Smaland und Halland haben kaum ein Viertel der
urzeitlichen Schätze verschlungen und diese Behauptung
gewinnt um so grössere Wahrscheinlichkeit, je
mehr die neueren Forschungen darthun, dass die
angebliche Senkung des südlichen Theiles von
Schweden eine grundlose Hypothese ist ‘).
Man kann demnach aus der grossen Menge der
skandinavischen Steinsachen absolut nicht die Folgerung
ziehen, als ob im Sinne des alten und modernen
Rudbeckianismus die Production des Nordens
schon aus diesem Grunde auf den Süden Einfluss
gehabt haben müsste. Die grosse Menge der
Steinzeitsachen in Skandinavien kann
keinesfalls als Beweis gelten gegen die
Selbstständigkeit der Steincultur der
mittleren Donau%.
II. Capitel.,
Untersuchung des Grundtypus und der typischen Abweichung
der ungarländischen und der nordeuropäischen Steinwerkzeuge.
Es wäre ein Irrthum, aus der Grundform auf den nordeuropäischen
Ursprung der ungarischen Steinwerkzeuge zu
schliessen. — Die Grundformen der skandinavischen und der
ungarischen Steinwerkzeuge weichen kaum von einander ab. —
Die vorherrschenden Steinwerkzeug-Individuen. — Die Art
ihrer Anfertigung. — Natürlicher Grund und . Erklärung
der Formenähnlichkeit. — Fehlerhafte Theorien. — Das
physikalische Gesetz des Zweckes und des Materials erklärt
die Form. — Hildebrand’s und Jussieu’s Erklärung. — Kapp’s
Organprojection. — Noire’s Ansicht. — Einfache und complicirte
Formen. Die Bestimmung der einfachen Formen ist
leicht zu erkennen. — Die Bestimmung der complicirten
Sormen ist schwer zu erkennen. Hieher bezügliche Beispiele.
— Consequenz des physikalischen Gesetzes. — Nachweisung
desselben am Obsidian, Flint und Hornstein. — An Steinarten
anderer Zusammensetzung. — An einem hieher bezüglichen
speciellen Beispiele. — Die Untersuchung der Bronzen
1) Vgl. Lussocx: Die vorgeschichtl. Zeit. I. 224.
?) Hier darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass man
sich im Norden um ein ganzes Jahrhundert früher an die
Sammlung der Steinsachen machte. Stosäus trat schon 1738
im Wege der Presse gegen die Ansicht auf, welche in den
Steinwerkzeugen „Gottespfeile“ und „Opfermesser“ erblickte,
während dieselben seiner Ansicht nach Instrumente und
Waffen sind. In Ungarn begannen NıcoLAvs JANKOVICH,
Franz Kusınyı, Jomanx Eror und Franz Kıss zuerst auf die
Steinalterthümer zu achten und dieselben zu sammeln, Doch
begann eigentlich erst seit dem Zusammentritt des Pariser
internationalen archäologischen Congresses von 1867 (Compte
rendu pag. 10, Arch. Ert. X, 238) in Folge der Aneiferung
Römer’s das zielbewusstere Sammeln, während in Nord- und
Mitteleuropa bereits Niederlagen von Steinalterthümern bestanden.
zann diese Thatsache noch mehr beleuchten. — Die englischen
3ronzen. — Die merowingischen Alterthümer. — Die Stockı1olmer
Fibeln, — Die ungarischen Bronzen und ihr eigenthümicher
Typus. — Alle diese zeigen einen speciellen Typus, die
;teinwerkzeuge haben keinen speciellen Typus. — Die Seltenıeit
der Steinwerkzeuge ist nicht auf mangelnde Entwickelung
ıes Bedarfs zurückzuführen. — Nachweisung am Schwert,
m der Nadel und am Celt. — Beschränktheit der Kunsttwicklung
der Steinwerkzeuge. — Vom gewöhnlichen Typus
ıbweichende Steinwerkzeuge stammen bereits aus der Metall-;eit.
— Der Dadaer Serpentin-Streitkolben. — Abweichungen
ier Steinwerkzeuge in der Manier. — Provinzialismus der
ıngarischen Steincultur. — Provinzialismus der skandinarischen
Steincultur. — Die Besonderheiten in der Manier der
"ormgebung zeigen sich in der technischen Behandlung und
n der Wahl des Materials. — Im Norden spielt der Flint
lie Hauptrolle, bei uns ist die Rolle des Flint eine unterzeordnetere.
— Besonderheiten in der Formgebung. — Im
Norden ist die technische Entwicklung grösser als in Mittelund
Südeuropa. — Erklärung dafür. — Die localen Abveichungen
sprechen für die Selbstständigkeit der Steincultur
ler betreffenden Gegend.
Ein eben solcher Fehler wäre es, wenn wir aus
der Grundform der Steinwerkzeuge schliessen
wollten, dass die ungarischen Steinwerkzeuge aus
lem Norden zur Mittel-Donau gekommen sind. Die
Zasis dieser Folgerung wäre verfehlt.
Wohl darf man nicht leugnen, dass die skandinavischen
Steinsachen in der Grundform kaum von
len ungarischen abweichen %). Die vorherrschenden
[ypen von Steinsachen gehören da und dort zu der
iruppe der unentbehrlichen Waffen und Werkzeuge.
Jie hauptsächlich vorkommenden Gebrauchsartikel
ind: Messerklingen, Feilen, Sägen, Meissel, Kratzer,
Iobel, Hämmer, Beile, Streitäxte, Hacken, Keile,
Schleudersteine, Pfeil- und Lanzenspitzen, Dolche,
Schleifsteine, Amulete, Gewichte, Angeln, Fisch-‚techer,
Knöpfe, mit einem Worte, all die verschielenen
Werkzeuge und Waffen, welche überhaupt auf
Steinzeitgebieten Europas, Amerikas, Asiens und
Afrikas vorkommen. Aber ausser der Form stimmt
1) Franz Pusszey hat sich schon auf dem VIII. inter-1ationalen
archäologischen Congress in diesem Sinne geäusjert.
(Compte-rendu de la VIII Sess, 1876. I. 5 u. Arch.
irt. X. 237.) Seither haben auch Andere hervorgehoben, dass
ı1eben den dänischen gebogenen Messerklingen, Lanzen- und
”feilspitzen auch die Kratzmesser der Eskimo in Siebenürgen
ihres Gleichen finden. (Tren.Ais: A Petäkvölgyi öste-‚epek
Hunyadmegy6ben. Arch. Ert. Neue Folge, II. 106.)
SorHıE v. Torma hat auf die Aehnlichkeit einiger Exemplare
von Steinwerkzeugen des Tordoser und Nändorer Thales mit den
Jänischen, schweizerischen, englischen, irländischen und denen
von Mikenä aufmerksam gemacht. (Neolith kökorszakbeli
telepek Hunyadmegy6ben. Erd. Müzeum. VI:
40—142. 193. 204.)