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korbe, dann bohr’ mit dem Bohrer ein Loch in den
Hausthürpfosten nahe am Angelbande, fang’ eine
Biene ein, steck’ sie lebendig in jenes Lückchen
hinein und stopf‘ darauf die Oeffnung mit Wachs zu.
Ebenso sollst du es machen, wann der Schwarm
ausfliegt. Da fang eine von jenen Bienen ein und
steck’ sie gleichfalls zu jener Biene in die Lücke im
Pfosten hinein. Alsdann werden dir die Bienen nie
davongehen.“ *)
Der Bauer ist sehr vorsichtig in der Wahl des
Ortes, wo er auf seinem Grunde ein. neues Haus
erbauen will. Bei den Gebirgsbewohnern in Herceg-Bosna
sind die Dörfer nicht regelmässig gebaut.
Jeder führte sich schon in alter Zeit sein Haus auf,
wo es ihm am besten erschien. Rücksichten auf den
Nachbar obwalteten wohl höchst selten. Hat sich
der Bauer für eine Stelle entschieden, so legt er weit
auf dem Plane herum grosse Steine, Dort, wo er am
dritten Tage darauf unter einem der Steine Gewürm
vorfindet, baut er auch sein Haus hin. Die Würmer,
lie sich von selber unterm Stein eingestellt, sind
nun das erste Bauopfer. Der Erdenherr (sahibija
zemlje) hat die Stelle also selber angezeigt, die
ihm genehm ist. Die Stelle ist glücklich gewählt.
Recht deutlich erzählt eine Sage aus Serbien ?),
wie der „Erdenherr“ um seinen Boden feilscht, was
für Opfer er fordert. Ein Bauer hatte das Kind eines
Flussgeistes durch Zuruf vor einem leise heranschleichenden
Wolfe gerettet. Darauf erschien dem
Bauer der Wassergeist in der Gestalt eines weissbärtigen
Greises. Er sprach: „Was wünschest du dafür,
dass du mein Kind errettet?“ Antwortete ihm
der Mann: „Mir hat Gott Alles in Hülle und Fülle
bescheert, da wüsst’ ich wirklich nicht, was ich mir
noch wünschen soll.“ Entgegnete jener Alte mit
dem weissen Barte: „Doch, doch, eins fehlt dir noch
immer. Dein Haus steht auf einem schlechten Platz;
komm’ denn, ich will dir einen guten weisen: da
') Da ti se pdele dadu: prvo i prvo kad peelu nabavik
uzmi jedno malo sisante prase i jednog jea pa Zive zakopaj
u zemlju u peeljnjaku, biva pod pdelami. Onda zavrti burzijom
u direk od kucni vrata blizo baglame pa uvati jednu
pfelu pa je Zivu u onu Skuljieu turi pa voskom zaGepi; isto
kad ti se roj pusti a ti od oni’ pcela uvati jednu i opet u
oni direk u Skuljicu k onoj turi pa ti pcele nikada otici
ae Ce.“ Wörtlich nach dem Dictat des Bo&njaken Novar
YrALıG aus Zabrgje. Ich führe den Text hauptsächlich darum
An, um ein Beispiel der ungefügen Prosa des bosnischen
Bauernvolkes zu geben.
?) Bei Krauss: Sagen und Märchen der Südslaven II,
Nr. 141, S. 366 ff,
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XVII. 1887.
wirst in Ewigkeit glücklich sein, du und deine
Nachkommen.“ ; ;
Nun ging der Alte voraus, hinter ihm schritt
ler Mann einher. So kamen sie denn in den Hofraum
les Mannes. Jener Alte, der Weissbart, schlug mit
lem goldenen Stock auf die Erde und sprach: „Grund-1err,
wie viel Zins forderst du auf’s Jahr, wenn ich
ıer ein Haus erbaue?“ Antwortete ihm eine Stimme
us der Erde: „Alles, was im Hause Leben hat!“
‚Na, so viel geb’ ich nicht“, sagte der weissbärtige
Alte, suchte eine andere Stelle auf, schlug wieder
nit dem Stock auf die Erde und fragte: „Grundıerr,
wie viel Zins forderst du auf’s Jahr, wenn ich
ner ein Haus erbaue?“ Und es antwortete ihm eine
Stimme aus der Erde: „Den Hausherrn und die Hausrau!“
„Na, na,“ sagte der Alte, „so viel geb’ ich
aicht.“ Ging zu einer dritten Stelle, schlug mit dem
soldenen Stock auf die Erde und fragte an: Grundherr,
wie viel Zins forderst du auf’s Jahr, wenn ich hier ein
Taus baue?“ Antwortete eine Stimme aus der Erde:
‚Die Henne und das Küchlein!“ „Na“, sagte der
Alte, „so viel geb’ ich nicht!“ Begab sich auf eine
rierte Stelle, schlug mit dem Stock auf die Erde
ınd fragte: „Grundherr, wie viel Zins forderst du
zuf’s Jahr, wenn ich hier ein Haus baue?“ Und es
‚ntwortete ihm eine Stimme aus der Erde: „Ein
Täuptchen Knoblauch!“ „Na“, sagte der Alte, „so
jel geb’ ich nicht!“ Gingen an eine fünfte Stelle;
yuch hier schlug der Alte mit dem Stock auf die
irde und fragte: „Grundherr, wie viel Zins forderst
lu aufs Jahr, wenn ich hier ein Haus erbaue?“
Ind es antwortete ihm eine Stimme aus der Erde:
‚Ich fordere dir gar nichts, ja ich will dir noch
jahr aus Jahr ein von jeder Gattung Hausthiere ein
Stück Zuwachs geben, wenn du hier ein Haus eraust!“
Da wandte sich der alte Weissbart zu dem
Manne um, der ihm: sein Kind vor dem Wolfe ervettet:
„Hier führ’ ein Haus auf!“ Sprach’s und verıchwand.
Der Mann befolgte die Weisung, führte
laselbst ein Haus auf, und es gab keine glücklicheren
Menschen als er und seine Sippe war.“
Unter „Henne und Küchlein“ sind „Mutter. und
find“ und unter „Häuptchen Knoblauch“ alle Lebensnittel
zu verstehen. Scharfen Lauch isst der Südslave
über alle Massen gern. Lauch darf bei keiner
Mahlzeit fehlen. Daher die metaphorische Ausdrucksweise.
In Slavonien wird unter dem Grundstein eines
Tauses zuweilen ein lebendiger Hahn oder eine
Medermaus vergraben. Der Bauer sagt, das geschehe,