III. Metallzeit,
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a) Depötfund von Bronzen bei Plavnic unweit Steinkirchen.
Im Frühjahre 1885 gelangte durch Herrn Director
K, Romr an Se, Durchlaucht den Fürsten ADoLr
SCHWARZENBERG die Nachricht, dass Revierförster Herr
RZınA in Steinkirchen einen seltenen Fund von
Bronzen im fürstlichen Hammerwalde gemacht habe.
Bald nachher sind mir die Bronzen zugesendet worden.
Anfangs der Ferien desselben Jahres begab ich
mich an Ort und Stelle.
Von der Brauerei Plavnic bei Steinkirchen führt
ein Fahrweg in südlicher Richtung gegen Rimau.,
Bei der Einschichte Otmanka erhebt sich links vom
Wege am linken Ufer der Maltsch ein 520 m hoher
Berg, Hammerwald genannt, dessen Höhe nicht bewaldet
ist. Nahe der höchsten Stelle stiessen am
Waldesrande Arbeiter beim Fällen einer hundertjährigen
Kiefer in einer Tiefe von circa 20 cm auf
die Bronzen, von denen sie 9 Stücke ausgruben. Ich
untersuchte die Stelle, wobei ich noch. ein ganzes
Stück (Paalstab) und ein Fragment (Spirale) vorfand.
Der Boden besteht aus lehmigem Schutt und bei
Erweiterung der Grube sowohl in die Breite als in
die Tiefe kam keine Spur von Scherben oder von
Kohlen oder von einer durch Menschenhand hergestellten
Anschüttung zum Vorschein. Die Bronzen
zehören daher einem Depötfunde an, der nicht nur
durch seinen Inhalt, sondern auch durch die Gleichzeitigkeit
der Formen seiner Objecte sehr lehrreich
ist. Als ich dieselben in der Plenarsitzung der anthropologischen
Gesellschaft am 13. April vorlegte, erregten
sie in hohem Grade das Interesse der Versammlung.
Zunächst sind vier Stücke Flachcelte (Paalstäbe)
von vierlei verschiedenen Formen, zwei grössere und
zwei kleinere, zu nennen.
Nr. 1. Ein Paalstab, 178 cm lang, an der geschweift
ausgebogenen, seitlich eckigen Schneide 6°8 cm, am geraden
Rücken 1°9 cm breit. Längs der ganzen Seite verläuft jederseits
eine schwach hervortretende Leiste. (S. Taf. IX, Fig. 1.)
Nr. 2, Ein Paalstab von 187 cm Länge; an der halbkreisförmigen
Schneide 61 cm, am abgerundeten, mit einer
mondförmigen Vertiefung versehenen Rücken 2:8 cm breit;
die Seitenleisten wie bei dem vorigen. (S. Taf, IX, Fig, 2.)
Nr. 3. Ein Paalstab von 13:1 cm Länge; an der geschweift
ausgebogenen, seitlich abgerundeten Schneide 4'5 cm, an dem
abgerundeten Rücken 1:7 cm breit; die schwachen Seitenleisten
verlaufen bis zur Schneide, (S. Taf, IX, Fig. 8.)
Nr, 4. Ein Paalstab von 13:6 cm Länge; an der geschweift
ausgebogenen, seitlich eckigen Schneide 6 cm, am abgerundeten
Rücken 21 cm breit; die Seitenleisten verlaufen bis gegen die
Schneide und sind im oberen Drittheil kräftiger. (S. Taf.IX, Fig.4.)
Ein Paalstab von der Form der Fig. 1, aber um
cm kürzer, wurde bei Ratbor unweit Kolin mit
nehreren kleineren Objecten aufgefunden; von der
form der Fig. 2, aber um 2 cm kürzer, kam ein
7aalstab in einem mit Steinen ausgelegten Skelettzrabe
bei Pivon an der bayerischen Grenze vor; die
Form der Fig. 3 ist mir aus Böhmen noch nicht besannt;
von der Form der Fig. 4 wurde in gleicher
ırösse ein Exemplar bei Pod&äbrad aufgefunden %).
Dieses letztere, vorliegende Exemplar, das allein die
;puren des Gerauchs zeigt, kommt auch nahezu gleich
enem Flacheelt, das SzomsATEyY aus Untertemenau bei
‚undenburg in Mähren beschrieb ®), nur ist letzteres
in wenig kleiner und besitzt einen mehr dreieckig
ıbgerundeten Rücken.
Nr. 5. Ein Meissel der schönsten, seltenen Form und Vollndung
(Taf. IX, Fig. 5), 21 cm lang, an der schön ausge-»ogenen
Schneide 17 cm, am abgerundeten, schön ausge-‚uchteten
Rücken 2 cm breit ; die Seitenleisten beginnen erst
ıahe der Mitte unter dem Rücken und verlaufen bis zur
;chneide, wo sie sich ausbiegend verlieren. Dieses elegante
Verkzeug konnte wohl doch nicht bis über die Hälfte herab
n einer Handhabe gesteckt sein. Ein ähnliches Stück ist mir
us Böhmen nicht bekannt.
Nr. 6 und 7. Zwei ganz gleiche Handnadeln der seltenten
Art von 176 cm Länge und in der Mitte 0:3 cm Dicke.
Taf, IX, Fig. 6 und 7.)
An ihrem unteren Ende sind die Nadeln in einen
lünneren Draht ausgezogen und dieser ist in eine
juergestellte Spirale nach der Art der La Töne-?;beln
umgebogen; ein ebensolcher Draht ist dann
ım die Nadel in einer Länge von 3‘2 cm spiralig
ımwunden *). Es scheint, dass derselbe ursprünglich
ne Fortsetzung des Drahtes der Querspirale war und
ıpäter nach Vollendung der Nadel abgebrochen wurde;
ım die die Nadel umgebende Spirale auf und ab bewegen
zu können und so den Fingern, je nach Bedarf,
ıöher oder tiefer einen Halt zu bieten; denn dass
liese Nadeln mit der sanft umgebogenen, am Ende
abgerundeten Spitze zur (weiblichen) Handarbeit verendet
wurden, ist wohl zweifellos. Da eine Dame
mit diesen beiden Nadeln rasch zu stricken vermochte,
stehe ich nicht an, dieselben für Stricknadeln
zu erklären.
Nr. 8. Eine Handnadel (Taf. IX, Fig. 8 u. 9) von 12cm
Länge und 0°2 cm Dicke in der Mitte; am unteren Ende flach
ı) Pamätky arch, Prag. Bd. XI, Heft 11, 1881.
?) Mitth. d. Anthrop. Ges. Wien, Bd. XIII, p. 77, Fig. 22.
3) Genau dieselbe Verzierung, bestehend aus einer Quer-;pirale
und einer darunter laufenden, umwundenen Spirale,
‚eben slovakische Drahtbinder den zum Durchstechen der
7feifen dienenden Pfeifenstechern.