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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 7=17.1887

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nicht benützt. Ein Weib, das aus Versehen aus heiliger Quelle
Wasser zum Kochen schöpfte, konnte dieses nicht zum Kochen
bringen. Am Grunde vieler dieser Quellen haust ein Fisch,
ein Wurm, dessen Erscheinung an der Oberfläche von Bedeutung
 ist. Pilger lassen an diesen Quellen einen Theil
ihrer Kleidung, ein Paar Lappen oder dergleichen zurück,
an einem benachbarten Baum gehängt (vergl. Lappenbäume
in meinen Ethnogr. Parallelen, 58). Namentlich zu Heilzwecken
besucht man diese Quellen und manche sind auch mineralischer
 Natur. Lough Dearg in Doungel wurde im Mittelalter
aus ganz Europa besucht. Man badet und betet an den
Quellen und Teichen.
Die abergläubigen Volksheilmittel gleichen vielfach
 den unserigen, Epilepsie wird curirt, indem man Milch
aus einem Menschenschädel trinkt, Zahnschmerz, indem man
den Gaumen mit dem Finger einer Leiche reibt. Die Kopfschmerzen
 entstehen dadurch, dass die Suturen des Schädels
sich öffnen, man presst sie daher zusammen; Blutfluss wird
besprochen oder man legt ein am Sonntage gewaschenes und
gebügeltes Stück Leinen auf. Scropheln heilt man durch
Hirschhornpulver, Um Rheumatismus zu entfernen, trägt
man eine Kartoffel in der Tasche, so wie diese eintrocknet,
vergeht auch die Krankheit; um Warzen zu entfernen, steckt
man eine Schnecke auf den Dorn einer Hecke; verschrumpft
die Schnecke, so schwindet auch die Warze. (Vergl. Les verrues
 in der Pariser Zeitschrift Melusine, herausgegeben von
Ga1D0z und RozLanD III. 42 ff. 1886 ) Krampf entsteht dadurch,
dass Würmer die Eingeweide verknoten. Durch einen magischen
 Knoten (snaidm na peiste), der in einen Strick gemacht
und dem Leidenden auf den Magen gelegt wird, entfernt
man ihn. R. Andree.,

91.
Holmes, William H. The use of Gold and other
Metals among the anecient inhabitants of Chiriqui.
Washington, Bureau of Ethnology 1887.
Der Isthmus von Darien, von dem Chiriqui einen Theil
bildet, ist in archäologischer Beziehung noch wenig erforscht,
Und doch bildet gerade‘ er als geographischer Mittelpunkt
zwischen der alt-aztekischen Cultur im Norden und jener
der Inkas im Süden ein Beobachtungsfeld, das wichtige Ausbeute
 verspricht; denn auch dort hat, wie wir jetzt wissen,
ein altes Culturvolk gewohnt. Vor allem sind es die Forschungen
 eines bisher nicht genannten Herrn J. A. Mc. NıerL
gewesen, die Licht auf die alte Bevölkerung des Isthmus zu
werfen beginnen; er hat persönlich einige tausend Gräber
dort geöffnet und den grössten Theil der wichtigen Ausgrabungen
 dem National-Museum in Washington übergeben.
Es sind Metall-, Stein- und Thonsachen, welche hier massenhaft
 den Huacas entnommen wurden, erstere mehr auf den
Einfluss der Chibehas (in Colombien) deutend, letztere sich
an die archäologischen Objecte aus Costarica ‚anlehnend,
Früher sind die Huacas von Schatzgräbern durchwühlt
worden, von denen man weiss, dass sie einmal ein Gewicht
von 1830 Pfund Goldfiguren erbeuteten, die leider eingeschmolzen
 wurden,
Die hochinteressanten, einen ganz eigenthümlichen Stil
zeigenden Metallsachen von Chiriqui, welche nach Washington
zekommen sind, hat der auf dem Gebiete amerikanischer

\rchäologie verdiente und erfahrene Hornmes nun in vorjegender
 Schrift beschrieben und abgebildet. Meist sind es
Joldfiguren, stark mit Kupfer legirt, welche wohl als Amulete
‚etragen wurden; gewöhnlich sind sie nur klein, stets aber
;chr künstlich gearbeitet, so dass die Frage aufgeworfen
verden muss: wie sind diese Sachen hergestellt worden?
TorMmes prüft diese Frage eingehend, doch ist sie nicht so
eicht zu entscheiden. Wiewohl die Figuren filigranartig sind
ınd theilweise aus Draht zusammengesetzt erscheinen, sind
jei ihnen doch keinerlei Spuren von Löthung zu entdecken;
JoLMmzs entscheidet sich dafür, und die Gründe dafür mögen
jei ihm ausführlich nachgelesen werden, dass diese Goldiguren
 alle gegossen sind; später wurde höchstens einiges
1och mit dem Hammer bearbeitet, von Ciselirung ist aber
<eine Spur zu entdecken.
Dem gegenüber will ich darauf aufmerksam machen,
lass die in Leiden befindlichen Goldfigürchen, welche LEMANNS
‚childerte (Congres des Americanistes. Luxembourg 1877.
I. 284), und die im Stil ganz den von Honmss beschriebenen
Sachen aus Chiriqui gleichen, nach dem Urtheil von LEMANNS
venigstens zum Theil durch Löthung hergestellt wurden.
Von grosser Wichtigkeit ist auch dasjenige, was Ho1mes
ıns über das Platiren mit Gold berichtet. Viele der
Tiguren zeigen nämlich einen Kupferkern und sind nur dünn
nit dem edlen Metall überzogen; Honmes bringt mancherlei
Methoden zur Sprache, wie diese Vergoldung bewirkt sein
zönnte, kann aber natürlich eine sichere Entscheidung
ılcht treffen.
Die Gegenstände selbst betreffend, so sind es namentlich
‚rotesk gestaltete menschliche Figuren mit auffallend darzestellten
 Geschlechtstheilen; Hände, Ohren, Ornamente sind
stets aus Draht gebildet. Dann folgen Thiergestalten, darınter
 phantastische Vögel, ferner sehr realistische Pumas,
Xrokodile, Fische und sehr zahlreiche Frösche.
Von Bronzen sind namentlich Glöckchen (Schellen) ge-'uanden
 worden, sämmtlich gegossen und im Stile den mexizanischen
 sehr ähnlich. Honmgs gibt sich Mühe, zu beweisen,
lass die Glöckchen eine Originalerfindung der Amerikaner
seien. Indessen das war schon lange entschieden, worüber
%. B. Tyıor, Anahuac. London 1861, p. 2836, nachgelesen
werden möge, Auch Hamy (Revue d’Ethnographie, II. 441)
nat darüber schon geschrieben. R. Andree.

92.

Lippert, J. Culturgeschichte der Menschheit in
ihrem organischen Aufbau. 2. Band. Stuttgart
1887. 656 pp.
Im 1. Heft des diesjährigen Bandes dieser Mittheilungen
ıatte Referent die Freude, sich über den 1. Band einer gross
ıngelegten Culturgeschichte, die wirklich diesen nur allzu
»ft dilettantisch verbrauchten Namen verdiente, aus der
Teder des unermüdlichen JuLıus LırrerRT zu äussern, und
‚war mit höchster Anerkennung, wie sie einem Werke gegeniber
 am Platz war, das eine durchaus selbstständige, geist-7olle
 Verarbeitung und lichtvolle Darstellung eines mit Umsicht
 und Fleiss zusammengebrachten, grossen Stoffes darot.
 ‚Nunmehr ist mit dem vorliegenden zweiten Band das
Nerk zum Abschluss gekommen und hat im Ganzen redlich
            
Waiting...

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