dere Schichte feingeschlämmten Thones aufgetragen
oder es wurden die Körner mit dem Spatel derart verstrichen,
dass sie in’s Innere der Wandung zurücktraten
und nur der feinkörnige Thon an der Oberfläche
verblieb. Das erstere Verfahren ist hier durch Gefässe
aus einem böhmischen Urnenfelde, das letztere durch
Urnen aus den Tumulis bei Wies schön illustrirt.
Das Brennen dieser Gefässe geschah immer bei
einer sehr mässigen Hitze, zu deren Erzeugung man
noch nicht einen geschlossenen Töpferofen braucht; es
genügen bedeckte Brandgruben oder geschlossene Herde,
Der grosse Umfang der keramischen Technik lässt zwar
voraussetzen, dass man: auch vielfach besondere Oefen
zum Brennen der Gefässe anwendete, doch war deren
Hitzeffeet kein grosser. Es ging nicht weiter als bis
zum Rothwerden des Thones, also bis zur gewöhnlichen
Ziegelofenhitze, Daher ist die Farbe des reinen Scherbens
meist roth oder — wenn man unter dieser Temperatur
blieb — braun. Freilich tritt diese Grundfarbe nicht
oft hervor, da die Gefässe sehr häufig in mehr oder
minder hohem Grade durch „Rauchfeuer“ geschwärzt
oder gebräunt wurden.
Dieses Schwärzen durch Rauchfeuer wird heute noch
in vielen Gebieten Europas und auch bei vielen ausserauropäischen
Volksstämmen geübt (Schwarzgeschirr) und
hat vornehmlich den Zweck, Gefässe, welche nicht
ylasirt werden, bis zu einem gewissen Grade wasserdicht.
und wetterfest zu machen. Es besteht im Wesentlichen
darin, dass man nach dem eigentlichen Brande
die Poren der Thongefässe mit bituminösen Substanzen
erfüllt, und wird am leichtesten derart durchgeführt, dass
man nach dem entsprechenden Festbrennen der Gefässe,
welches gewöhnlich bei gutem Zug, also bei oxydirender
oder neutraler Flamme geschieht, stark rauchendes
Brennmaterial (feuchten Torf, grünes Holz, Laubwerk
u. dgl.) auflegt und alle Luftzufuhr zu dem Heizraum
and zu den Gefässen so viel als möglich absperrt. Der
auf diese Weise entwickelte Rauch wird nun von dem
heissen porösen Thon der Geschirre begierig verschluckt
und erfüllt bei schwachgebrannten Gefässen die ganze
Masse derselben mit einer schwarzen, brenn- und destillirbaren
Substanz. Bei sehr starkem Brande, welcher den
Thon klingend hart brennt, tritt dann wohl eine Verkokung
der aufgesogenen Rauchsubstanz ein, wie dies
an dem vorliegenden recenten Schwarzgeschirre aus
Mähren zu sehen ist. Dieses scharf gebrannte Schwarzgeschirr
wird heute noch (so weit meine Erfahrung
reicht) in Ungarn, Böhmen, Mähren, Steiermark, Kärnten
und Krain vielfach als ordinäres Koch- und Wassergeschirr
verwendet,
Das vorgelegte Exemplar eines bauchigen Wasserkruges
von Bisenz in Mähren zeigt schwarz glänzende,
geringelte Streifen, welche von manchen „Kennern“
nach genauer Prüfung hartnäckig als eine Graphitverzierung
angesprochen wurden. Und doch ist, wie ich
vom Erzeuger selber weiss und wie es eine Untersuchung
mit der Lupe darthut, kein Molekül Graphit an diesem
Topf. Dieser schön metallische, graphitähnliche Glanz
wurde erzeugt durch die Behandlung der Oberfläche
mit Glättsteinen. Auf dem vollkommen getrockneten
Gefässe wurde kurz vor dem Brennen mit einem geeigaeten
Flusskiesel unter mässigem Druck das Ornament
schnell aufgezeichnet. Die also geglätteten Stellen
‚eigen nun nach dem Brennen und Schwärzen das
zraphitähnliche Aussehen.
Bei unseren prähistorischen Gefässen kam es nicht
zu einer Verkokung des von den Gefässwänden ver-‚chluckten
Rauches, weil der Brand nicht heftig und
laher die Hitze des Scherbens für die Verkokung
ıicht hoch genug war. Die Gefässe sind daher auch
iefer schwarz als die recenten; manchmal zeigen sie
‚ogar einen Stich in’s Braune. Aber doch tritt bei
len mit Glättsteinen stark geglätteten Urnen manchmal
ler erwähnte graphitähnliche Glanz hervor und viele
’rähistoriker haben schon solche geglättete und rauch-‚eschwärzte
Gefässe für graphirte Gefässe hingenommen.
Zin solcher Irrthum schleicht sich bei geringer Aufnerksamkeit
leicht ein und kann jedem Nichtfachmanne
‚erziehen werden, Unverzeihlich sind aber gewisse
ıbenteuerliche Recepte für die Erzeugung unseres präıistorischen
Schwarzgeschirres, deren unkundige Verasser
dem Thone genaue Percentsätze von Mehl, Talg,
JIonig u. s. w. beimengen liessen, ohne sich auch nur
lurch einen einzigen reellen Versuch von der Unbrauchjarkeit
solcher Methoden zu überzeugen.
Der Gehalt an bituminösen Substanzen verlieh den
jetreffenden Gefässen zwar nur einen mässigen Grad
ron Wasserdichtigkeit, aber er gab den in die Erde
zebetteten Thongefässen eine sehr grosse Widerstandsähigkeit
gegen die zersetzenden Einflüsse der Atmophärilien,
so dass die im Allgemeinen schwach gebrannten
zefässe dieser Art sich in den Gräberstätten unserer
}egenden häufig besser erhalten haben als die Jüngeren
ınd stärker gebrannten Gefässe der römischen Periode.
In den Verzierungsmethoden tritt uns bereits
‚ine grosse Mannigfaltigkeit entgegen. Wir finden noch
lie primitiven, oben erwähnten Verzierungen, wie Fingerindrücke,
eingeritzte geometrische Ornamente, welche
‚uweilen sehr tief und mit kreidiger Farbe ausgefüllt
ind, ete.; aber es treten mit grosser Mannigfaltigkeit
)rnamente hinzu, welche in schmalen oder breiteren,
nit dem Spatel in den plastischen Thon eingedrückten
‚inien ausgeführt sind, ferner Ansätze, welche eine
nannigfaltige Reihe von den einfachsten Warzenformen
xıs zu Thierköpfen und menschlichen Figuren aufweisen,
‚erschiedenartige Henkel, aufgelegte plastische Ornanente
aus Thon, ein- oder aufgedrückte Bronzenägel und
3ronzeplättchen, mit Harz aufgekittete Ornamente und
igürchen aus Bronze und Blei und schliesslich Buckeln,
zliedmassen- und thierkopfähnliche Ansätze etc., welche
vus dem Innern des noch plastischen Gefässes heraus
nodellirt wurden.
Eine ganz besondere Art der Verzierung ist die
3emalung und Färbung. Am häufigsten ist wohl
lie Rothfärbung der ganzen Aussenfläche (bei Schüsseln
ler Innenfläche) des Gefässes mittelst eines Farbthones,
velcher in einer sehr dünnen Schichte aufgetragen
vurde und beim Brande eine intensiv rothe Farbe
in den verschiedenen Nuancen des Engelroth) annahm.
hr zunächst steht der Gebrauch, die Oberfläche mit
;inem Graphitanstrich zu versehen, welcher wahrscheinich
in manchen Fällen vor der nach dem Brande