‚834
angehört haben. Innerhalb der kleineren (Brand-)Hügel gehören
die steinkistenhältigen der reinen Bronzezeit an,
während die urnenführenden in die Eisenzeit hinüberreichen.
Unter den Bronzen von Bornholm ist typisch nur die
22mal auf der Insel (sonst sehr selten) vorkommende Fibelform
Fig. 29 als local vorherrschend bemerkenswerth. Goldschmuck,
Glasperlen und Bronzegefässe sind ‚selten und
stammen wohl von auswärts; Waffen und Frauenschmuck
finden sich ohne Unterscheidung in den Gräbern beider Geschlechter.
;
Menhirs („Bautastene“) finden sich sowohl einzeln auf
grossen und kleinen Tumulis, wie in Gruppen bis zu 100 Stück
und 28m H. auf flacher Erde; sie gehören der Bronze- und
dem Beginn der ersten Eisenzeit an; nach einem Intervall von
mehreren Jahrhunderten erscheinen sie wieder im mittleren
and — als Runensteine — im jüngeren Eisenzeitalter.
„Gerichtstafeln“ nennt das Volk 2:3m breite und lange
Steinplatten, die auf 3 oder 4 Unterlagsteinen tischartig aufgestellt
sind. „Helleristninger“ (mit eingehauenen Bildzeichen
versehene Felsen) kommen an zahlreichen Stellen vor, die
Figuren sind meist rohe Symbole; höher als bis zur Darstellung
eines Schiffes oder einer menschlichen Gestalt versteigen
sie sich nicht; wo mehrere dergleichen auf einem
Stein beisammen sind, verräth die unsymmetrische, willkürliche
Anordnung, dass sie zu verschiedenen Zeiten ohne
gegenseitige Beziehung eingehauen sind. VEpgı hält sie für
Votive, um Dank oder Bitte bei den Göttern anzubringen,
Aus all’ den angeführten Umständen schliesst der Verf., dass
die grossen Tumuli den alten aristokratischen Familien angehören,
welche die Insel seit der Steinzeit innegehabt, während
die ärmeren und kleineren Brandgräber von späteren Zuwanderern
herrühren.
Aus der ersten Eisenzeit, die der Verf. bis 450 n.
Chr. reichen lässt, stammt zunächst eine Menge von „Brandplettern“
(Scheiterhaufenresten in 30cm tiefen Gruben, oft
mit Steinplatten zugedeckt, ohne Behälter und äusseres
Grabmerkmal), die anfangs dicht beisammen liegen, später
mehr auseinandergehalten werden und oft an die älteren
Hügelgräber sich anschliessen. Die in den älteren Gräbern
spärlichen, später reichlicheren Beigaben sind ordnungslos
deponirt, meist zuerst zerbrochen oder verbogen, dann mitverbrannt
und bestehen in Schutz- und Trutzwaffen, Sporen,
Messern und Schmucksachen. Die älteren „Brandpletter“ enthalten
meist eiserne Tene-Fibeln (Fig. 109—1265), die späteren
provinzialrömische, aus den letzteren abgeleitete Formen, vorwiegend
aus Bronze (Fig, 126—138; die Ableitung dieser Typen
geschah natürlich nicht im Norden, sondern in Mitteleuropa, wo
sie im I. Jahrh. n. Chr. modern sind), die Jüngsten Armbrustfibeln
mit ausgesprochen römischen Formen (Fig. 141—150).
Diesen charakteristischen Vorkommnissen entspricht der
übrige, zum Theil sehr reichhaltige Schmuck der Gräber,
Unter den Waffen sind, der alpinen Analogien wegen, für
uns die einschneidigen, mehr oder minder gekrümmten
Schwerter (Fig. 62—68), namentlich hervorzuheben.
Um die Mitte des V. Jahrh. entwickelt sich in der
skandinavischen Welt ein ganz neuer Stil, namentlich
an den metallenen Schmucksachen. Die einfachen Formen
ınd Verzierungen verschwinden; die Stücke werden grösser
ınd. kostbarer, geschwungene und verschlungene Linien,
ıllerlei menschliche und thierische Gestalten in mannigacher
Composition und Combination bilden eine Ornamentik,
lie sich technisch in tiefen Gravüren oder im Relief sehr
cräftig ausspricht; die Vergoldung und Cloisonnerie (namentlich
nit Granaten) wird häufiger, Dieser Stil setzt sich während
les ganzen christlichen Mittelalters fort und lebt noch heute
n der Holzsculptur entlegener Thäler der skandinavischen
Jalbinsel. Einen Abschnitt in seiner Entwicklung bildet die
Vermischung mit irländischen Motiven etwa um die Mitte
les VIII. Jahrh. Sein Ende fällt mit dem des Heidenthums
m XI. Jahrh. zusammen; für diese letzte Periode sind
zrosse, ovale, schalenförmige Fibeln die charakteristischen
ärscheinungen (Fig. 366—368).
Auf Bornholm herrscht während der mittleren Eisen-;eit
die Skeletbestattung in Steinkisten unter kleinen Hügeln
ı1eben der viel selteneren Brandbestattung vor. Die Beigaben
eigen im Wesentlichen die dem Ende der ersten Eisenzeit
jgenen Formen, doch veredelt durch jenen seit der Völkervanderung
zur Herrschaft gekommenen Stil. In der jüngeren
Zisenzeit (450—1050) werden nur mehr ganze Leichen beırdigt
; die Ausstattung ist ärmlich, was mit dem grösseren
Zunstwerth der Objecte ganz natürlich zusammenhängt. In
len Gräbern aus christlicher Zeit (Holzsärgen) finden sich
weder Waffen, noch Schmuckstücke.
Die fremden Einflüsse, welche Bornholm in nachchristlicher
Zeit erfahren, spiegeln sich auch in den Münzfunden.
Zömische Silberdenare aus der Zeit der ungetheilten Weltıerrschaft
und byzantinische, sowie weströmische Solidi aus
old erstrecken sich über die Zeit von Nero bis auf Justinus L,;
jas VIIIL.—X. Jahrh. ist durch kufische, in Samarkand und
Bukhara geprägte, das X. und XI. durch deutsche, hollänlische,
englische u. a. Münzen sehr zahlreich vertreten,
\usserdem finden sich in Edelmetall Bracteaten u. a. barbarische
Reliefarbeiten, welche, da sie ausserhalb der Gräber
zefunden wurden, schwer zu datiren sind.
Ein Ueberblick der Funde des Eisenzeitalters zeigt, dass
die Bevölkerung Bornholms am Beginne desselben arm war,
in der Mittelperiode wächst ihr Wohlstand, um gegen das
inde des Heidenthums wieder abzunehmen, Sicherlich war
ler Feldbau der Hauptzweig, aus dem die Bewohner ihren
Interhalt schöpften; von localer Industrie finden sich nur
‚ehr geringe Spuren, dagegen Anzeichen eines lebhaften
Handelsverkehres, der im Bronzezeitalter bereits die Südzüsten
des baltischen Meeres berührte und später (bis zum
€. Jahrh.) eine sehr weite Ausdehnung fand. Hiemit hängt
Jie Vielseitigkeit und Stärke der fremdländischen Einflüsse,
welche vom Beginne der Eisenzeit ab notorisch nachweisbar
sind, zusammen.
Der Anfang des Bronzezeitalters schliesst die Periode
der Einwanderungen auf Bornholm ab; die weitere Entwicklung
der localen Cultur verläuft ganz regelmässig und
ıngestört. Die Gräber mit La Tene-Fundsachen mögen zum
Theil noch der Epoche vor Christi Geburt angehören; die
orovinzialrömische Cultur dürfte ca. 100-—150 n. Chr. Born-21olm
erreicht haben, Dr. Moriz Hoernes.