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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 5=15.1885

circa 25 d. Theils fein-, theils grosskörniges, hauptsächlich
aber aus leistenförmigen Krystallen gebildetes Aggregat
von anscheinend homogener Substanz, in welcher aber
vereinzelte Quarz-(?) Körner gefunden wurden. Aeusserst
äinschlussarm. Einige kleine schwach grünlichgelbe
pleochroitische Körner von länglicher Gestalt mit gerundeten
 Umrissen (Titanit?), zeigen bei gekreuzten
Nicols lebhafte Interferenzfarben. Die gröberen Jadeitkörner
 zeigen auf dem Querschnitt deutlich die Pyroxenspaltbarkeit.
 Solche Querschnitte sind aber nur in geringer
 Zahl gesehen worden. Die meisten Schnitte sind
längs getroffen worden, weshalb vielleicht eine stängelige
Strucetur anzunehmen ist. Es sind lange Leisten mit
longitudinal verlaufenden Spaltrissen (der prismatischen
Spaltbarkeit). An manchen Stellen sind die Leisten zerfasert,
 die Fasern haben aber eine parallele Lage beibehalten
 (‚Uralitisirung‘). — Die Auslöschungsschiefe
in den Längsschnitten schwankt zwischen 18*/, und
301°.
„Dieser Jadeit bildet insofern eine Ausnahme unter
den Schweizer Jadeiten, als diese meist feinkörnig oder
porphyrartig sind, während das hier besprochene Material
durch Grosskörnigkeit charakterisirt ist. Der allgemeine
Typus bleibt aber trotzdem derselbe, da auch hier
keine scharfen Krystalle zu erkennen sind, sondern unregelmässig
 begrenzte, gerundete Körner,
„Zur weiteren Charakterisirung der Neuenburger
Jadeitbeile sei noch erwähnt, dass in einem Beil (Nr. 11,
Coll. Bzecg) unzweifelhafter Titanit als häufiger Einschluss
 nachgewiesen werden konnte. Seine Körner sind
ausnahmslos von einem schwarzen Erz umrandet, welches
aller Wahrscheinlichkeit nach Titaneisen ist und auch
für sich in vereinzelten Körnern vorkommt.
. „Rohstück I, spec. Gew. 3:36. Neuenburger See,
MussıkomEer. Schmelzbarkeit gering. Schmilzt an den
Rändern in dünnen Splittern in der Flamme eines
Bunsen’schen Brenners. Feinkörnige Grundmasse aus
unregelmässigen, dicht aneinander gedrängten Körnern
bestehend, in welcher grössere Pyroxenkrystalle eingebettet
 sind. Diese letzteren zeigen die charakteristische,
fast rechtwinkelige Spaltbarkeit (gemessen 89°) und eine
nicht diagonale Auslöschung (gemessen 241/,° und 64*/,°
von der Auslöschungsrichtung zu beiden Spaltrissen),
was bei den asymmetrischen Pyroxenen und auch bei
dem Jadeit stattfindet. Auch geht die Ebene der optischen
 Axen, wie beim Jadeit (und anderen Pyroxenen)
durch den spitzen Winkel des Spaltungsprismas. — Die
grösseren Krystalle sind in der Grundmasse meist nicht
vereinzelt, sondern nesterartig gehäuft. Sie sind unregelmässig
 begrenzt, zerlappt, sind reich an staubartigen
Einschlüssen. Etwas grössere Einschlüsse — Körner von
schmutzig gelbgrüner Farbe, wie solche in den Beilen
zesehen wurden, kommen auch hier vor (Zirkon').
Auch vereinzelte farblose Körner, welche möglicherweise
Quarz (?) sind.“
„Rohstück II, spec. Gew. 3:42. Neuenburger See,
BzEcg. Schwerschmelzbarer als das vorige Stück; viel
weniger homogen als dasselbe; reich an Quarz. Sehr
feinkörnig; grössere Krystalle seltener, aber von nahezu
zleicher Beschaffenheit wie im vorigen Stück. Bei lonritudinal

 auslöschenden Körnern ist auch die Ebene
ler optischen Axen longitudinal gelegen. — Für die
Juarznatur eines Theiles der Einschlüsse spricht auch
ler Kieselsäure-Ueberschuss, welchen die Analyse nachzewiesen
 hat. Ausserdem finden sich isotrope Körner
— wahrscheinlich Granat.
„Im Resultat weist sowohl die mikroskopische Untersuchung,
 als auch besonders die chemische Analyse darauf
ıin, dass die beiden vorliegenden Rohstücke thatsächich
 Jadeite. sind, wenn auch mit verhältnissmässig
ıederem Natrongehalt. Allein solche natronarme Jadeite
ind sowohl von Herrn DAMmovur (Bull. Soc. Min. de
Trance 1881, p. 157 ff.) wie von Herrn E. CoHEN
N. Jahrb. f. Min. 1879, 864 und 1884 I. 71.) bereits ervähnt
 worden. Nimmt man nämlich an, dass in den
ladeiten die Verbindung Na; Al, Si, O,2, mit andern
3isilicaten gemengt, enthalten ist, so sind die vorliegenden
 Stücke kaum anders als mit dem Namen
radeit zu bezeichnen. Dass dieses für den Jadeit
;harakteristische und massgebende Silicat manchmal
n grösserer Menge in dem betreffenden Mineral ent-1alten
 ist, ja sogar erheblich vorwaltet, zeigt die Analyse
Jes Beiles. Es wäre aber kaum angebracht, jede Mischung
nit einem besonderen Namen zu belegen, da sich zwischen
Vatron-armen und Natron-reichen Varietäten keine scharfe
Grenze ziehen lässt.
„Man könnte hierauf vielleicht einwenden, dass der
rohe Jadeit der Beile noch nicht gefunden ist, da diese
wie das analysirte) besonders Natron-reich sind und
zrobkrystallinische Structur zeigen. Dies wäre aber
zinIrrthum, denn es gibt unter den Schweizer
Zeilennicht nur feinkörnigeJadeite, sondern
„uch solche, derenMikrostructur vollkommen
dentischist mit den eben beschriebenen Roh-‚stücken.
 So liegen mir,Beile des Dresdner Museums
on Neuchätel vor (vergl. unten Nr. 5221, 5231 und
5219), deren Dünnschliffe mikroskopisch von den Rohtücken
 nicht zu unterscheiden sind und sowohl in der
Irundmasse als auch in den grösseren Einsprenglingen
lieselben Charaktere zeigen, sogar vollkommen analoge
‚taubförmige Einschlüsse, wie die oben beim Rohstück
rom spec. Gew. 3,36 erwähnten, führen.
„Die Schwerschmelzbarkeit der Rohstücke könnte
‚uch zum Einwande berechtigen, dass es überhaupt keine
Jadeite seien, sondern sogenannte Saussurite, umsomehr,
ıls die.so bezeichnete mineralische Substanz ebenfalls
Jatron enthält und bei ihrer variablen chemischen Zuammensetzung
 auch einmal die hier durch die Analyse
ırmittelte besitzen könne. Dieser Einwand ist sogar
‚ereits von Seiten des Herrn DAmour (brieflich) gechehen.
 Ich glaube aber darauf erwiedern zu können,
1. dass die Jadeite lange nicht alle die gleiche,
eichte Schmelzbarkeit aufweisen, .
2. dass man mikroskopisch, trotz der allerdings
‚törenden Feinkörnigkeit, hätte etwas von den beiden
Jemengtheilen des Saussurits — der ja, wie Herr J. RotH
roraussagte und Herr CATHREIN unwiderleglich nachwies,
zus Plagioklas und Zoisit gebildet ist — sehen müssen,
3. dass die Analysen des Herrn FRENZEL zu genau
‚uf Bisiliceate stimmen um für Saussurit zu, sprechen.
            
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