A
Brotherr, reicher oder gnädiger Herr, Schutzherr
(vgl. lord). Häufig wird Savitar so genannt; indessen
kann in einigen der anzuführenden Stellen
zweifelhaft sein, ob nicht Bhaga als Hauptbegriff
zu fassen sel. An diese Bedeutung Herr ist das
zendische bagha, altpers. baga und slav. bogü
anzuschliessen. Daher auch b) N. eines der Äditya.
Von ihm erwartet man Glück und Wohlstand.
Bhaga stiftet Liebe und Ehebündniss (vgl. h) A. V.
2, 36, 4. 14, 1, 51. Fig. 6, 74, 1. 82, 3. Die
Morgenröthe ist seine Schwester; seine Zeit ist der
Nachmittag vor dem Austritt der Sonne aus dem
Horizont; sein Nakshatra sind die späteren
(uttara) Phalguni, die sich zu Eheschliessungen
besonders eignen, T. Br. 1, 1, 2, 4. Cänkh. Grbhj.
1, 26. Auch das Nakshatra selbst wird kurzweg
durch bhaga bezeichnet. Nach der Legende ist
Bhaga geblendet. c) N. der Sonne. d) N. des
Mondes Anekärtha dhvani mangari im C. K, Dr.
e) N, eines Rudra ebend. M. Bh. 1, 2567. 4826.
f) gutes Loos, Wohlstand, Glück. g) treffliche Begabung,
Herrlichkeit, Würde; Lieblichkeit, Schönheit.
A) Liebesglück, Liebeslust, Liebe, Zuneigung.“
Welche von diesen Bedeutungen Bhaga’s im südslavischen
bog nachklingen, werde ich bald nachher
durch Belege darthun.
Der zweite bei den Nord- und Westslaven und
bei den Bulgaren verbreitetste, bei den Serben, Horvaten
und Slovenen dagegen nur in gewissen Verbindungen
vorkommende Ausdruck für Glück ist
censti (altslav.), welches dem altgriechischen meros
(Theil, Antheil) entspricht. Das Glück wird als Antheil
des Individuums an den irdischen Gütern des
Lebens aufgefasst. Die mythische Personification
fehlt hier ganz. Im Altslavischen dobraja Cesti
für „gutes Glück“, etwa wie wir sagen: „ein glückliches
Los“. Russisch sEastje, sCasce Glück;
uEasti Schicksal; Cechisch: u&ast Schicksal,
St&sti Glück; Polnisch: szczescie Glück ®%),
szczesliwose Glückseligkeit *), uszezesliwi6
beglücken °), szeczesliwy, -a glücklich ®8); nie-65)
Bei O0. Konsere im Lud II. 1865. S. 177, Nr. 209,
V. 12: sz. bilo snem!
6) Ebd. Nr. 216, S. 183, V. 23: a wielbiac twoja szczesliwose.
Vgl. VI. 1873, S. 427, Nr. 685. Strophe 7.
67) Ebd. II. 1865. S. 175, Nr. 205. Str. 5: u mnie
koniecznie.
68) Vgl. Ebd. I. 1857 (Warschau) S. 252, Nr. 26, V.1,8;
S. 253, Nr. 26. V. 1: bywaj zdrowa i szczesliwa o dziew-CZYNO
MO]Ja.
;zcz6$cie Unglück °%), nieszezesliwy unglückich
’°). Daneben sind in die polnische Sprache noch
ängedrungen: fortuna”') und los”®), letzteres in
der Bedeutung von Schicksal,
Im Bulgarischen sagt man Cesti und &Cjasti
sowohl für „Antheil“ als für „Glücksgut“ und „Glück“;
ZestitX heisst ‚glücklich‘ im Sinne von ‚wohlhabend‘
und ‚tüchtig‘ oder „ehrenfest“; Zestitja ich bezlückwünsche;
zlocestija Unglück. Aehnlich auch
im Serbischen, wenngleich sehr selten Cast für ‚Glück‘,
Wohlstand‘; &estzla ist bezeugt im Sinne von
zlasreea (böses Glück); GCest übersetzt Miklosich’)
mit lat. prosperitas und zloGes’‘) mit unglücklich;
genauer wäre ‚unglückselig‘; Cestitam
= bulg. Eestitja. Vrgl. Lithauisch: Geste
Glück; neCcestis Unglück.
Als dritter Ausdruck schliesst sich an bog und
Zest dola ‚der Antheil‘, ‚Theil‘, bei den Weissrussen
‘dolja) auch im Sinne von ‚Los‘, ‚Schicksal‘, bei den
Polen’®) gewöhnlich als ‚Schicksal‘, bei den Kleinrussen
‘dol’a) häufig als Glück personificirt. Polnisch niedola
ist ‚Unglück‘, ‚Missgeschick‘ ’°). Ebenso bei den
Kleinrussen. Im Volksliede flucht eine Mutter ihrem
ungehorsamen Sohn, der will auf den Kriegspfad:
Bodaj Ze tja, synu,
bodaj tja synu, tri nedoli spötkalo!
oadna nedolja, Stobü tja Kozaki ne zljubili,
ta } do svogo Kurena $to bi ne prijmili;
druga nedolja, by tja jasni meei porubali;
tretja nedolja, Stobü tja kuli postrjeljali 77).
Gäb es Gott, o Sohn, (bis) dass dir drei Unglücke zustossen
begegnen)! Ein Unglück, dass dich die Kosaken nicht liebzewinnen
und dich in ihr Dorf nicht aufnehmen; (als) zweites
Unglück, es mögen dich hellblinkende Schwerter zusammenaauen;
(als) drittes Unglück, dass dich Kugeln tödten.)
69) Ebd. I. 1857. S. 254, Nr. 28a, Str. 10: wydaj mnie
za niego — jeZeli nie pragniesz — nieszczescia mojego. Vgl.
IV, S. 51, Nr. 215.
70) Ebd. S. 44, Nr. 5; S. 143, Nr. 10a, V. 7; S. 260,
Nr. 31d, Str. 3: com ja za nocliwy — com za nieszezesliwy.
71) Ebd. S. 56, Nr. 5ii: matuli fortuna — w k6morze
nietknieta. Bd. VII, S. 284, Nr. 505, V. 27: fortuna utracona,
72) Los uscesliwiony ebd. VI. 1873, S. 135, Nr. 269,
V. 32; vrgl. ebd. S. 309, Nr. 543, Str. 6; S. 313, Nr. 551,
V. 6; Nieszezescie losem mym wiada; Lud II, 1865, S. 178,
Nr. 210, V. 1.
78) Im Lex. palaeosl. S. 1131 b.
74) Im Etymolog. Wörterb. S. 32a, mehreres.
75) Vrgl. bei 0. Konsere im Lud I. 1857, S, 96, Nr. 7m,
V. 34f.: nieszczesliwa ta dola — Ze pan wjechal do dwora.
76) Ebd. II. 1865, S. 182, Nr. 215, V. 22: by mieli cierpie
niedole. I. S. 279, Nr. 37a: plakala w cichosei nadswa niedola.
77) In den Narodnyja pjesni Galickoj i Ugorskoj Rusi, sobraıyja.
JaA.T. HonsovAcrımü. Moskwa 1878. Nr. 6, S. 10, V.14—19.