Von Santicum bis Virunum sind im Itinerar 30.000
Passus verzeichnet. Diese Entfernung trifft zu, wir
mögen mit AnkEersHoren annehmen, dass die Strasse
über Velden-Töschling-Moosburg, oder mit POLATSCHEK,
dass sie über Velden-Krumpendorf-Lendorf ging.
Neuere Untersuchungen und Funde sprechen jedoch
entschieden für das letztere, .
Zwischen Villach und Velden kann nicht leicht
ein Zweifel über den Zug der Römerstrasse obwalten ;
sie musste möglichst gerade, d.h. an Wernberg und
Sternberg vorüber bis an den See, ungefähr bei
Winklern gelangt sein. Hier dürfte die Station Tasinementum
der Tabula, 20.000 Passus von Virunum
"Zollfeld), zu suchen sein.
Weiter längs des nördlichen Ufers des Wörther
Sees konnte die Römerstrasse wegen Raummangels
nicht viel anders als die heutige Chaussee gegangen
sein. .
In Töschling und Pörtschach wurden Römerfunde
gemacht !); von hier aber musste die Römerstrasse,
um einen grossen Umweg zu vermeiden, anders als
die Chaussee, nämlich am Bergabhange über Sallach,
Pritschitsch, Leinsdorf, an der Kirche und dem
Schulhause in Krumpendorf vorbei, bis zur Bahnstation
auf der Anhöhe geblieben sein, über welche
auch jetzt ein Feldweg führt. In Sallach oder Pritschitsch,
11.000 Passus von Virunum entfernt, mochte
die Station Saloca gewesen sein.
In der Nähe der Bahnstation, beim Orte Gurlitsch,
bog die Römerstrasse nach Norden ab, ging, wie
PoLATSCHEK *) nachweist, am Abhange des Falkenberges
und östlich ‚vom Seltenheimer Moos über
Tretnig und Lendorf nach Zollfeld. Längs dieses
Strassenzuges fand man erst kürzlich in Pritschitsch
im Garten des Bergrathes SeELAnD, sowie in Krumpendorf
in der Villa Kurztı nächst dem Schulhause römisches
Mauerwerk und an letzterem Orte auch das
Stück einer antiken bleiernen Kette ®). In Krumpendorf
selbst aber stand ein römischer Meilenstein *)
mit der Bezeichnung X, d. h. 10.000 Passus von
Virunum, eine Entfernung, welche thatsächlich zutrifft,
Fasst man alle diese Vorkommnisse zusammen,
so kann es nicht mehr in Frage stehen, wie die
1) JABORNEGG pag. 159.
7) PonArtscHExg, II. pag. 49.
’) Museum des kärntn. Geschichtsvereines Nr. 5822,
-) Mommsen Nr. 5704, — Jas. pag. 158. — PonartscHex, II,
pag. 11. — Der Meilenstein, welcher sich in der Monumentenhalle
des kärntnerischen Geschichtsvereines befindet, zeigt
keine Spur von XV, sondern nur X.
lömerstrasse gegangen ist. Wer noch festere Ueber-.
jeugung gewinnen will, dem wäre wärmstens zu
\;mpfehlen, mit dem Büchlein „Römerstudien eines
ılten Soldaten“ in der Hand, die äusserst lohnende
*usspartie von Krumpendorf bis Maria-Saal zu unterı1ehmen.
In Lendorf sind in der Kirche interessante
iömersteine !) eingemauert, zumal jener, welcher das
3rustbild einer geschmückten keltischen Dame darstellt.
Von Lendorf bis Popichl aber zieht sich
juer durch die Felder ein langer, gerader Damm,
iber welchen noch heute die Bauern fahren und
ler als ein Muster eines römischen Strassendammes
zelten kann.
Die Strasse über Windischgraz (Colatio).
Wir finden ferner in der Tabula eine Strasse,
welche von Aquileia über Emona, Celeia, Colatio,
Juenna nach Virunum ging. Im Itinerar kommt diese
Strasse nicht vor. Emona ist Laibach, Celeia Cilli,
jolatio Windischgraz und Juenna Globasnitz, Die
Intfernung zwischen letzteren beiden Stationen ist
2.000 Passus, zwischen Globasnitz und Zollfeld
3.000 Passus. Diese Distanzen sind so knapp bengessen,
dass die Römerstrasse nicht viele Windungen
nachen durfte, um dieses Mass einzuhalten. Sie zog
ienn auch in der That von Windischgraz in geralester
Richtung über Altenmarkt, Kettelach, in dessen
Vähe bei Podgoriach eine breite, gepflasterte Strasse
vufgegraben wurde ?), in der Richtung des Miesthales
iber Loibach nach Globasnitz oder Juenna. Hier
nuss eine bedeutende Stadt gestanden haben; man
and zahlreiche Gebäudereste, Monumente, Steinyräber
und Strecken einer 2 Klafter breiten Strasse ®).
Vach den hier ausgegrabenen Inschriftsteinen zu ur-:heilen,
war Juenna der Sitz eines Aedilitius; folglich
‚ine Stadt mit Municipalverfassung *), und hatte eine
vohlhabende Bevölkerung. Die Fortsetzung dieser
lömerstrasse ging, wie jetzt ausser Zweifel steht,
iber Jaunstein, am Hemmaberg und an Eberndorf
rorüber, an die Drau, welche sie zwischen St. Kanzian
ınd Tainach übersetzte. An letzterem Orte theilte
sie sich in zwei Arme, wovon der eine gegen Norden,
ler andere gegen Westen zog. An beiden diesen
Strassenarmen wurden in gleichen Entfernungen von
Tainach Meilensteine gefunden, in nördlicher Richtung
aächst der Kreuzerrealität an der Völkermarkter
1) Jas..pag. 147.
? C. C. Bd. VII, n. F, pag. LXXVIIL
3) Jas. pag. 131.
‘) ANKERSHOFEN, I. pag. 569.