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Weiteren hervorgehoben werden; sie haben es unter
allen Naturvölkern am weitesten in der Stilisirung
von Figuren gebracht, was darauf hindeutet, dass
die Malerei bei ihnen schon sehr lange in der
Uebung war. Die sowohl in Stein als in Holz geschnitzten,
auch gemalten und in den Körper eintätowirten
Totemfiguren zeigen eine strenge Stilisiraung
und haben völlig heraldischen Werth ?).
[smAıLOw, einer der frühesten Russen, welche mit
den Koljuschen in Berührung kamen, erzählt, dass
europäische Malereien und Zeichnungen ihnen durchaus
nicht imponirten. Als man einem Häuptlinge
Bildnisse der russischen Kaiserfamilie zeigte, erregten
sie keine Bewunderung. Jener Häuptling war von
seinem Maler begleitet, der alles Neue genau betrachtete,
um es dann zu malen. Er verstand es
namentlich, „allerlei Gegenstände auf hölzerne Tafeln
und auf andere Stoffe (Leder) zu malen“, wobei er
Blaueisenerde, Eisenocher, farbige Thone und andere
Mineralfarben verwandte, Auch bei diesen Völkern
wird bei mangelnder Schreibkunst die Malerei als
ein Ersatz angewendet, um Denkwürdiges in der
Erinnerung zu behalten ?).
Weit tiefer als die künstlerischen Leistungen der
Eskimo und der Nordwestamerikaner (Haida, Tlinkit
u. s. w.) stehen diejenigen der Rothhäute, östlich
von dem Felsengebirge. Aber sehr productiv sind sie
in Bezug auf die Figurenzeichnung, ja diese hat dazu
gedient, bis zu einer Art von Bilderschrift vorzuschreiten,
die allerdings durch künstlerische Ausführung
sich nicht hervorthut. Jener „Schmiss“, der,
auf guter Naturbeobachtung beruhend, sich in den
Zeichnungen der Australier, Buschmänner u, a. zeigt,
die gute Charakterisirung der Figuren fehlt bei den
Indianern, und wenn auch — wie häufig — die Thiere
besser als die Menschen dargestellt sind, so reichen
sie doch nicht an Thierfiguren der Eskimo oder
Buschmänner heran. Ein Blick auf die bemalten
Zeltdecken oder Büffelhäute unserer Museen, auf die
Nachbildungen bei ScHooLorRAFT, CaTLIn, Wien oder
MaıLLery belehrt uns sofort hierüber. Dr. CapırTan,
welcher sich von den Omahas, die 1883 im Pariser
Jardin d’acclimatation gezeigt wurden, Zeichnungen
anfertigen liess, sagt von denselben: Il est singulier
1) Am besten beweisen dieses die Abbildungen bei Swan
The Haidah Indians, Smithsonian contributions No. 267.
?) Erman in Zeitschrift f. Ethnologie III, 158 (1871).
le constater qu’a cote de representations tres rudinentaires
des figures humaines les images de cheaux
sont faites avec une certain correction !). Am
neisten Mühe geben sich die Indianer noch bei
ler Bemalung ihrer Büffelhäute, die oft als Mäntel
zetragen werden, Auf rothbraunem Grunde sieht
man schwarze Figuren, besonders von Thieren, bei
ınderen auf weissem Grunde die Heldenthaten und
jebensereignisse einzelner hervorragender Indianer
ıchwarz oder bunt dargestellt. Man sieht die veryundeten
Feinde, den Blutverlust, die Getödteten
ınd Gefangenen, gestohlene Pferde, Alles nach der
nugenthümlichen Art der noch in der Kindheit befindichen
Malerei, schwarz, roth, grün und gelb (mit
irdfarben) ausgeführt. Fast alle Missourivölker beassen
sich mit der Bemalung solcher Büffelhäute;
ım geschicktesten sind die Panis, Mandanen, Möniarris
und Krähen. Unter den Mandanen traf Wızp
ndividuen, „die ein ganz entschiedenes Talent“ zum
Zeichnen besassen *). &
Es muss auffallen, dass neben der niedrigeren
Stufe, welche die heutigen Rothhäute der Vereinigten
Staaten in Bezug auf künstlerische Begabung zeigen,
ei den sogenannten Mountbuildern eine weit beleutendere
Fähigkeit in Bezug auf die Nachbildung
ron Figuren, namentlich Thierfiguren, vorhanden war.
an hat diese wohlbeachtete verschiedene künstlerische
3egabung der Moundbuilder und der heutigen Indianer
uf eine Stammesdifferenz Beider beziehen wollen oder
ıngenommen, die heutigen Indianer seien von der
ıöheren Stufe ihrer Vorfahren, der Moundbuilder,
ıerabgesunken. Wie dem auch sein möge, die aus
"honstein geschnitzten Pfeifen u. s. w. in den Mounds,
velche Menschenköpfe, Figuren, Thiere darstellen, steıen
weit über den Leistungen der heutigen Rothhäute.
"or Allem zeichnen sich die zoologisch gut erkenn-)aren
Thiergestalten aus, die von Squıier und Davıs
Ancient monuments of the Mississippi Valley) zuerst
y‚eschrieben, aber häufig falsch bestimmt und auf
‚üdlichere Formen (Manati, Tukan.u. s. w.) gedeutet
vurden, um daran weitgehende Schlüsse zu reihen,
Joch mit Unrecht, wie der zoologisch geschulte
Hnnssnaw zeigte 3).
1) Bull. soc. d’Anthropol. 1885, 365.
2) Prısz M. zu Wısp, Reise in das Innere Nordamerikas,
I, 113, 135 u, Tafel XXI u. XXIL
8) Animal carvings from mounds of the Mississippi Valley.
Second annual Report of the Bureau of Ethnulogy 117 ff.