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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 5=15.1885

leren Mauerwerkes a—f und v kein einziger eine
Urne enthielt, wogegen von den 3 Brandkesseln des
Mittelraumes v und x je eine, r sogar zwei einfache
Urnen lieferte und ebenso in den Knochenschichten
m und £ je zwei, jedoch verzierte, feinere Urnen
vorkamen.
An der südwestlichen Mittelmauer anfangend
zog sich, wie die weitere Arbeit zeigte, gegen Südwest
 etwas ansteigend ein 470 cm langer und 200
bis 220 cm breiter Steinsatz ab, welcher der erste
Vorbau genannt wurde.
Er bestand :aus Bachgeschieben und Kalksteinfindlingen,
 welche 40 bis 50 cm hoch übereinandergeschichtet
 waren, und lag auf einer schwachen
Brandschichte, deren dunkles Materiale zum Theile
auch die Zwischenräume der einzelnen Steine ausfüllte.
 Ausser Kohlenbrand und roth gebrannter Erde
enthielt dieselbe häufige Knochenfragmente und
etwas Thonscherben. An Bronzen kamen darin
über 200 Bruchstücke vor, leider jedoch zum Theile
durch Rost zerfressen, zum Theile durch Feuer ge:
schmolzen. Es liessen sich darunter nur einige Perlen,
dann Fragmente von grösseren und kleineren Ringen,
Nadelköpfe und dergleichen unterscheiden,
In 120 cm Entfernung von dem Ende dieses ersten
Vorbaues wurde wieder ein Steinsatz erreicht, welcher
eine Länge von 300 cm, eine Breite von 250 cm
besass und der zweite Vorbau genannt wurde,
Er war aus gleichem Materiale, wie der vorbeschriebene
 erbaut, lag aber auf einer bis zu 40 cm
starken, gegen Südwest ansteigenden und sich zuspitzenden
 Brandschichte, welche eine auffallende
Menge von Knochenfragmenten und eine Unmasse
von Thonscherben, meist feinerer Gefässe, enthielt.
Nach einer Schätzung betrug die Anzahl der gehobenen
 Scherben bei 5000 Stücken. Es ist gar nicht
denkbar, dass eine so grosse Menge von Thongefässen,
 und selbst wenn dieselben übereinandergeschichtet
 worden wären, auf einem so kleinen
Raum hätten Platz finden können. Vielmehr ist anzunehmen,
 dass diese Thonscherben schon als solche
auf den gegenwärtigen Fundplatz gebracht worden sind.
Bei der Restauration der Gefässe zeigte sich
nämlich, dass einzelne Scherben eines und desselben
Gefässes noch ihre lebhaften Farben und den ursprünglichen
 Glanz besassen, während sich andere
offenbar durch die Einwirkung des Feuers entfärbt,
an der Oberfläche rauh gebrannt und sogar verbogen
oder zerrissen zeigten. Ferner passten einzelne
Scherben aus dem ersten Vorbaue zu den Gefässen

ıes zweiten Vorbaues, und konnte z. B. die grosse
Jrne, Taf. IX, Fig. 4, des letzteren erst dann vollıtändig
 restaurirt werden, als man die zugehörigen
Scherben aus dem Materiale des ersten Vorbaues
zussuchte und verwendete.
Ich glaube daher die Vermuthung aussprechen
zu dürfen, es seien eine oder mehr Leichen, vieleicht
 zu verschiedener Zeit, an der Stelle des ersten
"orbaues auf einem grösseren Scheiterhaufen ver-»rannt
 worden, welcher mit Thongefässen belegt
ınd umstellt war. Bei dem Niederbrennen des
Scheiterhaufens mögen die Gefässe auseinandergeprungen
 sein, und da einzelne Scherben in die Gluth,
ındere aber ausserhalb derselben niederfielen, ercheint
 die grosse Verschiedenheit ihres jetzigen
\ussehens erklärlich. Nach vollbrachter Verbrennung
lürften die Brandreste gesammelt und an der Stelle
les zweiten Vorbaues deponirt worden sein, wobei
;ın kleiner Theil der Brandreste, Thonscherben und
Bronzen auf dem Brandplatze zurückblieb.
An Beigaben erwies sich der zweite Vorbau rela-AV
 am reichsten, denn es wurden aus den Branden
lesselben gesammelt, respective ausgewaschen an:
Bein:
374 kleinere und grössere Fragmente von schön
zravirten Beingeräthen mit verschiedenen geomerischen
 Dessins. Es sind dies runde Griffe, Hefte,
ange Stäbchen, Nadelhülsen u. s. w., deren nähere
3eschreibung sich der Custos des Grazer Münzenınd
 Antikencabinetes, Herr Dr. PıcHLER, vorbehielt. !)
Zinige Beinperlen und
L ganzer Pferdezahn.
Bernstein:
nehrere schwarzgebrannte kleine Perlen.
Glas:
aäine Anzahl von Perlen verschiedener Grösse.
Gold:
4 Stücke Perlen: von 2 mm Durchmesser,
4 Stücke Öösenartige Reifchen von 4 bis 5 mm Durchnesser
 und ebensolcher Höhe, davon drei hochgelb
ınd eines weisslich, somit aus Elektrum bestehend
Taf. VI, Fig. 9 und 10), ;
. kleiner Knopfansatz und
. ebensolcher Knopf mit 2 Seitenlappen, beide
yahrscheinlich zu Nadeln gehörig.
Bronze:
»inige kleine Ringe, ein Knebel (Taf, VI, Fig. 23),
x»inige Perlen und Nägel ganz. Ausserdem über
— 1) S. Mitth. der Anthrop. Gesellsch. in Wien, 1886, p. 34.
Die Beinschnitzereien von Goldes. Von Dr. Fraırz PICcHLER.
            
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