115]
im westlichen Mähren einerseits und im nördlichen
Mähren sammt dem anstossenden Theile von Schlesien
andererseits zu lenken, da diese Gebiete gleichzeitig
ausgedehnte und mächtige Serpentinlager enthalten,
bei denen alle Bedingungen erfüllt sind, um auch das
Rohvorkommen des Nephrits daselbst wahrscheinlich zu
machen. Von der ersten Gruppe hebe ich namentlich
das Flussgebiet der Iglava hervor. Hier tritt der
Serpentin mehrfach mit Granulit in Berührung, und
ich weiss mich aus der Zeit meiner geologischen Studien
an der technischen Hochschule in Brünn, vor 15 Jahren,
bestimmt zu erinnern, dass mir damals aus dieser
Gegend Gesteinproben in die Hände kamen, die. viele
Aehnlichkeit mit dem mir erst später bekannt gewordenen
Nephrit besassen. Ausserdem erlaube mir die
feststehende Thatsache anzuführen, dass ich während
meiner Wirksamkeit an der Landes-Oberrealschule in
Znaim aus demselben Gebiete nephritähnliche Steinwerkzeuge
und ferner solche aus Serpentin kennen gelernt
habe, welche kleinere Einlagerungen von einer hellgrünen,
durchscheinenden Substanz enthielten, deren
Eigenschaften meines jetzigen Dafürhaltens gleichfalls
sehr gut auf Nephrit passen würden. Ich selbst werde
diese Angelegenheit nicht ausser Acht lassen, sondern
weiter verfolgen in der festen Zuversicht, dass es
einmal gelingen wird, auch in Mähren wichtige Beiträge
zur Lösung der Nephritfrage zu liefern, beziehungsweise
anstehenden Nephrit zu constatiren.
Nachschrift. Nach Beendigung des Manuscriptes
kam mir das „Correspondenzblatt der Deutschen anthropologischen
Gesellschaft“ Nr. 10 zu, aus welchem ich
S. 136) erfahre, dass Herr Dr. WAnrgeL das Jadeitbeil
von Freiberg bei der diesjährigen allgemeinen Jahresversammlung
dieser Gesellschaft in Karlsruhe zur
Sprache brachte und sogar neue, mit meinem Berichte
im Widerspruch stehende Daten anführte.
Ich erlaube mir deshalb die Authenticität. meines
Fundberichtes, welchen ich natürlich seinem vollen
Umfange nach aufrecht erhalte, nochmals zu betonen,
and sehe mich insbesondere veranlasst, die Angabe
des Herrn Dr. Wange (der offenbar falsch berichtet
wurde), Knaben hätten das Beilchen mit Knochen und
Scherben am Rande eines in der Nähe von Freiberg
gelegenen Feldes gefunden, als jeder Begründung entbehrend
zu bezeichnen,
Derselben Quelle entnehme ich noch, dass auch
Herr Hofrath Dr. FıscHER in Freiburg i. B. das Beilchen
untersuchte und dessen Substanz für zweifellosen Jadeit
mit dem specifischen Gewichte 3335 erklärte.
Neutitschein, im November 1885.
2. Herr Dr. Richard Andree in Leipzig übersendet
eine Mittheilung
Ueber die Fortschritte der ethnographischen
Metallkunde.
Den Ausdruck „ethnographische Metallkunde“ wähle
ich der Kürze halber; ich will damit die‘ Kenntniss
und Verwendung der Metalle bei aussereuropäischen,
namentlich bei den sogenannten Naturvölkern bezeichnen.
dehr und mehr wendet sich die Aufmerksamkeit dieser
Jisciplin der Ethnographie zu und werthvolle Rück-.chlüsse
auf das Metallgebahren prähistorischer Völker
assen sich daraus ableiten. Was darüber bis zum
rahre 1883 bekannt war, habe ich versucht in meiner
Schrift: „Die Metalle bei den Naturvölkern, mit Beüücksichtigung
prähistorischer Verhältnisse“ (Leipzig
884) zusammenzustellen, Seitdem haben die Forschungen
manches Neue ergeben, so dass es sich schon
zerlohnt, einen Ueberblick des seit jenem Jahre abermals
Zekanntgewordenen zu geben, wobei ich. in geogra-»hischer
Ordnung referiren will,
Trotzdem die Chinesen eine sehr ausgebreitete
Zisenindustrie besassen und seit langer Zeit Roh-;isen
wie Schmiedeeisen darstellten, waren die dabei
ıngewandten Methoden sehr wenig bekannt. Durch
r, RICcHTHOFEN lernten wir die Bereitungsweise in der
‚teinkohlenreichen Provinz Schansi kennen, welche
ährlich 160.000 Tonnen Eisen liefert. Das Aus-:chmelzen
erfolgt dort mit Anthracit in Schmelztiegeln
ıus feuerfestem Thon. Ueber ein anderes, mehr dem
zuropäischen ähnliches Verfahren der Kisenerzeugung
verden wir durch Professor A, LE=DEBUR zu Freiberg i. S.
ınterrichtet. (GLAsER’s Annalen für Gewerbe und Bauvesen
Nr. 190, 15. Mai 1885.) In einem um das
rFahr 1630 unserer Zeitrechnung geschriebenen und
veich mit Abbildungen versehenen chinesischen Werk
werden alle wichtigen Gewerbszweige erläutert, und
zus diesem Buche, welches bei der Abgeschlossenheit
ınd dem conservativen Wesen der Chinesen heute, nach
250 Jahren, noch Geltung hat, gibt LEDEBUR Uebersetzungen,
die sich auf die Eisenindustrie beziehen,
Der Titel des Buches lautet; Süng sien seng tschü:
ao küng khai wuö. Das heisst: Sung’s des Verehrten
Schrift: Kunstvoller Arbeiten erklärte Behandlung. Es
ımfasst fast alle Zweige gewerblichen Lebens; hier
nteressirt aber nur die Metallgewinnung, welche auf
len Abbildungen durch Ueberschriften erläutert ist.
So liest man auf einer Illustration: Der Ofen für die
Jarstellung von Roheisen und Schmiedeeisen. Also mit
ıinem Ofen haben wir es hier zu thun und nicht blos
nit den durch v. RıcHTHOFEN beschriebenen Schmelzjegeln.
Rechts sieht man den Schmelzofen zur Dartellung
des Roheisens, einen Schachtofen, in welchem
lie Erze mit Kohlen vor den Formen niedergeschmolzen.
verden, Den Wind empfängt der Ofen von einem vor
lemselben stehenden Kastengebläse von genau der nämichen
Einrichtung, wie sie noch heute in China und
apan vielfach angetroffen wird. Aus dem Hochofen
liesst das erzeugte Metall, wie die Abbildung deutlich
;rkennen lässt, nach einem „Sumpfe“, um von hier
us theilweise zu Platten vergossen zu werden, welche
zum Umschmelzen bestimmt sind; ein anderer Theil
wird sofort nach einem links. befindlichen Behälter
zeleitet, in welchem nun unmittelbar die Umwandlung
n schmiedbares Eisen bewirkt wird. Der chinesische
’ext besagt: „Es gibt zwei Arten von Eisen, nämlich
;ohes und geschmiedetes. Das Eisen, welches aus dem
fen fliesst, ist das Roheisen; wird es. gebrannt, so
ntsteht daraus Schmiedeeisen. Werden Roh- und
ichmiedeeisen zusammengeschmolzen und geschmiedet,