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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 6=16.1886

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lich, wie sich die Uebergänge in der Wirklichkeit vollziehen,
zus den „protohistorischen“ in rein geschichtliche, wenn auch
mangelhaft bekannte Zeiträume hineingeglitten,
Den Abschnitt über physische Anthropologie (S. 305—333),
welchen ein portugiesischer Gelehrter, Don FrAancısco DE PAULA
£ OLIvEIRA, beigesteuert, müssen wir competenteren Beurtheilern
überlassen. Unter den Nachträgen, ganz am Schlusse des
Buches, ist eines der merkwürdigsten urgeschichtlichen Denkmäler
 spanischen Fundortes abgebildet und besprochen, welches
aus der Sammlung des Louvre zuerst in der „Gazette arch6o-:ogique“
 publicirt wurde und die ganz besondere Beachtung
ınserer einheimischen, sowie der italienischen Archäologen
verdient. Es sind dies 5 Goldblechfragmente mit eingestanzter
Repouss6-Arbeit, ziemlich gleichförmige Bruchstücke von einem
Gürtelbeschlage oder dergl. Das eine Ende zeigt den &umvE
5inmAwE, d. h. zwei in entgegengesetzter Richtung um eine
Punktreihe geschlungene Wellenlinien, jenes Ornament, welches
bekanntlich die figurale Darstellung auf dem vielbesprochenen
Gürtelblech von Watsch umschliesst, Dann folgen der Länge
nach zwei Figurenreihen, welche ganz in der leblosen. symmetrischen
 Weise der früher bekannten figuralen Darstellungen
zuf Hallstätter Bronzeblechen aus speerschwingenden Reitern
und Fussgängern, welche grosse Bronzegefässe oder verschiedene
 Waffen tragen, zusammengesetzt sind; Punktreihen und
allerlei Thierfiguren dienen als Füllschmuck. Auf den ersten
Blick wird man an unsere interessanten Krainer Funde, aber
auch an altgriechische Darstellungen auf den bekannten Dipylon-Vasen
 und an die figurale Decoration phönikischer Silberschalen
 erinnert. Auf jeden Fall gibt dieses interessante
Fundstück, welches man in Spanien, wo die specifisch-hallstättische
 Cultur gar nicht vertreten ist, nicht zu einer
weiteren Ausdehnung dieses Culturkreises nach Südwesten
benützen kann, sondern ganz einfach phönikischem Einfluss
zuschreiben wird, denjenigen Prähistorikern zu denken, welche
noch immer nicht geneigt sein sollten, das Mittelmeer und
die Mittelmeerländer als natürliche Zwischenglieder in der
Verbreitung dieser orientalisirenden Kunstformen nach Norden
and Westen gelten zu lassen. Dr. Moriz Hoernes.

E. Vedel. Bornholms Oldtidsminder og Oldsager.
Kjobenhavn 1886; (XII u. 424 SS. mit einer Tafel
in Farbendruck, einer Karte der Insel und zahl-:eichen
 Abbildungen im Texte. 4.)
Ein gehaltreiches, stattliches Werk, würdig der ehrenvollen
Vergangenheit, welche die nordische Forschung in der Geschichte
 unserer Wissenschaft immerdar auszeichnen wird.
Vedel begann sein Studium der Alterthümer von Bornholm
schon 1867 als Präfect der Insel und publicirte die Ergebnisse
desselben successive in den „Aarboger for nordisk Oldkyndighed
og Historie“ 1870—1885. Obigem Buche liegen nun sämmtliche
 von ihm und seinem Nachfolger Jorgensen ausgeführten
Arbeiten zugrunde. Dieselben umfassen die Untersuchung
von 400 Gräbern der Stein- und Bronzezeit, mehr als 2600
Brandgräbern der ersten Eisenzeit, bei 300 anderer Gräber
Jerselben Periode, ungefähr 200 solcher aus der mittleren
und ebensovieler aus der jüngeren Eisenzeit.
Die paläolithische Zeit, sowie die Zwischenstufe der
Kijokkenmoddings“ ist auf der Insel bisher nicht nach-‚ewiesen

 worden; dagegen ergaben sich zahlreiche Ueberreste
ler neolithischen Epoche sowohl in Begräbnissplätzen
ıls auch in Einzelfunden. Hieher gehören dolmenartige
Leichenkammern bis zu 56mL,., 16m Br. und 14 m H.
nit den unverbrannten (seltener verbrannten) Resten von
ner oder mehreren Personen, mit Steinwerkzeugen, Waffen
ınd eigenthümlich gestalteten Schmuckgehänge-Gliedern aus
Schiefer und Bernstein. Ferner einige in Flachgräbern aufzedeckte
 Steinkisten (deren Gebrauch in flacher Erde wie
n Tumulis übrigens durch die Bronzeperiode bis in die
Zisenzeit hineinreicht) von 1'8 m L., 3:6 m Br., 0:60—0°90 m H.
nit fein zugeschlagenen Feuersteinklingen und Hammerbeilen
ıus Diorit oder Porphyr. Die Einzelfunde unterscheiden sich
ıicht von den skandinavischen Formen derselben Periode,
die rädmliche Erstreckung der Funde zeigt, dass Bornholm
m Steinzeitalter an, der S,- und W.-Küste bewohnt, aber in
jeiner ganzen Ausdehnung von Jägern durchstreift war.
Die Hügelgräber des Bronzezeitalters zerfallen in
? Classen: hohe Tumuli (konisch oder halbkugelig, bis
53m H. bei 30—37 m Dm.) und niedere, flache (sog. roser).
)ie ersteren, 639 an der Zahl, erstrecken sich, oft in Gruppen
on 2—12, über alle Theile der Insel, zumeist jedoch über
ıle flachen und fruchtbaren. Sie sind aus Erde, seltener ganz
der theilweise aus Steinen aufgeführt und enthalten sargörmige
 Steinkisten mit unverbrannten, oder kleine, quad-'atische
 mit verbrannten Knochen, auch wohl blosse, über
nverbrannten Leichen gelagerte Steinhaufen, überdies sehr
ft Brandurnen, die später an den Rändern der Tumuli
jeigesetzt wurden. Bei den Skeletten fanden sich Waffen,
ı1amentlich lange Bronzeschwerter, Schmucksachen aus Gold
ınd Bronze (Armbänder, Fibeln, Nadeln u. dgl.) und Bronzenesser,
 Aehnlich aber ärmer ist die Ausstattung der Brandzräber.
 Eisen fehlt ganz, dagegen finden sich noch hin und
vieder Steinwerkzeuge. Die Flachhügelgräber aus niederen
Steinhaufen bestehend („roser“) gehören auf Bornholm vorviegend
 der Bronze- und ersten Eisenzeit an. Sie sind klein,
zreisrund (selten oval) und liegen (die grösseren) einzeln oder
N verschieden zahlreichen Gruppen (bis zu 50 und 100),
zumeist in den minder fruchtbaren Theilen der Insel, höchst
;jelten in der Nähe von grossen Tumulis. Sie enthalten fast
‚usschliesslich Brandreste, die blos aufgeschüttet, seltener in
JIrnen oder Steinkisten geborgen sind, höchst selten Skelette
nit oder ohne Steinsärge. Die Ausstattung mit Beigaben ist
sehr ärmlich und besteht in einzelnen kleineren Schmucksachen
 oder Werkzeugen. Die letzteren sind in den Steinxisten
 nie, in der Urnen selten, in den Aschenlagen dagegen
rorwiegend von Eisen. Schon hier findet sich sehr häufig die
zegen das ausgesprochene Eisenzeitalter hin immer mehr
‚unehmende Sitte, die Beigaben vor der Bestattung zu zer-»rechen.
 Auch Flachgräber der Bronzeperiode kommen, sowohl
inzeln als in Feldern zu 20—100, vor; sie enthalten Stein-:isten
 aus kleinen Platten oder grobgeformte, henkellose
Irnen, in letzteren neben den Bronze- manchmal kleine
üsensachen. Die verbrannten Knochen sind sehr oft in sorgältig
 gereinigtem Zustande beigesetzt. Brand- und Leichenjestattung
 sind während der Bronzeperiode ungefähr gleichjeitig
 geübt worden, nur ist die letztere viel seltener und
ast ausschliesslich auf die grossen Tumuli beschränkt. Auch
lie räumliche Trennung der beiden Denkmälerclassen führt
larauf, dass sie verschiedenen Sippschaften und Gemeinwesen
            
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