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hätten, während Eisen in beiden Fundschichten gänzlich
fehlt. Dagegen finden sich in beiden Schichten zahlreiche
Messer (Abbild. Nr. 104—107) und Pfeilspitzen
(Nr. 108-—111) aus (wahrscheinlich von der Insel Milo
ımportirtem, aber an Ort und Stelle bearbeitetem) Obsidian,
was uns übrigens nach dem gleichen Vorkommen
in Mykenä und dem prähistorischen Tumulus von
Marathon weniger überrascht. Von Steingeräth fanden
sich ferner zwei Arten von Reibwerkzeugen (zum Poliren
der Thonwaare?), kegel- oder glockenförmige Kornquetscher,
Reibsteinplatten, rohe Steinhämmer, deren
Grösse und Schwere vermuthen lässt, dass sie blos mit
der Hand gefasst wurden, Spinnwirtel u. dgl. Eine
knöcherne Sticknadel und ein Schieber aus blauem
Glas lagen bei Skeletten
der ältesten Ansiedler,
deren SCHLIEMANN vier
entdeckte. Was hier theils
vereinzelt, theils in grösserer
Zahl gesammelt
wurde, lässt sich durchweg
mit analogen Funden
aus Troja, Mykenä,
Athen, aber auch aus
Chaldäa und Mittelguropa
zusammenhalten,
ist also, wenn man so
sagen darf, von kosmopolitischer
Ursprünglichkeit
und gewährt keinerlei
chronologischen oder
culturgeschichtlichen Anhaltspunkt.
Anders verhält es
sich mit den Funden im
Schutt der zweiten
Ansiedlung. Positive und
negative Fundthatsachen
liefern hier Anhaltspunkte
zu einer chronologischen
Datirung. Zu
den letzteren gehört das
Fehlen des Eisens und der
schwarzlackirten Thonwaare,
deren erstes Auftreten
SCHLIEMANN Schon
in das 10. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung setzt.
Positive Anhaltspunkte liefert die Keramik, welche mit
derjenigen von Mykenä im Ganzen übereinstimmt, ferner
die zahllosen Messer und Pfeilspitzen aus Obsidian.
Aus diesen und anderen Merkmalen schliesst SCHLIE-MANN,
dass der Palast von Tiryns im letzten Jahrhundert
des 2, Millenniums v. Chr., ungefähr gleichzeitig mit
Mykenä in Folge der dorischen Invasion zerstört worden
sei, eine Annahme, welche auch mit der geschichtlichen
Tradition, soweit sie uns hierüber belehrt, vortrefflich
harmonirt. Man kann also sagen, dass Tiryns gerade
da aufhört, wo die beglaubigte Geschichte Griechenjands
anfängt, so dass die Bezeichnung »prähistorisch«,
für die wir sonst nicht eben schwärmen, hier sehr gut
ım Platze ist
Fig
Den vernichtenden Streichen der: »rückkehrenden
Jerakliden« erlag eine blühende, eigenthümliche Cultur
ıicht nur im Peloponnes, sondern auch im nordöstlichen
zriechenland, wenigstens in Attika und ‚auf den Inseln
les saronischen Golfes, wo sie fortan bis auf die letzte
Spur getilgt erscheint. Ausser Betracht bleiben hiebei
lie in Tiryns wie in Mykenä gefundenen, im soge-‚annten
»Dipylonstyle« geometrisch decorirten Gefässe,
ıach SCHLIEMANN Importartikel aus Phönikien, welche
schon lange vor der Ankunft der Dorier nach dem
Peloponnes gebracht wurden und’ noch lange nach jener
Jmwälzung, immer als fremde Handelswaare, in Athen
Dipylonvasen) vorkommen. (Taf. XVI—XXUII, 8. 107 f.
‚12. 114.) Den stilistischen Unterschied dieser Vasengattung
von der eigentlichen
tirynthischen und
mykenischen Gruppe von
Thongefässen bezeichnet
SCHLIEMANN Wohl etwas
äusserlich damit, dass
jene in geraden Linien
als Mäander ausdrückt,
was diese in Bogenlinien
als Spirale wiedergibt,
und dass man dergestalt
nit einer kleinen Abweichung
von dem ursprüng-‘ichen
Motive eine völlig
ı1eue Ornamentik schuf.
Yon diesen Gefässen sondert
sich zunächst (allerlings
nicht in der Darstellung
SCHLIEMANN’S,
der stellenweise Heterozenes
confundirt und Zuzammengehöriges
trennt)
ä»ine Reihe von Bruchstücken,
in welchen ein
zanzanderesDecorationsarincip
herrscht. (Taf.
XIV, XV, XVIIb, XXIa b,
XXII c, Abb. S. 407,
Nr. 147—151.) Es sind
Ägurale Darstellungen
von Wagenfahrten, Kriegern,
Thieren u. dgl.,
zanz im Geiste der reichstgeschmückten Dipylonvasen;
ıllein wenn dort die menschliche oder thierische Gestalt
s‚leichsam in ihre linearen Elemente aufgelöst und nach
lieser Zersetzung in ein homogenes ornamentales Ge-‚üste
gebannt ist, erscheint sie hier von solcher Willkür
rei, aber dafür einer andern, noch weit naturwidrigeren
Adanier unterworfen. Theils nur die Contouren, theils die
sanzen Körper der schauerlich ungeschickt dargestellten
Xrieger, Pferde u. s. w. sind ausgefüllt von mit Lasurveiss
aufgetragenen Punktreihen, Wellenlinien, Kreuzen,
Schachbrettern u. dgl., mit einem Worte: sie sind genustert
— eine barbarische Kunst, der im Leben
jur etwa die Sitte der Tätowirung entspricht. Kunstzeschichtlich
genommen, steht diese Zeichnung hinter
Jer geometrischen Decoration so weit zurück, wie kaum