— [40]
bei den deutschen und südslavischen Sagen handelt
3s sich oft um Brückenbauten.
„Als der Rajah Sala Byne das Fort Sialkot im
Pandschab baute, gaben die Fundamente der Südostbastion
so oft nach, dass er seine Zuflucht zu einem
Wahrsager nahm, der ihm die Versicherung gab, sie
würden nie stehen, ehe nicht das Blut eines einzigen
Sohnes. dort vergossen würde, und es wurde deshalb
der einzige Sohn einer Witwe geopfert.“ !)
- Bei den buddhistischen Völkern Hinterindiens finden
wir besonders reichliche Belege für das Bauopfer,
‚Nach Marco Polo tödtete man Gäste in Korazan,
ım einen hausbeschützenden Dämon zu gewinnen, Der
Angriff des Rajah von Karrang auf Bliling hatte zum
Zweck, sich menschliche Knochen zu verschaffen, um
zein Gelübde eines Tempelbaues zu erfüllen,“ ?)
Bastian wurde in Mandalay erzählt, .„welch’
schreckliche Dinge bei der Gründung der Stadt vor
sich gegangen. An dem Tage, wo von sechs .auf sechs
Monate eines der Thore zu beginnen war, wagte sich
Niemand aus dem Hause, denn die Späher des Königs
standen bereit. Die Brahmanen hatten gewisse Namen
angegeben, die, als den Constellationen entsprechend,
für den magischen Bund am wirksamsten sein würden,
So wurden auf den Strassen Namen gerufen, und wenn
solche, die sie trugen, unwillkürlich den Kopf wandten,
so waren sie dem Tode verfallen.“ Jetzt fügt man in
Mandalay, statt dass Leute getödtet würden, nur
Figuren als Thayaiga in die Mauern ein. °)
Der birmanische König Noatsa liess ein Wasser-Reservoir
bauen, und um die Deiche zu sichern, seine
Königin dort ertränken, *)
In ganz Hinterindien kehrt der Gebrauch, Kriegsgefangene
oder Verbrecher unter den Stadtthürmen zu
vergraben, häufig wieder, 5)
‚Wenn in Siam ehedem eine neue Stadt gegründet
wurde, wurden die ersten vier oder acht Personen, die
man ergriff, lebendig unter den Thorpfosten begraben,
um als Schutzengel zu dienen. °) Später wurden rings
um den heiligsten Theil der buddhistischen Tempel
in Siam Steine vergraben und darüber erst die eigentlichen
Grenzsteine errichtet. ”) Ein ähnlicher Gebrauch
) Tresor, Die Anfänge der Cultur. I, 107.
" A. Basrıan, Die Völker des östlichen Asien. I, 194.
A. Bastian a a. O. I, 195. II, 91. ;
-) Bastian a. a. O. IT, 270.
5) Basırıan a. a. O. MI, 16.
;’) ”Formerly, in Siam, when a new city gate was being
erected, it was customary for a number of officers to lie in
wait near the spot, and seize the first four or eight persons
who happened to pass by, and who were then hburied alive
under the gate posts, to serve as guardian angels, The governess
at the Siamese court declares this was done when a
new gate was added to the palace a few years ago, but her
book is, to my knowledge, so untrustworthy that I may
decline to believe this story, the more so as it is quite inconsistent
with the human character of the late King,”
(Henry AraBastEer, The Wheel of the Law. Buddhism illustrated
from Siamese Sources by the Modern Buddhist. London 1871.
pag. 212 seq.)
7) „The Sema, or Bai sema (Sanskrit, Simä, @ ”boundary’””
or landmark) are eight stones placed, one at each
voint of the compass, round the most holy part of a temple.
vird schon in einem Grihyasütra !) vorgeschrieben.
Man soll, heisst es daselbst, unter dem Mittelpfosten
‚inen mit Butter besprengten Stein vergraben,
Die Beispiele von Menschen-Bauopfern liessen sich
ıoch bedeutend vermehren. Und ich zweifle nicht, dass
uch in Vorderindien manche Sagen, Gebräuche und
Tolksmeinungen sich erhalten haben werden, die bis
etzt noch kein Ethnograph gesammelt hat. Für heute
nuss ich hier meine Bemerkungen schliessen, und
jemerke noch, dass man daraus, dass derselbe Gerauch
bei Germanen und Slaven, sowie auch bei
Xriechen und Römern einerseits, und bei Indern anderer-‚seits
sich findet, noch nicht den Schluss wagen darf,
Jass diese Uebereinstimmung auf gemeinsamen Ursprung
us indogermanischer Zeit zurückgehe. Das geht
Jeshalb nicht an, weil ja schon EnDwArD TyLOor nachzewiesen
hat, dass ganz dieselben Volksmeinungen
ınd -Gebräuche bei den verschiedensten Völkern
Zuropas nicht nur, sondern. auch in Asien, Afrika
ınd Polynesien allenthalben sich vorfinden,
Monatsversammlung am 10. Mai 1887.
Vorsitzender: Herr Hofrath LAnGER KRırrER vOoN
ÄDENBERG.
1. Herr Oscar Baumann bespricht
Binige ethnographische Gegenstände von den Bubes
auf Fernando Po.
Dieselben sollen in einem eigenen Werke, welches
Herr BAUMANN über Fernando Po herauszugeben gedenkt,
eingehend beschrieben und abgebildet werden.
2, Herr Dr. Moriz Hoernes berichtet
Jeber eine Reihe prähistorischer und römischer Fundstücke
aus Krain und dem Küstenlande.
Dieselben wurden durch die Ausgrabungen und
Höhlenforschungen, welche Prof. Dr. CArı Moser aus
Triest während des abgelaufenen Sommers im Auftrage
ler prähistorischen Commission der kaiserl. Akademie
ler Wissenschaften durchgeführt hat, gewonnen. Die
irgebnisse dieser Untersuchungen werden in dem dies-Äährigen
Berichte der genannten Commission veröffenticht;
die gegenwärtige Mittheilung hat sich daher auf
xınen Ueberblick der Hauptthatsachen zu beschränken,
Die zahlreichsten und erheblichsten unter den vorjegenden
Funden stammen aus der Theresienhöhle
When the ground is first dedicated, eight „luk nimit”, or
:ound marking-stones, are sprinkled with holy water and
yuried, to mark the limits from which evil spirits are warned
ff, Over these Luk nimit are built small platforms, supporing
the heart-shaped Bai sema, generally covered by an
;laborately carved or mosaic-worked canopy.” (ALABASTER
wu a. O, pag. 272 note.) Vgl. LıEsrREcHT a. a. OÖ. S. 295.
1) 'Sänkhävana III, 3, 10.