Beiträge zur Ethnographie des Congo.
Von
Oscar Baumann.
Mit 31 Illustrationen (Fig. 17—47) von Ignaz Spöttl nach Originalskizzen und selbst gesammelten Objecten des Verfassers.
Der Reisende, der von Norden her an der Westküste
Afrikas entlang fährt, erreicht bei Majumba
die nördlichste Verbreitungsgrenze einer Sprache,
welche an der Küste häufig als Fiot bezeichnet wird,
richtiger aber mit dem im Inneren gebräuchlichen
Namen Kikongo zu benennen wäre. — Zu den zahl-‚eichen
Stämmen, welche sich dieses reinen Bantu-[dioms
bedienen, gehören auch die Bewohner der
Congoufer zwischen der Mündung des Stromes und
dem Stanley Pool. — Im Mündungsgebiete selbst
wohnen die Mussorongo, an welche sich im Südosten
die Eingeborenen des Königreiches Congo, die Mussikongo,
anschliessen. — Die Uferstämme bis Mbanza
Manteka einerseits und dem Mbundithale andererseits,
welche europäischem Einflusse nahe sind und
zahlreiche portugiesische Fremdwörter in ihre Sprache
aufgenommen haben, bezeichnen sich selbst als
Mussimboma. Westlich von denselben erstreckt sich
das Gebiet der reinen Bakongostämme, die in mehrere
Unterabtheilungen, die Basundi, Babuende etc. zerfallen.
Die Balali bei Linzolo am Nordufer sind ein
Mischvolk aus Bakongo und Bateke; auch am Südufer
wird gegen den Stanley-Pool zu der Bateke-Einfluss
bemerkbar. Bei Ngoma’s Dorf und unweit Leopoldville
sind Eneclaven der Bawumbu, eines räthselhaften
Volksstammes. Beide Ufer des Stromes bis zur Kassai-Mündung
werden von Bateke bewohnt, die eine vom
Kikongo verschiedene Sprache (Kiteke) sprechen. Die
Bamfumu zwischen Msuata und der Kassai-Mündung
sind nichts als ein Tribus der Bateke. Weiter stromaufwärts
sind zwischen den Bateke-Niederlassungen
zahlreiche Enclaven der Bajansı (auch Babangi genannt)
vertreten. ;
Oberhalb Tschumbiri’s ist das linke Ufer nur von
Bajansi bewohnt; am rechten Ufer herrschen Bateke
vor. Ein Zwischenglied bilden die Bangurunguru am
Likona- und Mbunga-Fluss. Bei Bolobo und Lukolela
treten kleine Niederlassungen der Banunu an
den Strom, eines Stammes, der eine ausgedehnte
Zone im südlichen Congogebiet innehaben soll. Unweit
der Aequatorstation im Dorfe Wangata wohnen
Jie Bakuti als einziger bis zum Congostrome selbst
rorgeschobener Posten des mächtigen Innlandstammes
ier Balolo, den GresreLn an allen südlichen Zuüssen
nachwies. Den Bajansi, welche ausgedehnte
‘triche am unteren Ubangi bewohnen, folgen in der
Zeihenfolge am Congo die Bangala, Mobeka und
Mokoni, sowie der Handelsstamm der Marundscha,
x welchem auch Ikenungu gehört. Von den weiter
tromauf zwischen Mpesa und Loika-Mündung wohnenien
Stämmen, die einen einheitlichen Charakter zu
ragen scheinen, ist ein zusammenfassender Name
icht bekannt. Oberhalb des Loika beginnt das Geniet
der Lukeröu-Stämme, welche in Sprache und
3itten einheitlich zu sein scheinen. Zu diesen ge-‚ören
die Basoko vom Aruwimi, die Jarikina und
Jasangardia, die Stämme vom unteren Lomami und
Abura und die Bakumu des Binnenlandes der Stanley-Tälle.
Ob die Wagenia, welche die Ufer des Stromes
ın den Stanley-Fällen bis Nyangwe bewohnen, dieser
3ruppe zuzurechnen sind, ist fraglich. Die genannten
7olksstämme sind es, mit welchen ich während eines
ım Congo zugebrachten Jahres in Berührung kam
ınd welche in nachfolgenden Zeilen in Betracht
zommen.
Bei der, ethnographischen Forschungen wenig vorheilhaften,
ausgedehnten Anlage unserer Expedition
st es wohl begreiflich, wenn meine ein so unge-1eures
Gebiet umfassenden Beobachtungen nur lückenaft
und fragmentarisch sind.
Betreffs der Stämme der Congo-Mündung weise
ch auf specielle Publicationen von CHAVANNE, PECHUEL-‚OESCHE,
ZıINTGRAFF, MonxTErro u. A. hin und wende
nich direct zur Besprechung der reinen Bakongo.
hrem Aeussern nach können die Bergstämme des
Zataraktengebietes gerade nicht schön genannt
werden. Es sind meist magere, sehnige Gestalten
mit scharfen Gesichtszügen und runzeliger Haut .an
Jen Beinen. Die Weiber sind stark, plump, von
nännlichem Habitus und sehr reizlos. Doch hat die