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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 6=16.1886

Die Reihengräber von Igels,
Fundbericht von F. Wieser, craniologische Untersuchungen von H. Merlin,
(Mit 1 Tafel.)

1. Die Reihengräber von Igels.
Im Sommer 1877 hatte ich Gelegenheit, bei der
Aufdeckung einiger Flachgräber in der Nähe von
[gels, auf der Mittelgebirgs-Terrasse südlich von
[nnsbruck, zu interveniren. Dabei gelangten 5 Schädel
in meinen Besitz, welche ich später an die von Prof.
Horn. gegründete craniologische Sammlung des hiesigen
 anatomischen Instituts abtrat. Diese Schädel
wurden nun vor Kurzem durch Herrn Dr. H. Merıuin
ainer eingehenden Untersuchung unterzogen. Die
Publication der interessanten Resultate dieser Studien
gibt mir Veranlassung, einige Fundnotizen, die ich
über die Reihengräber von Igels gesammelt hatte,
zu veröffentlichen.
Die Fundstelle ist ein Abhang unmittelbar oberhalb
 des Dorfes Igels. Bereits im Herbst 1876 wurden
beim Grundgraben für die Kapferer’sche Villa zahlreiche
 Skelette gefunden, alle an der Vorderseite des
Abhanges, während auf der Bergseite keine Gräber
zum Vorschein kamen, obwohl dort für den Hausbau,
sowie für eine geräumige Kalkgrube viel Grund ausgehoben
 wurde. Von Beigaben konnte ich nur ein
paar kleine eiserne Messer, eine Armspange und
ainen kleinen Ring aus Bronze constatiren. Da die
an der Grabung betheiligten Personen glaubten, es
handle sich um einen alten Pest-Friedhof, so verscharrten
 sie die Knochen auf dem Dorf-Kirchhofe.
Auch die Beigaben wurden als werthlos verstreut.
Im Frühling 1877 kamen dann bei der Anlage
einer Wasserleitung und eines Bassins, ebenfalls auf
der Vorderseite des Hauses, weitere Skelette zum
Vorschein, von denen mehrere Beigaben hatten. Kin
Grab wurde am unteren Rande des Abhanges beim
Anpflanzen eines Heckenzaunes aufgedeckt. '
Die Grundeigenthümerin, Frau M. KAPFERER,
welche sich für diese Gräberfunde lebhaft interessirte,
 liess nun speciell zum Zwecke, dieselben weiter
zu verfolgen, eigene Grabungen vornehmen. Inzwischen
war ich von der Sache verständigt worden und konnte
Mittheilungen der Anthrop, Gesellsch. in Wien, Bd, XVI. 1886,

an der Oeffnung und Ausbeutung von vier Gräbern
theilnehmen. Leider machte die Grenze des Grundstückes,
 sowie andere äussere Gründe der weiteren
Verfolgung des Grabfeldes schon bald ein Ende.
Ich gebe nun zunächst einige Bemerkungen über
lie Lagerungsverhältnisse.
Alle Leichen, sowohl diejenigen, welche ich selbst
n situ gesehen, als auch, wie mir versichert wurde,
lie übrigen, lagen horizontal ausgestreckt im Sande,
lie Arme längs des Körpers gelegt oder über dem-;jelben
 gekreuzt. Die Mehrzahl derselben ‚scheint mit
lem Gesichte nach Osten orientirt gewesen zu sein,
loch kamen auch andere Lagen vor. Kinige lagen
nit dem Gesichte nach abwärts. Bei einem der von
nir ausgehobenen Skelette fehlte der Schädel, Es ist
nicht unmöglich, dass derselbe hei einer der voransegangenen
 Grabungen seitlich angefahren und zer-;tört
 worden ist; doch bleibt eine Beisetzung der
‚eiche ohne Kopf keineswegs ausgeschlossen, da
‚solche Fälle anderwärts in Reihengräbern vielfach
ı1achgewiesen sind !). Die Skelette waren durchaus
-on einer dunklen Moderschichte umgeben, doch vernochte
 ich Reste von Holzsärgen oder Leichenırettern
 nirgends mit Bestimmtheit nachzuweisen.
)ie Gräber lagen in verschiedener Höhe am Abıange
 in mehreren über einander sich hinziehenden
Zeihen. Die Tiefe der Gräber unter dem gegenwärigen
 Niveau war sehr ungleich, sie schwankte zwischen
„Fuss und etwa einer Klafter; die Oberfläche des
n seinem oberen Theile waldbedeckten Abhanges
var nämlich ziemlich unregelmässig gestaltet.
Die in den Gräbern gefundenen Beigaben
varen nicht sehr zahlreich, aber verhältnissmässig
nannigfaltig.
Am reichsten vertreten sind eiserne Messer (sax)
zon 12—18 cm Länge und 1‘°5—2 cm Breite (Taf. I,

1) Vergl. u. A. J. Wörtmnerr: „Die Platten- und Reihen-‚räber
 in Baiern“, Beiträge zur Anthropologie und Urgeschichte
3aierns, Bd. I, pag. 144.
            
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