Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 7=17.1887

„92

Einzelne oder Doppelfiguren, die eine gewisse Aehnlichkeit
mit den „Matronen“ zeigen, weist Imm vorläufig aus dem
Kreise seiner Untersuchung; desgleichen die sogenannten
„reitenden Matronen“, in welchen man früher mit mehr Grund
die keltische Schutzgöttin der Pferde und Maulthiere, Epona,
erkannte, Auch darin muss man ihm beistimmen, dass er
auf einen Zusammenhang dieser keltischen Dreigottheit mit
andern, von den Völkern des Alterthums als „Mütter“ verehrten
 Göttinnen nicht eingeht und damit eine schrankenlose
Ausdehnung des Muttercultus abweist. In diesem Verwässern,
wofür sich ja immer einige Analogien als Anhaltspunkte ergeben,
 liegt eine der grössten Gefahren für jede exacte
mythologisch-culturhistorische Untersuchung. Verschieden von
der früher gehegten Auffassung der „Matronae“, als einer Art.
von Schicksalsgottheiten (Parzen, Nornen), sucht der Verfasser
ihr Wesen in einem ziemlich entgegengesetzten Vorstellungskreise.
 „Sie verleihen Segen und häuslichen Wohlstand,
Fülle und Fruchtbarkeit des Ackers“, und zwar nicht nur
dem Haus und der Familie, sondern auch ganzen Gemeinden
und Völkern, wie einerseits die zahlreichen Dedicationen pro
se et suis u. dgl., andererseits die ungemein häufigen topischen
 Beinamen bezeugen. Einen persönlichen Charakter (als
Genien) darf man ihnen trotz des Epithetons suae (resp. meae)
nicht zuschreiben. Die Blüthe des Cultus fällt zwischen die
Regierungszeiten Caligula’s und Gordians (Mitte des I. — Mitte
des II. Jahrhunderts); zur Vernichtung desselben haben
Franken und Alemannen, welche nach jener Zeit unaufhörlich
len römischen Grenzwall überflutheten, sicherlich viel beigetragen.
 Andererseits sorgten die Franken indirect für die Erhaltung
 der Matronensteine, indem sie sich derselben zum
Bau ihrer Gräber bedienten. Ganz ausgerottet wurde die
Mütterverehrung wohl nicht einmal durch die Stürme der
Völkerwanderung, wofern die Annahme siichhältig ist, dass
die christliche Andacht zu den drei Marien mit jenem
heidnischen Cultus in Verbindung steht. Von sonst bekannten
Collegien weiblicher Gottheiten gehören in den Rahmen dieser
Untersuchung als engverwandt die Junones, Suleviae, Campestres
 und die weiblichen Kreuzweggottheiten Biviae, Triviae,
 Quadriviae. Im Anschluss behandelt Ium auch andere,
äusserlich ähnliche Gestalten der Volksmythologie, welche
man bisher irrthümlich mit den Matronen in Zusammenhang
gebracht hat, so die Nymphae, Proxumae, Fati und Fatae,
Parcae, Silvani und Silvanae etc., wodurch der ganze Figurenkreis,
 aus welchem sich die Mütter herausheben, zur grösseren
Deutlichkeit umschrieben wird. Fast die ganze zweite Hälfte
der Arbeit ist den Denkmälern gewidmet, wobei das Hauptaugenmerk
 auf die möglichst genaue Feststellung der Inschrifttexte
 gerichtet ist. Dieser Theil darf, da er dem Leser
eine vollkommene und rasche Nachprüfung des im gegenwärtigen
 Stadium des C, J. L. noch weit zerstreuten Materials
ermöglicht, für alle ähnlichen Untersuchungen als musterhaft
pezeichnet werden. Hoernes.

A

Maska, Karl. Der diluviale Mensch in Mähren.
Neutitschein, 1886. 8. 109 S. mit 51 Abbildungen
im Texte.

Der durch seine eifrigen und erfolgreichen Forschungen
auf dem Gebiete der Urgeschichte Mährens längst bekannte

’erfasser der vorliegenden Abhandlung stellt in dieser alle
jisher bekannten Nachrichten über Funde von den Zeugnissen
ier Anwesenheit des Menschen während der diluvialen Zeit
n Mähren zusammen und gibt damit ein, soweit es bei dem
ıeutigen Stande der Forschung möglich ist, erschöpfendes
3ild der Ausbreitung und des Culturzustandes der Menschen,
velche das genannte Land zur Zeit des Mammuth, des Renılers,
 des Höhlenbären und der sonstigen Genossenschaft
‚us der Thierwelt bewohnten. Herr Masxa bespricht hierbei
owohl die älteren aus fıüheren Abhandlungen bekannten
'ntdeckungen anderer Forscher, als auch die Ergebnisse der
igenen vorzüglich in der Umgebung von Neutitschein vor-‚enommenen
 Untersuchungen, welche derselbe seit einer Reihe
on Jahren in grossem Umfange und mit ebensoviel Ausdauer
‚Js streng wissenschaftlicher Methode durchgeführt hat.
Hieher gehören vornehmlich die ungemein reichen Funde
us der Schipkahöhle und dem Teufelsloche (Certova dira),
:weien Höhlen des Jurakalkzuges bei Stramberg, die in verchiedenen
 wissenschaftlichen Versammlungen wiederholt zu
3bhaften Erörterungen Anlass gegeben haben, bisher aber
ılcht eingehend und überhaupt nicht in genügender Weise
»jeschrieben worden sind.
Die vorliegende Abhandlung bringt somit nicht blos die
irgebnisse aller diesbezüglichen früheren Arbeiten, sondern
‚uch eine Reihe selbst festgestellter Thatsachen, in der Ge-'ammtheit
 eine Fülle wissenschaftlichen Materiales, das wir
uf dem kurzbemessenen Raume nicht im Einzelnen besprehen
 können, das uns aber berechtigt, Masxa’s Buch vom
liluvialen Menschen in Mähren als ein vorzügliches und unntbehrliches
 Quellenwerk zu bezeichnen, welches wir mit
sutem Bedacht jedem Urgeschichtsforscher empfehlen können.
M. Much.

89

Vosinsky, Mauritius. Das prähistorische Schanzwerk
 von Lengyel, seine Erbauer und Bewohner.
Autorisirte deutsche Ausgabe, I. Heft. Budapest.
*rıeDrRICcH Kızzan. 1888, Mit 24 Tafeln,
Es ist eine angenehme Pflicht, jetzt schon auf dieses neue
‚edeutende Werk aufmerksam zu machen, bedeutend durch
len behandelten Gegenstand, der durch Umfang und Gehalt
wu weittragenden Aufschlüssen über die urgeschichtlichen Zutände
 nicht nur von Ungarn, sondern von Mitteleuropa überaupt
 berufen ist, und bedeutend durch die Art der Dartellung.
 Schon ein Blick in die zahlreichen und vortrefflich
usgeführten Tafeln zeigt, welcher Reichthum an urgeschichtichen
 Funden durch die emsige Arbeit des Verfassers, welcher
lie Ausgrabungen leitete und sich durch umfassende literaische
 Studien und den Besuch zahlreicher Museen und Privatammlungen
 hiezu vorbereitet hatte, auf der bezeichneten
"undstätte aufgeschlossen worden ist, wobei freilich pflicht-‚etreu
 hervorgehoben werden muss, dass ein wesentlicher Theil
les Erfolges dem Grafen ALEXANDER AprroxYı, dem Eigenthümer
ler Fundstätte, zu danken ist, welcher nicht nur in hochıerziger
 Weise die grossen Kosten der Ausgrabungen bestritten,
ondern auch in vielfacher Beziehung geistigen Antheil an dem
Verke hat. Wir werden Gelegenheit haben, auf dasselbe in
ngehender Weise zurückzukommen. M. Much.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.