Die Bauart der Häuser dieser eigentlichen Pfahldörfer
weicht von der des oben beschriebenen Hauses
in Anuapata etwas ab. Zunächst sind die Pfähle, auf
denen das Haus steht, meist dicker und fester, weil
sie mehr vom Wasser auszuhalten haben, und etwas
höher (4—5 m), im Uebrigen bestehen sie aber ebenfalls
aus unbehauenen, noch mit der Rinde versehenen,
zum Theile krummen und schiefen Stämmchen und
Stangen.
Die wesentlichsten Abweichungen von dem beschriebenen
Hause in Anuapata sind folgende (vgl. Fig. 4):
Fig. 4. Vorderfront eines Hauses in Kaire.
z Dach und Seiten aus Gras.
] Giebel, senkrecht.
s Vordach (Gras).
2 Seitenwände des Vordaches schief herablaufend.
f Plattform zur Thür, zu welcher
p eine Leiter führt.
£ Leiter zur Plattform.
1. Das Dach geht in sanftem Bogen bis zur Seitenbasis
herab, das Haus bildet daher, von vorn gesehen,
eine Art Spitzbogen;
2. der Vorplatz vor der Thür ist zu einer breiten
Plattform verlängert;
3. die Thür liegt in der Mitte und etwas erhöht,
so dass eine 2—3sprossige rohe Leiter zu ihr führt;
4. über der Thür, die Plattform zum Theil bedeckend,
ist ein schräges Dach angebracht, das meist
seitlich durch eine schräg abfallende Seitenwand mit
ler Seitenwand des eigentlichen Hauses verbunden ist;
5. das Material zu Dach und Wänden besteht
‚auptsächlich aus Gras, in Büscheln zusammenzebunden.
Die Hinterseite des Hauses besitzt eine schmälere
)jalkonähnliche Plattform, zu der indess nur ausı1ahmsweise
eine Leiter führt.
Diese Häuser sind vielleicht etwas, aber nicht
ziel grösser als in Anuapata, haben jedoch eine bedeutend
breitere Plattform, welche als Hauptaufenthaltsort
der Bewohner dient. Sie besteht aus Brettern
der Stangen, und hier sieht man auch Schweine
und die nie fehlenden Hunde; letztere sind im Erzlettern
der Leitern sehr geschickt. Die Häuser stehen
zuweilen so nahe an einander, dass man von einer
7lattform auf die andere treten kann; meist. sind
je aber etwas entfernt von einander, und dann durch
3ehr primitive, leiterähnliche Stege, oft nur einen unvehauenen
Baumstamm verbunden, Diese halsbrecherischen
Stege, für Europäer kaum praktikabel, machen
Jen Eingebornen keine Schwierigkeiten. Nicht selten
sieht man schwangere Weiber mit einem grossen
Topfe oder dergl. auf dem Kopfe, ein Kind auf dem
Rücken, von einem Hause zum andern balanciren.
Kleine Kinder, die noch nicht laufen können, spielen
sorglos am Rande der Plattform, ohne dass sich die
Mütter im mindesten ängstigen, wie dies bei uns der
Fall sein würde. Ich habe auch nie gehört, dass ein
Kind in’s Wasser gefallen und ertrunken wäre, da
sie ja ohnehin sehr früh schwimmen lernen und mit
Wasser bald vertraut werden, Nicht selten sieht man
Eingeborne, eine Schüssel voll Essen auf einem Brette
schwimmend an ihren Bestimmungsort dirigiren.
Die innere Einrichtung dieser Häuser weicht von
der vorher beschriebenen nicht ab. ;
Wie bereits erwähnt, stehen nur die wenigsten
>fahldörfer im Wasser, die meisten sind auf dem
‚ande errichtet, und hier findet man dann weit
;tattlichere Häuser, die im Baustyl wesentlich abweichen.
Wie Hood-Bai mit, Pfahlbauten im Wasser, so
sxcellirt es auch mit solchen .auf dem Festlande.
3Zesondere Aufmerksamkeit verdient das Dorf Keräuno,
an der inneren westlichen Spitze der schmalen
Jalbinsel erbaut, welche die Ostseite der grossen
Lagune von Hood-Bai begrenzt.
Das Dorf besteht aus einem grösseren, dicht
stehenden Häusercomplex, mit einer breiten Hauptstrasse
und ein paar Querstrassen, dem eigentlichen
Keräpuno, welches an 100 Häuser zählt. Durch Bananenplantagen
und Cocoshaine unterbrochen. liegen