sowohl das mexikanische als yucatekische Ge-»iet
 besonders reich vertreten ist. Den Grundstock
{er mexikanischen Abtheilung bildet die von UHpgE
ı1eimgebrachte Sammlung, die hinsichtlich ihres Reichhums
 an prächtigen, charakteristischen Steinsculparen
 das Museum Trocadero noch übertreffen dürfte
ınd gleich diesem reichhaltige Serien an kleineren
jegenständen (Idole, Masken, Thongefässe, Steingeäthe,
 Schmucksachen etc.) zur Beleuchtung der
‚ebensweise, Industrie und Cultusgebräuche der Mexicaner
 enthält. Bedauerlicherweise gewährt das Material
ıcht die so wünschenswerthen Fundaufschlüsse, weil
sg aus einer Zeit herrührt, wo das Verständniss für
lie Bedeutung systematischen Sammelns noch nicht
zeweckt war. Man beachtete nicht, dass schon in
lem früheren aztekischen Reich verschiedene Culturıruppen
 existiren konnten, und. sammelte deshalb,
ıhne sich um den Ort, woher die Gegenstände
ıtammten, zu kümmern; es ging Alles unter der
Zezeichnung „mexikanische Alterthümer“. Der Mangel
ın Auskunft ist auf einem so wenig bearbeiteten
Telde, wie die mexikanische Archäologie, doppelt
ühlbar, weil die einzelnen Gegenstände nur durch
critische Vergleichungen den Culturgruppen zugeviesen
 werden können, zu welchen sie gehören, und
{azu fehlt es bis jetzt an genügendem Material. Mit
Iilfe der Pınarr’schen Sammlung lässt sich allerlings
 Manches bestimmen, doch bedarf es noch zahleicher,
 durch zuverlässige Ausgrabungen erworbener
Tunde, bevor die Eigenart der verschiedenen Völker-‚:chaften
 zu Tage treten wird. Einen wichtigen Beirag
 gibt nach dieser Richtung eine von dem Hamyurger
 Kaufmann STREBEL angelegte Sammlung, jetzt
m Besitz des Berliner Museums, die ausschliesslich
lurch Untersuchungen auf den ehemaligen to to-1akischen
 Gebieten zusammengebracht ist, bejonders
 bei Zempoala, nördlich von Veracruz. Diese
Sammlung entspricht allen Anforderungen an eine
»ingehende Beschreibung der Fundumstände *). -
Für das Studium der Cultur der Majavölker
zeradezu unschätzbar ist die im Besitz des Berliner
Museums befindliche Sammlung aus Yucatan. Sie
ıst einzig in ihrer Art, und eine zweite ihresgleichen

ij) SrreseL: Alt-Mexiko. Hamburg und Leipzig, 1885,
            
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