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Bosnier den ‚Erdgeist‘ oder ‚Erdenherrn‘ (sahibija zemlje)
durch Geldopfer zu versöhnen weiss, und was für Ceremonien
bei der Wahl eines Baugrundes üblich sind,
Eine serbische Sage vom Handel des Bauers mit dem
Erdengeiste dient zur Erläuterung des Opferbrauches.
Dr. Krauss bestreitet die Richtigkeit der Annahme
F. LIEBRECHT’s, dass die Thier- und andere Opfer für
arsprünglichere Menschenopfer eingetreten. Wahrscheinlicher
sei es, dass das Thieropfer das gewöhnlichere, das
Menschenopfer das weitaus seltenere gewesen, Letzteres
mochte man, wie es die Volksüberlieferungen ausdrücklich
bezeugen, nur beim Bau bedeutender Werke darbringen.
Dr. Krauss hält einen französischen Bericht
über ein vor 22 Jahren in der Hercegovina verübtes
Menschenbauopfer für durchaus unglaubwürdig und beweist
aus inneren und äusseren Gründen, dass die
Angaben des Berichterstatters auf freier Erfindung
beruhen dürften. Ueber das Einmauern eines Kindes
gäbe es nur vereinzelte Sagen aus Bosnien, dagegen
arscheine die Sage von der lebendig vermauerten Frau
des Baumeisters an 8 Orten localisirt. Dr. Krauss theilt
hierauf eine versificirte Fassung der Sage von der Erbauung
der Burg von TeSanj in Bosnien mit. Das
Guslarenlied hat der Vortragende auf seiner Reise notirt.
Das Verhältniss dieser Sage zu den bekannten serbischen
und bulgarischen Fassungen derselben gibt ihm Anlass
zu einer Reihe von Bemerkungen über die Verbreitung
des Sagenstoffes und des Volksglaubens bezüglich des
Einsiedelns in einen Neubau. Nebenbei hebt Herr
Dr. Krauss einige Eigenthümlichkeiten des polnischen
Volksglaubens hervor. Alle angemerkten Gebräuche haben
ginen religiösen Hintergrund, Das Bauopfer diene theils
zur Sühnung böser Geister, theils zur Gewinnung der
Gunst einer schützenden Macht, oder zur Versöhnung
einer solchen, falls sie als beleidigt gedacht wird. Das
Bauopfer könne auch dargebracht erscheinen, um dem
Neubau einen Schutzgeist zu verschaffen,
Zum Schluss theilte Herr Dr. Krauss eine höchst
gigenthümlich gewonnene Variante des früher recitirten
Guslarenliedes mit und besprach darauf hin den Standpunkt,
von welchem aus der Ethnograph die verschiedenen
Fassungen einer Volksüberlieferung zu prüfen hat.
Der Vortrag wird in den „Mittheilungen“ (Heft I
des XYII. Bandes) vollständig abgedruckt erscheinen.
3. Vortrag des Herrn Custos J. Szombathy über
die Nekropole von Santa Lucia im Küstenlande.
Santa Lucia liegt südlich von Tolmein, unmittelbar
am Einflusse der Idria in den Isonzo, in einer reizenden
Lage über der von den tiefen Felsschluchten der
beiden Flüsse gebildeten Landzunge, und zwar am
rechten Ufer der Idria. Am linken (südlichen) Ufer
dieses Flusses befindet sich auf einer dem Dorfe gerade
gegenüberliegenden, mit Feldern und Wiesen bebauten
Terrasse das prähistorische Gräberfeld, von welchem
die hier vorgelegten Funde stammen, Dasselbe beginnt
auf dem westlichsten Theile der ca. 50 m breiten Terrasse,
knapp am Rande der Schlucht des Isonzo und
ırstreckt sich auf derselben beiläufig 300 m lang gegen
Jsten, Weiterhin haben meine an vielen Plätzen anzestellten
Versuchsgrabungen keinerlei Andeutungen von
Aräbern mehr ergeben, ;
Die Nekropole wird von zwei uralten Wasserrissen
jurchfurcht und von diesen in drei Abtheilungen zerrennt,
deren mittlere seit Anfang dieses Decenniums
zuerst von Dr. Bızzaro aus Görz (1880 und 1881) 1)
ınd in der Folge von Dr. KArı MARCHESETTI, dem
Director des naturhistorischen Museums in Triest,
ystematisch ausgebeutet wird. Dr. BızzARo hat ca. 70 ?),
Ir. MARCHESETTI ®) soll bisher 1020 wohlgezählte Gräber
zeöffnet haben,
Meine im vorigen Jahre (vom 3. Mai bis 12, Juni
ınd vom 28. August bis 15. October 1886) für die
orähistorische Sammlung des k, k. Hofmuseums gemachten
Ausgrabungen bewegten sich auf der westlichen
Abtheilung. Diese, sowie die östliche und ein
Theil der mittleren Partie, zusammen gegen 4*®/, Joch,
ıabe ich durch Verträge mit den Eigenthümern für
ınsere Benützung gesichert. Von diesen Flächen ist
vohl nicht das Ganze, aber sicher mehr als ein Drittheil
als ergiebiger Boden zu betrachten, und von diesem
ıabe ich bisher nach Abzug der umfänglichen Versuchs-‚rabungen
kaum 400 Quadratklafter ausgebeutet. Auf
jieser Fläche fanden sich 1166 vollständig oder grösstenheils
intactes Gräber und die Spuren von mehr als 200
lurch die nachgefolgten Bestattungen zerstörten Gräbern
ıebst mehreren interessanten Einzelnfunden. Wir haben
ılso in dieser Nekropole eine der am dichtesten bejetzten
Grabstätten der Hallstätter Periode, welche
iberhaupt bekannt sind, vor uns.
Sämmtliche Gräber, welche in dieser Nekropole bis-1er
geöffnet wurden, waren Flachgräber mit Leichen-»rand,
deren Stelle an der Bodenoberfläche selbst an
len vom Pflug nicht berührten Theilen der Terrasse
aällkommen unkenntlich war. Ihre Vertheilung und
‚nordnung war eine ganz regellose; es konnten weder
Zeihen noch bestimmte Zwischenräume zwischen den
jräbern constatirt werden, Der vorgelegte, nach einer
zenauen Vermessung im Massstabe von 1: 100 entvorfene
Detailplan lässt jedoch drei oder vier Brennjunkte
erkennen, um welche die Gräber stärker, oft zu
‚weien übereinander zusammengehäuft sind, während
zje in den anderen Theilen des Grabfeldes spärlicher
zesäet erscheinen. Sie stellen durchwegs in ihrer Hauptsache
cylindrische oder nach unten zu birnförmig erwei-;jerte
Gruben dar, welche 0:20 m bis 0:70 m breit
1) Die ersten, ungenauen Berichte von Dr. Bızzaro finden
‚ich ın den Mittheil. der k, k. Central-Comm. zur Erf. u.
Srhalt. der Kunst- und histor. Denkm. N, F. Jahrg. VI,
Vien 1880, p. IX und CLV.
2) Dr. M. Mvcs, die prähistorischen Funde von Sta. Lucia
n Küstenlande, Mittheil. d. k. k. Central-Comm. Jahrg. X,
884. p. CXL—CXLVII. — Die Gesammtzahl der bis Ende
881 ausgegrabenen Gräber schätzt Mucm auf 200,
3) MaArcusseTtI, la nacropoli di S. Lucia presso Tolmino.
3cavi del 1884, con 10 Tavole. Triest 1886. 8% — In dieser
\bhandlung werden 210 Gräber beschrieben. Die Funde
VLARCHESETTI’S aus den Jahren 1885 und 1886 sind meines
Nissens noch nicht publicirt.