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gleich hier vorwiegend Ergebnisse fremder Forschungen zusammengetragen
erscheinen, fehlt es auch nicht an schönen
Ansätzen zu selbstständigen Studien seitens des Verfassers;
and darum dürfte das Werk auch Fachgelehrten zum mindesten
als brauchbares Nachschlagebuch willkommen sein. Das erste
Buch enthält die hauptsächlichsten Nachrichten der linguistischen
Paläonthologie und der älteren Schriftsteller über die
Sprache, die Geschicke und den Culturgrad der alten Slaven
‚die Slaven ein Glied der Arier; die Slaven nach der Abtrennung
vom arischen Grundstamm; die Loslösung der Slaven
vom arischen Urvolke in Beziehung auf andere Glieder desselben
Stammes; die Slaven als Einzelvolk; die Slaven unmittelbar
nach der Lösung des Gesammtverbandes; die Spaltung
der slavischen Grundsprache; Cultur- und Sittengeschichtliches).
Mehr interessirt uns Ethnographen der zweite, leider mit
geringerer Sorgfalt ausgearbeitete und nicht auf der Höhe
unserer Wissenschaft stehende Band: Ueber die slavische traditionelle
Literatur und deren Beziehung zur Culturgeschichte,
zunächst zur Mythologie (Die formale Seite der traditionellen
Literatur; die Sprache; die Sitte; die reale Seite der traditionellen
Literatur; Märchen und Sagen; Sprichwörter, Aberglaube,
Zaubersprüche und Räthsel; Lieder). Wohl am unzureichendsten
ist der Abschnitt über die Sagen und Märchen.
Die Auseinandersetzung über „Die Heirat der Sonne mit der
schönen Grozdanka“, eine fälschlich als Mythos aufgefasste
einfache Geschichte, fordert directen Widerspruch heraus. Dariber
beabsichtigt der Referent, sich in einem besonderen Aufsatze
in Anbetracht der Wichtigkeit der Sache, ausführlich
auszusprechen.
Die Darstellung ist klar und einfach, trotz zahlreicher
sprachlicher Härten, die man dem deutsch schreibenden Slaven
zu gute halten muss, Krauss.
113.
Jung Emil, Dr. Polyandrie und Polygamie. Globus
(887. Bd. LII, pag. 90 und 103.
Dr. June tritt in diesem Aufsatze der bekannten Anschauung
Lussocx’s entgegen, dass die niedrigsten Rassen in
früherer Zeit in einem ehelosen Zustande lebten. Nach Letzterem
hätten sich erst aus der Gemeinschaftsehe, dem sogenannten
Hetärismus, mehr oder weniger beeinflusst durch locale Verhältnisse,
die Formen der Monogamie, Polyandrie und Polygamie
entwickelt. Schon Pzscmer hat unter Hinweis auf die
diesbezüglichen Verhältnisse bei gewissen Thieren die Annahme
sines ehemals verbreitet gewesenen ehelosen Zustandes verworfen,
sowie er auch den oft ausgesprochenen Satz, dass bei
Polygamie die weiblichen, bei Polyandrie die männlichen Geburten
vorwalten sollen und die Natur sich gleichsam den
örtlich herrschenden ehelichen Satzungen anbequeme, zu widerlegen
versuchte. June führt nun eine Anzahl Beispiele über
Polyandrie an, aus welchen nachgewiesen werden soll, dass
dieselbe in der Regel nur unter Brüdern in Uebung sei, oder
genauer gesagt, die Frau des ältesten Bruders ist zu gleicher
Zeit die Frau seiner jüngeren Brüder, Was die Polygamie anbelangt,
so hat bekanntlich Lussocx die Ansicht ausgesprochen,
dass sich die Einzelehe aus der Gemeinschaftsehe durch den
Weiberraub entwickelt habe, wobei durch Wiederholung des
letzteren auch die Polygamie hervorging, Da June den Hetärismus
negirt, so denkt er sich die Vielehigkeit erst aus der
linzelehe entstanden. Nach ihm ist gegenwärtig bei vier
*ünfteln der Bewohner ‚unserer Erde die Polygamie eine gesetzliche
Institution. Er deutet auch darauf hin, dass die
Leviratsehe, welche wahrscheinlich in Figenthumsrechten und
ler Rechtsnachfolge wurzelt. zur Polygamie führen konnte,
Heger,
114.
Boas F., Dr. Die religiösen Vorstellungen und
einige Gebräuche der centralen Eskimos. PrrTerwANw’s
Mittheilungen. 33 Bd. (1887), pag. 302 ff.
Ein überaus wichtiger und interessanter Aufsatz, welcher
as Wesentlichste zusammenfasst, was wir bis heute über die
keligionsbegriffe der centralen Eskimostämme, namentlich jener
om Baffinland, wissen, und der uns durch die von dem als
inen der ausgezeichnetsten Kenner der Völker des ameri-:anischen
Nordens bestens bekannten Verfassers angestellten
nd mitgetheilten Beobachtungen erst eine gute Grundlage für
reitere Forschungen in dieser Richtung abgibt. Es ist reines
‚old für den Ethnologen, welches hier auf wenigen Seiten geoten
wird, was gewiss Jedem derselben, da ja der Durst nach
iesem edelsten aller Metalle mehr oder weniger allen Menschen
nnewohnt, begierig nach Mehr verlangen lässt. Boas behandelt
merst den Sedna-Mythus — der demselben ganz entsprechenden
\rnaqoadgsaq-Sage der Grönländer —, welcher bei den centralen
Iskimos besonders hervortritt. Aus dieser Aehnlichkeit, sowie
‚uch aus jener der anderen Mythen geht hervor, dass die
jrundlagen der religiösen Vorstellungen bei Letzteren dieselben
ind, wie bei den grönländischen Eskimos, während wieder die
ıicht unwesentlichen Abweichungen in den mythologischen Vorıtellungen
beider Gruppen beweisen, dass die Entwicklung derjelben
im Laufe der Zeit eine verschiedene Richtung genommen
ıat. Leider sind uns heute noch die Mythen und Sagen der
;stlichen Eskimostämme so gut wie unbekannt; durch die
irforschung der letzteren könnten wichtige Schlüsse über
lie Wanderungsgeschichte der Eskimos überhaupt gewonnen
verden.
Höchst merkwürdig ist die Anschauung der Eskimos über
en Ort, wohin die Seelen der Guten nach dem Tode kommen,
Is gibt nämlich zwei solcher Orte; einer über und einer unter
‚er Erde. Nach dem ersteren kommen die Seelen aller Jener,
velche eines gewaltsamen Todes starben, in den oberhalb der
'rde befindlichen Himmel, während die Seelen der eines
atürlichen Todes Verstorbenen in die Unterwelt gelangen,
‚elche vier Stufen der Seligkeit aufweist.
Boas handelt ferner über die Tornait (Plural von Tornagq),
as sind die Schutzgeister von Menschen, die dadurch zum
ırnakoq (plur. Angakut) werden. Diese Angakut sind nichts
ınderes als Schamanen, welche durch ihren Schutzgeist einen
‚ewissen Einfluss auf die anderen Menschen ausüben. Da jedes
Ding seinen „Inua“ (i. e. seinen Herrn) hat, welcher zum
jchutzgeist werden kann, so gibt es eine unendliche Anzahl
olcher Geister, von denen aber nur jene der Menschen, der
;teine und der Bären gute Geister sind, während alle anderen
m den bösen gerechnet werden. Gegen letztere sucht man sich
‚urch Amulette zu schützen, Die Angakut gebrauchen bei
hren Gesängen und Beschwörungen auch eine eigene, heilige
iprache. Dieselbe hat darum ein grosses Interesse, weil die
VYurzeln vieler Worte derselben allen Eskimostämmen gemein-DE