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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 5=15.1885

Andererseits trifft man Schädel mit hyperbrachycephalem
 Index und in der Form den kurzen Brachyzsephalen
 gleichend, vielfach an.
Das Hauptcharakteristieum des hyperbrachycephalen
 Typus bildet stets die (oft) enorme Verkürzung
des retroauriculären Antheils der Schädel, so dass
man diesen Typus als Brachycephalıa posterior
hinstellen könnte. Es wäre überhaupt wichtig, an
allen Schädeln das Verhältniss der praeauriculären
zur retroauriculären Länge zu bestimmen, da gerade
daselbst die Schädel Hauptdifferenzen, welche sofort
in die Augen fallen, aufweisen.
Die Mittel der wichtigsten Maasse der hyperbrachycephalen
 Typen mit einem solchen Index sind:
Zum Vergleiche:
Rabl- His und
Zrste Rückhard Rütimeyer
Reise und Ranke Disentis-(Tirol)
 typus
Länge . .... . 172 174 173 1706
Breite . . . . 150 153 150 1476
Höhe . . . . 129 133 132 139:6
Horizontalumfang 515 525 520 5127
L.:B. 20.00 87:3 87:9 87:4 86:5
L.: Ho 74:8 762 747 81:8
B. HH. 85:5 86:3 85:6 94:6
Diese 4 angeführten Typen sind es, welche im.
Ranxgg’schen Schema‘) als schmalgesichtige Langköpfe
 (Homsere-Typus H. und R., Reihengräber-Typus
 E., Franken V., Germanen H., leptoprosope Dolichocephale
 K.), schmalgesichtige Mittelköpfe
(sarmatisch-germanische Mischform H.), und schmalgesichtige
 Kurzköpfe (Disentistypus H. und R.,
moderne Schädelformen in Südbaden E., süddeutsche
Brachycephalie V., Sarmaten H., leptoprosope Brachycephale
 K.) erscheinen, wobei bemerkt werden
muss, dass in den schmalgesichtigen Kurzköpfen
unsere brachycephale und hyperbrachycephale Form
aufgenommen. erscheint.
Mit dieser Angabe entfällt eine weitere Auseinandersetzung
 über das Vorkommen und die Verbreitung
 der Tiroler Typen ausserhalb Tirol und die
Erläuterung des Zusammenhanges der in Tirol vorzommenden
 Schädelformen mit aussertirolischen.
Von den leptoprosopen Brachycephalen KonLmaAnn’s
sollte man jedenfalls jene Formen, die als hyperbrachycephaler
 Typus angeführt wurden, lostrennen
und sie als eigenen Typus, als leptoprosopeHyper-1)
 Zur Methodik der Craniometrie und über bayrische
Schädeltypen. Sep.-Abdr. aus dem Correspondenzblatt der
deutschen anthropologischen Gesellschaft 1883, Nr. 10.

ırachycephali oder als eptoprosope Brachyzephalia
 posterior hinstellen, da sie Ja in der Bildung
les Hirnschädels so markante Eigenthümlichkeiten
zeigen. Will man dies nicht thun, so ist jedenfalls
zu bemerken und im Auge .zu behalten, dass die
eptoprosopen Brachycephalen zwei differente Typen
jergen, den als brachycephal und hyperbrachycephal
jezeichneten, welche beide in der Form des Hirnschädels
 grosse Unterschiede zeigen.
Es ist höchst wahrscheinlich, dass die leptoprosope
 Hyperbrachycephalie oder Brachycephalia posteior
 in Tirol von den Ladinern herstammt, wenigstens
and ich diesen Typus in einem Hauptsitze von ihnen,
n Pufels in Gröden relativ reichlich vor, und andere
zesammelte Erfahrungen, so z. B. das relativ häufige
Vorkommen dieses Typus in deutschen Orten Tirols,
lie ausser Zweifel früher ladinische waren, drängen
nich zu dieser Aussage hin.
An dieser Stelle möge nochmals erwähnt werden,
lass es für die Erforschung der craniologischen und
ınthropologischen Verhältnisse Tirols von grossem
ielange wäre, wenn Dr. Tarrprıner, welcher für die
\inthropologie Tirols bereits so viel Verdienstliches
s‚eleistet hat, sich herbeiliesse, den gefundenen, so
vichtigen prähistorischen Grödnerschädel *), welcher
ne Hauptzierde der exequisiten TArremer’schen
Schädelsammlung bildet, abbilden zu lassen; der
Schädel verdient mehr als die knappe Beschreibung,
lie ihm Tarperyer bisher zu Theil werden liess.
eichzeitig möchte ich mir erlauben, auf zwei Irr-'hümer
 aufmerksam zu machen, die TAPPEINER bei
3Zeschreibung zweier Schädel (l. c. Seite 35 und 43)
ınterlaufen sind. Der eine Schädel hat eine voll-‚tändige,
 der andere eine theilweise Synostose der
Aranznaht (bei erhaltener Stirnnaht); diese Cranien
erden als normale Ultra-Hyperbrachycephali hinzestellt,
 während sie doch als pathologische Formen,
als Acrocephali (bedingt durch prämature Synostose
ler Kranznaht) aufzufassen sind °).
Ich will nun die Verbreitung und die Häufigkeit
les Vorkommens der erwähnten Typen in den diesmal
 untersuchten Localitäten erörtern,
Es wurden folgende Ossuarien untersucht: 1. Strass
’am Eingange in’s Zillerthal), 2. Schlitters, 3. Fügen,
4. Uderns, 5. Ried, 6. Aschau, 7. Zell am Ziller,
8. Hippach, 9. Mayrhofen (alle im Zillerthale),

1) Studien zur Anthropologie Tirols und der Sette communi.
 Innsbruck 1883.
?) Der eine Schädel ist ein schöner acrocephaler Stirnnahtschädel.

            
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