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wie dies schon wiederholt und erst jüngst wieder *)
Vırcnow gethan hat, auf keltische Beimischungen
zurückführen wollte, da doch die Kelten selbst nach
übereinstimmenden Zeugnissen ein hochblondes Volk
gewesen sind. Irrthümlich wäre es auch, aus der nicht
zu bezweifelnden Thatsache, dass bei der germanischen
Besitzergreifung des heutigen Süddeutschland, zu dem
ja auch unsere Heimat, wenn nicht nach politischen,
so doch nach geschichtlichen, geographischen und nationalen
Begriffen gehört, keltische Elemente in die
deutsche Volksgemeinde Aufnahme fanden, auf eine
mindere Berechtigung unseres deutschen Stammesbewusstseins
schliessen zu wollen, .
Am allerwenigsten dürfte sich übrigens die Wissenschaft
durch was immer für derartige Erwägungen
beeinflussen und beirren lassen, deren Aufgabe es doch
ist, unbekümmert um Tagesströämungen, sine ira et
studio nach der Wahrheit zu streben.
Und gerade umgekehrt wird die Wissenschaft die
nationale Bewegung unserer Zeit in die richtigen
Bahnen zu lenken berufen sein, indem sie scheinbare
und blos äusserliche Gegensätze ausgleicht, andere
innere hinwiederum zur Erkenntniss bringt und das
vielfach wenigstens minder begründete Gemeingefühl
der sprachlich Gleichartigen zum Gemeingefühl der
sittlich Gleichartigen erweitert und vertieft, In diesem
Sinne ist jedes echte Nationalgefühl auch vor der
Wissenschaft berechtigt und stichhältig, vor Allem aber
das deutsche: nicht als ob das Germanenthum etwas
vom Volksthum der anderen europäischen Völker wesenszerschiedenes
wäre, sondern weil es der reinste und
kräftigste Ausdruck arischer Stammesart ist, die wir
als die höchste Entwicklung, als die Blüthe des Menschen--:hums
erkennen.
11. Vortrag des Herrn Dr. Friedrich S. Krauss:
Ueber seine Reise in Bosnien und der Hercegovina.
Die Ethnographie als die Wissenschaft von der geistigen
Entwicklung und dem geistigen Wachsthum und
Reifen der Völker in Bezug auf ihre innersten Einrichtungen,
Sitten, Gebräuche, Volksglauben und was
drum und dran sich knüpft, diese Wissenschaft ist
in diesem Sinne und Umfange neu, wenn auch noch
nicht modern.
Wohl hat es seit Herodot bis auf die Gegenwart
aine Unzahl Reisender gegeben, die fremde Länder und
Völker besuchten und über dieselben berichteten. Die
sogenannten Reisebeschreibungen mögen zuweilen recht
werthvolle Angaben darbieten, doch unsere neue Wissenschaft
kann sich damit nun und nimmer begnügen.
Dank den ausgezeichneten Verkehrsmitteln der Gegenwart
sind Völker und Länder auf früher unerhörte Weise einander
näher gerückt. Für den Ethnographen gibt es
keine Wunder und keine Fremde mehr. Die Wissenschaft
der Ethnographie spürt den seelischen Erscheinungen
des Völkerlebens überall nach, trachtet ihre
1) Auf der Versammlung deutscher Anthropologen und
Urgeschichtsforscher zu Karlsruhe.
Nesenheiten auf's Genaueste festzustellen und ihnen
uf den Grund zu kommen.
Es ist gewiss schon Namhaftes auf diesem Geyiete
geleistet worden, namentlich hat der deutsche
Torscher auch hier wie sonst in den Geschäften der
veistigen Arbeit Bahnbrechendes geschaffen. Thatsächich
sind uns nun Völker auf’s Eingehendste bekannt,
ron. den nördlichen Cukcen bis zu den Patagoniern
‚uf der äussersten Südspitze Amerikas, über die man
ıoch vor fünfzig Jahren nur sagenhafte Nachrichten
yesass. Leider bewährte sich auch hier die alte Bemerkung,
dass weite Fremde mehr zur Beobachtung
ınd Betrachtung reize als die Heimat. Das ist leicht
‚egreiflich, denn das Fernliegende, Verschwommene,
las undeutlich Ausgesprochene, entzündet die Phantasie
ınd spornt mehr an als das Naheliegende, das Einheinische.
Daraus erklärt sich die bedauerliche Thatsache,
iass uns manche kleine Völkerschaften, die mit unserer
Tölkersippe in keiner Weise in Berührung stehen, fast
jekannter sind als unsere nächsten Nachbarn, unsere
ıns durch gemeinsame Abstammung, Sprache, Sitte
ınd Brauch enge verwandten Südslaven.
Sie werden sich verwundert fragen: »Wäre es denn
nöglich, dass die Südslaven nichts dazu gethan hätten,
jass man über ihr Volksthum ausreichenden Bescheid
on ihnen selbst erhielte?« Diese Frage ist ebenso be-;echtigt
als der Vorwurf, den einige südslavische
Schriftsteller gegen mich erhoben: »Aber es sind ja
auter altbekannte Dinge, über die mancher Bauer mehr
veiss als Du!«
Freilich, gewisse Erscheinungen, der Gegenwart
zum mindesten, sind Denjenigen zum Theil wohlbezannt,
die an jenen Sitten und Gebräuchen festhalten,
zerade so wie der Bauer die Pflanzen seiner Fluren,
lie Kräutlerin ihre Heilwurzeln kennt. Ist aber deshalb
ler Bauer, der die Frucht säet und einheimst, ist die
Cräutlerin bei allen ihren getrockneten Kräuterbüscheln
Zotaniker?
Die Südslaven können sich wohl einiger ausge-‚eichneter
Sammlungen von Volksliedern, Sagen, Mär-;hen,
Sprichwörter und auch zweier grösserer Sammelverke
über ihre Sitten und Gebräuche berühmen, zu
iner eigentlich wissenschaftlichen Verarbeitung dieses
Stoffes finden sich bei ihnen nicht viel mehr als
inige Anläufe.
Ein wüstes brachliegendes Gebiet eröffnet sich
ıier dem Forscher. Unsere Anthropologische Gesellschaft
n Wien nahm sich der Sache zuerst an, um die Wissenschaft
der südslavischen Ethnographie allseitig zu
ı1egen und zu pflegen.
Von der Gesellschaft ermuntert, veröffentlichte ich
n ihren »Mittheilungen« zwei grössere Abhandlungen
iber südslavische Pest- und Hexensagen und bald
larauf wieder im Auftrage der Gesellschaft, auf Grundage
zahlreicher gedruckter und ungedruckter heimicher
Quellen, mein grosses Werk: »Sitteund Brauch
ier Südslaven.« Durch die Veröffentlichung eines
ıthnographischen Fragebogens über die Südslaven —
ler Bogen enthält an tausend Fragen — hat sich die
*esellschaft ein besonderes Verdienst um die KErfor-