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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 6=16.1886

IS

tagie Selim ab, Zlatija, die Tochter des Burgherrn
 von Gabela an der Neretva, zu freien:
srecu ima pot kamenom guja
a ima je i vuk u gorici
i titica na tankoj grandici
ı Zlatija srece ne imade.
Glück hat selbst die Viper unterm Steine,
Glück hat auch der Wolf im Alpenforste,
auch das Vöglein auf dem zarten Zweiglein;
nur Zlatija ist vom Glück verlassen.
Vjedogonja.
Nach einer in Dalmatien, der Crnagora und vielleicht
 auch in Serbien, auf jeden Fall wenig verbreiteten
 Anschauung haust der Schutzgeist im Körper
des Menschen. Dieser Schutzgeist heisst vjedogonja
oder jedogonja, wofür ich in Slavonien vjetrogonja
 gehört habe, Das Wort bedeutet soviel als
„‚Windauftreiber“, „Windaufwirbler“?*). Wann
der Wind in den Strassen und Höfen Staub, Federn
und Stroh im Kreise aufwirbelt, so sagt der slavonische
 Bauer; „ganjaju se vjetrogonje“ (die
Windaufwirbler jagen einander dahin). In einen Wirbel
darf man nicht hineintreten, die vjetrogonje könnten
Einen lahm oder blind machen. Stäke man ein
Messer in den Wirbel, man :zöge es blutig heraus.
So glaubt der Slavonier. Porov?’), ein Russe, der
in den Vierziger Jahren die Crnagora bereiste, erzählt,
 wahrscheinlich die Angaben des Serben Worr
KaranZıe ?°) paraphrasirend, Folgendes: „Ueber die
vjedogonjen?') habe ich in zwei verschiedenen Fassungen
 erzählen hören. Nach der einen sind die
vjedogonjen Geister (Seelen) von Menschen und
Thieren. Jeder Mensch hat seinen vjedogonja, besonders
 aber jene Menschen, die‘ in einem (Glücks-)
Hemdchen (vü rubaSkachü) zur Welt gekommen.
Wann der Mensch oder das Thier schläft, so entsteigt
 demselben der vjedogonja, bewacht dessen
Habe und Gut vor Dieben, ihn selber aber vor An-2%)

 Nanxo Nopmo leitet dagegen das Wort von edu, jadu
(Gift) ab. Darnach wäre jadogonja die ursprüngliche Form
und hiesse etwa der Giftgeschwollene, der giftige böse Geist,
soviel wie bijes. — Religija Srba i Hrvatä na glavnoj
osnovi pjesamä, pricä i govora narodnog, napisao N. Nonıo.
0 Zagrebu 1885. S. 58, Anm. 1.
25) In: Putegestvie vü Cernogoriju. Stptb. 1847. S. 220
zit. bei PoresnNJA a. a, 0. S. 176.
26) Srpski rjecnik, II. Auflage, Wien 1852, S. 251 (jedogonja)
 S. 65 (vjedogonja). Die erste Auflage, aus welcher
Porov geschöpft, und der KoveZ&ie KaranZıe’s sind mir jetzt
nicht zur Hand, dass ich genau bestimmen könnte, welches
Buch Porov vorgelegen.
37) Der Russe schreibt vjedosonirz

griffen anderer vjedogonjen und vor jeglicher Zauberei.
 Oftmals bekämpfen die vjedogonjen einander;
und wird einer von ihnen erschlagen,. so stirbt der
betreffende Mensch oder das betreffende Thier im
Schlafe. Stirbt ein Soldat vor der Schlacht, so sagt
man, sein vjedogonja habe mit Teufeln gekämpft
und sei im Kampfe erschlagen worden. Die Küsten-'änder
 erzählen, die vjedogonjen kämen vom italienischen
 Gestade herangeflogen, um mit den hierlän-Jischen
 Kämpfe aufzuführen ?%).
Nach einer anderen Fassung sind die vjedoyonjen
 nichts Anderes denn Hausgeister (domaSnie
Juchi), die das Gehöfte und die Habe eines Jeden
ror Diebsangriffen und vor anderen vjedogonjen beschützen.
 Wann der Wind durch’s Laub rauscht
ınd die Wipfel der Bäume bewegt, sagt man, die
zjedogonjen kämpfen miteinander,
Die erste Fassung hat mit der zweiten nichts
zu thun, in jeder aber sind mit der ursprünglichen
Vorstellung vom personificirten Wirbelwind abseits
jegende Elemente, die vom Schutz- und Hausgeist
zerquickt worden. Bezeichnend und auffällig ist es
edenfalls, dass in Slavonien das Volk den vjetrozonja
 durchaus nicht mit dem Schutzgeiste in Ver-»ındung
 bringt, während der von Porov mitgetheilte
älaube zufolge der Angaben WoiLr KaranZıies nur
n der Bocca di Cattaro vorzukommen scheint.
Der Umstand, dass in der reichen Volksliteratur der
Jüdslaven, meines Wissens, sonst gar nicht des
‚jedogonja gedacht wird, muss gleichfalls betont
werden. Die Verquickung verschiedener Vorstellungen
m vjedogonja-Glauben des Bocchesen möchte ich
lem durch die Meeresnähe erhöhten Einfluss des
italienischen Volksthums jüngerer Zeit auf die slavischen
 Bewohner des Landes zuschreiben.
Schlangen.
Als ursprünglich fremdartig der slavischen Vorstellung
 erachte ich auch den Glauben, nach welchem
ler. Schutzgeist als Schlange auf dem Herzen des
Menschen ruht. Die Schlange fährt dem Schlafenden
aus dem Munde, macht Ausflüge und kehrt wieder
'n den Menschenleib zurück, Inzwischen liegt der
Mensch leblos da. Paulus Diaconus. erzählt eine
solche Sage vom König Gunthram. In der deutschen
Sage fährt dem Schlafenden eine Katze oder eine
28) Bei KaAranZıe a. a, O0, S. 251: ovaki duhovi po planini
izvaljuju drveta te se njima biju izmegju sebe, n. p. Bokeski
3 Neapolitanskima, pa koji nadvladaju, oni rod od ljetine
riyuku na svo]u zemlju.
            
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