Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 7=17.1887

„i4’

Diese drei letzteren sind nun ihrer Form nach unstreitig
 verwandt. Es ist schon bemerkt worden, dass
das originale Wurfholz von Ecuador sehr wohl auch
als Original für eine Wurfholzform der Tschibtscha,
welche nur in der Nachbildung vorliegt (vergl. Fig. 5),
hätte dienen können. Da diese nahe Berührung
zwischen Formen relativ benachbarter Gebiete statthat,
 so wird man für beide eine zu Grunde liegende
Verwandtschaft annehmen müssen. Andererseits berührt
 sich das Wurfholz vom Schingü mit dem der
Tschibtscha (vergl. Fig. 6—8), abgesehen von der
Stockform ganz speciell in einem diesen beiden allein
eigenthümlichen Merkmal, der vorn angebrachten
Scheibe, welche beim Abschluss des Spiesses horizontal
 steht. Die letztere Uebereinstimmung ist so
merkwürdig, dass auch sie nur durch eine zu Grunde
liegende Verwandtschaft erklärt werden kann. Das
Gebiet der Tschibtscha und das der Suyä am Schingü
(11° 11“ s. Br.), bei welchen das Wurfholz entdeckt
ist, liegen ca, 400 geographische Meilen auseinander.
So bedeutend diese Entfernung ist, so darf dieselbe
doch — in Südamerika am allerwenigsten, wo Völkerbeziehungen
 über ähnliche Entfernungen auch sonst
nicht ungewöhnlich sind — nicht abhalten, culturelle
Beziehungen anzunehmen, wo dieselben, wie ın den
Formen dieser Geräthe so deutlich sind. Zugleich
muss diese Verbindung eines Geräthes der Tschibtscha
mit einem einer entfernten Gegend des östlichen
Südamerika ein interessantes Moment gegen die vielfach
 behauptete, aber auch nur zu leicht übertriebene
 Isolirtheit der Cultur der Tschibtscha bilden,
welches man auch darum nach seinem vollen Gewicht
fest ins Auge fassen muss,
Indem die Wurfholztypen von Ecuador, von den
Tschibtscha und vom. Schingü unter einander verwandt
 sind, schliessen sie zugleich sich gegenüber
die übrigen Formen der bei den Indianern gefundenen
 Wurfhölzer aus, sei es, dass diese eng unter
einander verwandt sind, oder nur eine Einheit
den Wurfhölzern von Ecuador, Cundinamarca und
vom Schingü gegenüber bilden, Auf eine grosse,
früher bestandene Mannigfaltigkeit der brasilischen
bretartigen Wurfhölzer deuten die scharfen, durch

Zwischenformen jetzt unvermittelten Gegensätze
„wischen den Formen, welche Fig. 1 und 3, 4 der
Tafel zeigen. Von einem brasilischen dieser Form
aat das Wurfholz vom Schingü vielleicht das
‚och zum Einlegen des Zeigefingers, wie anderer-‚eits
 die Tschibtscha im partiellen Gebrauch von
Ziemen (oder. Stricken) zum Abschleudern von
Spiessen noch eine besondere Beziehung zu den
nittelamerikanischen Formen eingegangen zu haben
‚cheinen.
Schliesslich sei nur noch ein Wort über die bei
{en Indianern einheimischen Bezeichnungen des Wurfıolzes
 geäussert, Es sind vier solche Bezeichnungen
jekannt. In Mexiko hiess das Geräth Atlatl (Sinn?)
ıach TorquemaDa Je. VI 21: ballista atlatl; dardos
ue tiraban con cierto artificio que llaman atlatl, in
ieuador: Cumana nach VeLasco, Hist. del reino de
Juito II 52, Kagolintane, worin aber Herr K. v.D.
SrEiNeEn einen verbalen Ausdruck vermuthete, am
Schingü. Ausser dem portugiesischen Ausdruck palneta
 (Holzpritsche), welcher vielfach für brasilische
Nurfhölzer gebraucht wird, ist jetzt die verbreitetste
3ezeichnung für indianische Wurfhölzer Estolica
oder Estorica). Diese ist die vierte von indianischem
Jrsprunge. Schon Ovızpo wendete den Ausdruck bei
{em Wurfholz sehr verschiedener Gegenden an (Cueva,
3euador, Amazonenstrom-Gebiet). Cızca gebraucht
hn für die Wurfhölzer des Cauca-Thals, AcuNA ihn,
wie Ovızno, für die am Amazonenstrom. Das Wort
st von den Spaniern auf ihren südlichen Eroberungen
‚erbreitet worden. Seine Heimat dürfte es im Caucahal,
 vielleicht speciell in dem District Aburra (bei
ıntioquia) haben. Den Tschibtscha war es dagegen
ächt eigen: Ovızpo, XXVI cap. 30, sagt bezüglich
ler Tschibtscha, sie gebrauchen: una manera de
wsientos, que en otras partes Ilaman estoricas;
>;EDRAHITA aber, der den Ausdruck für die Tschibtscha
elbst nicht kennt, sagt von den Bewohnern von
\burra (IX, cap. 2), sie haben: flechas que se tiran
le uno palo de dos palmos de larga que llaman
sstolica (vergl. auch Aburra oben unter IVb zu
Anfang). Für dieses Gebiet würde die heutige Anwendung
 des Wortes am richtigsten sein.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.