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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 7=17.1887

schaftlich siedelt, weichen in Nichts von den beschriebenen
 ab, sind. aber etwas ärmlicher wie der
zanze Stamm.
Die Koitapu wie die ihnen naheverwandten Koiäri %),
welche im Innern von Port Moresby und auf dem
Plateau des Astrolabegebirges wohnen, haben aber
noch eine besondere Art Häuser, die Kohoros oder
Baumhäuser. Dies sind kleine Gebäude mit Vorplatz
 und Diele, welche mit wunderbarer Geschicklichkeit
 im Gezweige oder den Wipfeln' grosser Bäume,
oft in 50 Fuss Höhe und mehr errichtet werden.
Sie dienen als Ausguck und Veste, in welche sich
bei einem feindlichen Ueberfalle die Bewohner des
Dorfes zurückziehen, sind also nicht eigentliche
Wohnungen, und sollen deshalb hier nur beiläufig
erwähnt werden. Diese Kohoros werden mittelst einer
rohen Leiter aus Lianen und Querhölzern bestiegen,
was nicht immer leicht ist. Im Innern enthalten sie
Vertheidigungsmaterial, mächtige Bündel Speere und
grosse Haufen Steine, mit denen die Angreifer empfangen
 werden, aber auch eine Feuerstelle und mit
Wasser gefüllte Töpfe.
Die Dörfer der Koiäri, welche ich im Innern von
Port Moresby kennen lernte, sind sehr klein und
ärmlich, wie die Häuser selbst. Selten zählt ein Dorf
mehr als 10—15 Häuser und solche mit 20 werden
schon als grosse gerechnet. Die Eingebornen dieses
Stammes lieben es, sich auf zerklüfteten Felsenbergen
anzusiedeln, die eine natürliche Festung bilden und
zuweilen fast uneinnehmbar sind. Die Häuser kleben
hier” zuweilen wie Schwalbennester an den Felsen
und hängen, von Pfählen unterstützt, über das zerklüftete
 Gestein herab, da sich selten geeigneter ebener
Grund findet. Die Häuser sind, wie erwähnt, meist
kleiner als die in Port Moresby und noch ärmlicher
als diese, entsprechen aber im Baustil. Bei der Ungleichheit
 des Terrains sind die Stangen und Pfähle,
auf denen sie stehen, von sehr ungleicher Höhe. Das
Dach, aus einem langen, schilfartigen Grase, hängt
tief an den Seiten herab, die wie die Hinter- und
Vorderseite aus gespaltenem Bambus oder Stäben bestehen.
 Von demselben Material ist die schwache
und mit Vorsicht zu betretende Diele. Vor der Thür
ist über die ganze Breite des Hauses ein mehr oder
minder breiter Sitz angebracht, unterhalb desselben
eine Plattform aus Brettern oder Stangen, gewöhnlich
so niedrig, dass keine Leiter nöthig wird. Die Thür

1) Ueber Koitapu u. Koläri, vrgl. die citirte Abhandlung
& 48 u. 51.

jesteht aus gespaltenem Bambus und aus gleichem
Material ist unter dem Hause eine Horde zum Aufjewahren
 von Lebensmitteln u. dergl. errichtet, da
zewöhnlich das Haus an der Hinterseite über die
Telsen vorragt und auf hohen Pfählen steht. Zuweilen
 geht mitten durch das Haus der Stamm des
Zaumes, auf dessen Wipfel das Kohoro gebaut ist.
Wir kommen nun zu den permanent im Wasser
tehenden oder eigentlichen Pfahlbaudörfern. Hierher
rehören östlich von Port Moresby Tupusele, Kaire,
{apakapa und Hula in Hood-Bai.
Was zunächst den Standort dieser Dörfer anbeangt,
 so befindet sich derselbe meist 200— 300 Schritt
rom Ufer entfernt. Ein Dorf besteht gewöhnlich aus
nehreren Häusercomplexen, die in zwei mehr oder
ninder langen Reihen einander mit der Vorderfront
ıo gegenüberstehen, dass eine breitere Wasserstrasse
zum Verkehr mit Canoes freibleibt. Diese Strassen
ind zuweilen untereinander verbunden, wie die bei-"olgende
 Planskizze (Fig. 3) zeigt.

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Fig. 3. Plan des Pfahldorfes Kaire.
Missionskirche.
Missionshaus,
;— € Häuserreihen, deren Vorderfront sich gegenüber steht.
{ — d Gebrechliche Leiterstege auf Pfählen.
Isolirter Häusercomplex.
Selbstredend finden sich in der Anlage jedes
Dorfes Abweichungen, So besteht das grösste dieser
Pfahldörfer, Hula, aus ca. 100 Häusern, die sich, mit
ler Eingangsfront dem Lande zugekehrt, in einem
Halbzirkel ca. 300 Schritt vom Ufer hinziehen. Diese
Zeihe Häuser wird zum Theil unterbrochen und in
3iner Entfernung von 15—920 Minuten stehen zwei
zleinere Siedelungen von 6—8 Häusern, die ebenalls
 zu Hula gehören.
            
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