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meisten Fällen sehr schwer wird, die Standorte der
Stationen geographisch zu bestimmen. Zum Glücke
sind uns die Hauptstationen, z. B. Aquileia, Ovilaba,
Juvavum bekannt, ebenso mehrere Stationen ın
Kärnten, nämlich Santicum Villach, Virunum Zollfeld,
Matucaium Treibach und Juenna Globasnitz,
auch wissen wir, dass der römische Passus, nach
welchem die Distanzen gemessen wurden, gleich
1:597 m war; wir können also diese Distanzen mit
dem Zirkel auf unsere Karten übertragen und so
Jie. Stationen suchen. Ich finde z. B. die Station
Candalicae des Itinerars, welche XX m Passus von
Virunum gegen Ovilaba zu liegen sollte, auf der
Generalstabskarte, wo 2cm = 1500 m sind, entweder
zwischen Friesach und Micheldorf, oder bei
Hüttenberg. Um nun zu entscheiden, welcher von
diesen beiden Orten der richtige sei, muss ich auch
die nächstfolgenden Stationen zu bestimmen suchen
und dann sehen, wie die Sache am besten stimmt.
Es ist leicht begreiflich, dass dieser Vorgang in den
meisten Fällen nur ein sehr ungenügendes Resultat
liefern kann, und um nur ein Beispiel zu geben,
will ich sagen, dass gerade die eben genannte
Station Candalicae fast von allen Jenen, die sich mit
ihrer Bestimmung befasst haben, in anderer Weise
festgesetzt wird: AnkErsHoren nennt Hüttenberg,
Mommsexn Einöddorf, Kexner Micheldorf; ältere
Forscher kamen noch weiter ab und verirrten sich
sogar bis St. Veit! Es muss daher noch eine andere
Controle zur Prüfung der Richtigkeit einer Ansicht
yeben, sollen wir uns nur einigermassen beruhigen
können, und da gibt es denn keine bessere, als den
Augenschein, d. h. wir müssen hingehen und sehen,
ob dort, wo eine Römerstrasse sein soll, wirklich
noch Spuren vorhanden oder doch denkbar sind.
Die Strassen der Römer waren nämlich ganz anders
tracirt und angelegt als die unsrigen. Heute trachtet
nan vor Allem ein möglichst geringes Gefälle zu
erzielen und umgeht steile Anhöhen oder legt Serpentinen
an; die Römer trachteten nur rasch an’s
Ziel zu gelangen und scheuten steile Anstiege nicht,
Heutzutage bleibt man am liebsten in der Thalsohle;
die Römer zogen es vor, am Abhange oder über den
Rücken der Berge zu gehen, um freien Ausblick zu
haben. Felsensprengungen kannten sie nicht; dagegen
liessen sie, wo es Noth that, auch gewaltige Blöcke
mit dem Meissel hinwegarbeiten. Brücken bauten sie
nur, wo es nicht zu vermeiden war; dafür aber
häufig lange Dämme, welche noch heute bestehen
and befahren werden können. Eigenthümlich waren
hre Strassencastelle. Ueberall, wo ein freistehender,
ılcht allzu hoher Hügel oder Felsen an der Strasse
stand, bauten sie Castelle oder Warten. Solche
Strassenbauten führte das Mittelalter nicht und unsere
späteren Land- und Gemeindestrassen sind gar
eicht zu unterscheiden ; sie gingen, möchte man sagen,
on Kirchthurm zu Kirchthurm, während die Römer-‚£rassen
weite Ziele verfolgten. Findet man nun
solche Spuren, so ist schon viel gewonnen, noch
nehr aber, wenn man an Orten, wo Stationen sein
sollten, Reste alter Bauten, römische Münzen, Fibeln
ı. dgl., Inschriftsteine oder gar einen Meilenstein
indet!.
Die Römerstrassen Kärntens lassen sich in zwei
Tauptgruppen theilen, solche, welche im Itinerar
‚der in der Tabula vorkommen, und solche, die
ılcht dort enthalten sind. Wir können sie doeunentirte
und nicht documentirte nennen. Documenirte
sind 5, nämlich eine, welche nur die Westzrenze
des Landes berührt, und vier, welche in
Yiranum, dem heutigen Zollfelde, zusammentreffen :
1. die Pleckenstrasse;
2. die Strasse über Pontafel;
3. die Strasse über Windischgraz;
4. die Strasse nach Wels und
5. die Strasse nach Salzburg.
Die nicht documentirten Römerstrassen Kärntens
ind folgende:
1. die Römerstrassen Oberkärntens mit dem Mittelpunkte
Teurnia oder St. Peter im Holz;
2. die römischen Eisenstrassen;
3. die Strasse am Fusse des Diexerberges und
durch das Lavantthal;
4. die Strasse durch das obere Gailthal;
5. die römische Loibelstrasse;
5. die römischen Tauernstrassen.
Die Pleckenstrasse,
Die älteste Römerstrasse Kärntens ist wahrscheinich
die Pleckenstrasse gewesen; denn der römische
Schriftsteller Sextus Rufus sagt (Cap. 7), dass sie
ınter. den Cäsaren Julius und Antoninus gebaut
yurde. Sie ist nur im Itinerar verzeichnet und vernittelte
die directe Verbindung zwischen Aquileja
ınd der römischen Strasse über den Brenner. Auf
talienischer Seite beginnt bei Timau der Anstieg
ınd zieht sich die alte, nicht mehr gangbare Strasse
ım westlichen Abhange der Collina bis auf die Passıöhe
hinauf. Dort lag der römische Strassenkörper
2ı1n paar Meter höher als der jetzige und wurde