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und bis zur römischen Herrschaft hinauf zu reichen
scheinen, so z. B. Golasecca, Rovio u. a. m. Andererseits
sind aus den von Etruskern bewohnten Städten theils
zriechische, theils etruskische Vasen und Bronzen in
Fülle vorhanden. Der wichtigste Fundplatz dürfte
ausser den berühmten Gräbern in der Certosa bei
Bologna die jüngste Ausgrabung bei Este sein, und
zwar besonders wegen der relativen Zeitbestimnung
classischer Cultureinflüsse.
Dort sind vier von einander getrennte und übersnander
gelagerte Culturschichten blossgelegt worden,
leren unterste, also älteste Fundschicht mit der allyemeinen
Stylistik nördlicher Bronzen und Thongefässe
fast völlige Uebereinstimmung zeigt. Die Gefässe
sind zumeist einfach braun gebrannt, die Bronzen
ähneln dem Hallstätter Typus in seiner allgemeinen
Bedeutung.
In der zweiten Periode treten geschwärzte, glänzende
Urnen mit schönen Formen und mäanderartigen
Ornamenten auf, welche entweder eingetieft oder durch
Bronzenägel gekennzeichnet werden. Auch unter den
Bronzen finden sich bereits Anklänge classischer Stylistik.
So endet ein Armband an beiden Enden in gut
zearbeiteten Schlangenköpfen. Die Fibeln zeigen reinere
Formen, als in der ersten Periode.
. Ich hebe hier hervor, dass in Watsch, wie in
Maria Rast diese eigenthümliche Verzierungsweise der
Urnen mit Bronzenägeln ebenfalls beobachtet wurde.
Grössere Aehnlichkeit noch zeigen die Funde der
dritten Periode, wo Urnen mit rother und schwarzer
Färbung und Bronzegefässe (Situlen) mit getriebener
figuraler Ornamentik zu Tage gefördert wurden, welche
mit den Urnen und der bekannten Situla aus Watsch
die allergrösste Aehnlichkeit haben. In getriebener
Arbeit, wie bei der Situla, oder mit dem Grabstichel
eingeritzt, wie bei dem Gürtelblech aus Watsch sind
die Bronzegefässe in Este mit figuralen Darstellungen
festlicher Aufzüge in übereinander geordneten, rund
ımlaufenden Bändern bedeckt.
Aehnliche Arbeiten kennen wir aus Matrei, Sesto
Calende u. s. w. Mannigfache Schriftzeichen, den
etruskischen Buchstaben ähnlich und doch wieder verschieden,
sind in Thon und Bronzeblech eingeritzt, und
scheinen nicht nur von den Etruskern, sondern auch
von den hier sesshaften Euganäern und vielleicht
auch von andern keltischen Völkern benutzt worden
zu sein, ähnlich wie die Runen im ganzen germanischen
Norden und bei den keltischen Iren verbreitet waren.
In dieser dritten Periode kommen schon romanisirende
Fibeln nicht selten vor.
Die vierte Periode endlich ist zumeist römisch.
Die römische Fibel herrscht vor. Und was sehr
wichtig ist, es zeigen sich auf ein und demselben
Gefässe römische und euganäische Schriftzüge nebenginander
eingeritzt.
Wir ersehen aus der Betrachtung dieser Funde,
dass auf Grundlage der alt-europäischen typisch gleichen
und uralten Stylistik sich in Italien in verhältnissmässig
früher Zeit ein classischer Einfluss in Formgebung
und Ornamentik kundegeibt. den wir in so ausyeprägter
Weise bei uns nicht mehr finden, und dass
lieser Einfluss in einer späteren Zeit eigenthümliche
Nachbildungen hervorgerufen hat.
Diese späteren figuralen Darstellungen erscheinen
;sonach wie die letzten Ausläufer oder die Nachklänge
;iner fremden Cultur mit allen barocken Uebertreibungen
ınd unverstandenen traditionell vererbten Symboliken.
n Turin sah ich nun wieder sehr reiche Ausgrabungen
ıistorisch bekannter etruskischer Städte, wo neben
zriechischen Gefässen und griechischen Metallarbeiten
ıchwarze und bemalte etruskische Vasen von nahezu
»arocker Form in übertrieben reicher Ornamentik und
nangelhafter Ausführung zu sehen waren,
Diese etruskische Keramik zeigt alle Fehler eines
»runksüchtigen, talentvollen, aber stylistisch nicht
ntwickelten Volkes. Dasselbe zeigt sich in den etrus-:zischen
Bronzen, deren Technik allerdings weit höher
ıteht, und theilweise auch in den oft vollendet schön
‚earbeiteten etruskischen Goldarbeiten. Wenn auch eine
‚ehr entwickelte etruskische Kunstindustrie, zeugend
ron dem grossen Reichthum jener Handelsemporien,
ıicht geleugnet werden kann, so scheint die Kunstichtung
doch durch Griechenland direct hervorgerufen
ınd beeinflusst worden zu sein. Es scheint ferner,
{ass diese griechisch-etruskische Stylistik sich nur in
zewissen Städten vollkommen entwickelt hat und nicht
*emeingut der Gesammtbevölkerung geworden ist. Dass
liese Industrieerzeugnisse auf Handelswegen nach dem
Norden gewandert sind, unterliegt meiner Ansicht
ı1ach keinem Zweifel, und ist es nur zu natürlich,
lass durch eben diesen Verkehr allmälig die Bronzendustrie
der nördlichen Völker ebenfalls beeinflusst
wurde, bis mit der Unterjochung der Etrusker durch
lie Römer der Einfluss der letzteren allgemein geltend
yurde,
So liegen denn in den italienischen Museen die comlieirtesten
Verhältnisse vor unsern Augen.
Wenn wir von der Zeit der Pfahlbauten und
ler Terramaren ganz absehen und nur die späteren
Perioden bis zum Beginn der römischen Kaiserzeit
überblicken, und uns klar gemacht haben, was grie-;hisch,
was etruskisch und was römisch ist, so fehlt
ıns noch immer die Bezeichnung für jene grossen
äruppen von Fundobjecten, welche mit den Funden
unserer Alpenländer nahezu identisch sind und mit
lem durch ganz Europa verbreiteten Stylcharakter
\ehnlichkeit besitzen. Welchen Völkern von Italien
zehören diese nun an? Conte GozzADını nennt solche
Tundgegenstände einfach protoetruskisch, womit eigentlich
nur eine Zeitbestimmung gegeben ist, doch auch
Jiese ist, wie wir gesehen haben, unrichtig, weil sie
sich bis zum Beginn der Römerherrschaft hinauf
verfolgen lässt. Andere schreiben sie den Umbrern,
Zuganäern, Ligurern u. s. w. zu.
Damit ist nun auch wenig gedient, denn was waren
las für Völker? Waren es keltische, mit unseren
Volksstämmen, den Norikern, Rhätiern, Boiern u. 8. W.
1ational verwandte Völker oder nicht? Oder waren sie
»twa näher mit den Etruskern verwandt und mit ihnen
prachlich geeint?