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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 5=15.1885

r

Bei der Restaurirung der Kirche des heil. Wenzel in
Ülmütz im Jahre 1883 wurden zufällig in einer Tiefe von
1—5 m Alterthümer ausgegraben. Autor vermuthet, dass
sämmtliche durchgegrabene Schichten ehemals künstlich auf
den Hügel geschafft worden sind, theils um dadurch mehr
Fläche zu erzielen, theils um den Ort zu Vertheidigungszwecken
 zu erhöhen. — Diese Ablagerung lässt sich in drei
Culturschichten trennen, nämlich in die urgeschichtliche, in
lie mittelalterliche und in die neuzeitliche. Die urgeschichtliche
 war die schwächste und enthielt die wenigsten Funde,
Die grösste Mächtigkeit hatte die mittelalterliche Schichte.
Zu den urgeschichtlichen Funden gehören Thongefässe,
Thonwirtel, Scherben, Knochenreste. Die Thongeschirre sind
aus freier Hand gearbeitet, schön verziert. Unter den Knochenresten
 waren ein Pfriemen und zwei Schlittknochen. Auch eine
Menge von Schlacken mit eingeschlossenen Holzkohlen etc.
wurde gefunden. Dr. WangeL glaubt darin Reste der Befestigung
 einer Schlackenburg gefunden zu haben, Eine ähnliche
Schlackenburg constatirte Autor bei Lo$tic.
Zuschriften. Pag. 29—31.
Aus Näklo: Bericht über ein Stück Geweih von Cervus
megaceros mit viereckigem Loche zur Aufnahme eines Steinwerkzeuges.
 — Urnenfunde. — Entdeckung eines Pfahlbaues
im Gemeindeteiche von Näklo. Fund eines Bronzekessels
von 35cm Höhe und 35cm Breite mit 8 Bronzeschalen, von
denen einige schön verziert. Die Funde dieses Pfahlbaues
stimmen mit jenen des Bieler See’s der Schweiz überein.
Kleine Mittheilungen. Pag. 31—32.
Funde auf der Station Olmütz der Staatseisenbahn-Gesellschaft,
 und zwar Menschenknochen, drei Kupferschalen
mit eingravirtem Bilde des Erzengels Michael.
Aus der Urzeit der Olmützer Umgebung. Von V. HovpDEx
in Wien. Pag. 49—57.
Angabe eines alten Handelsweges von Konic gegen Olmütz.
— Beschreibung der zum Schutze dieses Weges errichteten
Burgen (Einfriedungen auf Bergen). — Burgberg „Am Hrad“
bei Näme&t mit vierfachen Wällen, von denen nur der innerste
erhalten ist (Abbildung). Bezüglich der Vergangenheit dieses
Burgberges glaubt Autor, eine urgeschichtliche und eine
mittelalterliche annehmen zu können. Es sollen hier Thongefässe
 gefunden worden sein. — Eine Stunde entfernt ist
ein anderer, mit dreifachen Wällen versehener Burgberg
„na Sancich“ bei Laskov. Hier wurden Scherben von Urnen
gefunden. — „SträZisko“ und „Hrad“ mit prähistorischen
Wällen bei Pteni.
Die Pekärna bei Ochoz. Von Dr. H. Wanker (sammt
Bild der Höhle). Pag. 71—.73.
Beschreibung der Pekärna-Höhle im Hädy-Thale bei
Ochoz. Nachdem Autor im Jahre: 1880 Kenntniss erlangt
hatte, dass die Höhle prähistorische Funde berge, begann er
mit seinen Nachgrabungen. In der Pekärna sind drei Culturschichten,
 die oberste stammt aus der historischen Zeit, die
mittlere aus der neolithischen Periode der Steinzeit, charakterisirt
 durch geschliffene Steinwerkzeuge, Topfscherben
Knochenwerkzeuge und durch Knochen vom Schwein, Rind.
Hirsch und Reh, und die letzte Schichte gehört der paläoithischen

 Periode an, mit geschlagenen Feuersteinwerkzeugen
‚nd Knochenwerkzeugen. — Aus dieser Schichte stammen
zuch tertiäre Versteinerungen, wie Dentalium und Grauwackenzeschiebe,
 auf welchen primitive Zeichnungen angebracht sind.
— Auf einem im Besitze des Director KraAsser in Brünn
jefindlichen ist eine Blume eingravirt. — Die Knochen aus
lieser Schichte gehören dem Ren, Pferd, Eisfuchs, Schneeıasen,
 Schneehuhn etc. an. Auch ein bearbeiteter Tarsus-:nochen
 vom Rhinoceros wurde gefunden.
Hier in dieser Schichte wurde auch ein Eisenmesser und
Stücke von Schmiedeeisen mit Feuersteinmessern in Travertin
zusammengebacken, ausgegraben. Nach dem jetzigen Stande
ler Wissenschaft ist es nicht wahrscheinlich, dass der Renhiermensch,
 der einst die Pekärna bewohnte, schon das Eisen
vekannt habe, und dies umsomehr, als das Eisenmesser aus
ler Pekärna-Höhle eine mehr moderne, neuartige Form besitzt.
Dieses Messer kam später in die paläolithische Schichte.
Zuschriften. Pag. 75. ı
Aus Brünn. — Aus Prossnitz. — Aus Senicka. Präıistorische
 Alterthümer daselbst. Urnenfriedhof. Ustrinen.
Ahinocerosreste, Altslavisches Hradist6,
Xleine Mittheilungen,
Aus der mährischen Schweiz. — Prähistorische Funde
ei Skoronic nächst Gaya, u. zw.: Skelettgräber mit Thonzefässen
 theils beim Haupte, theils zu Füssen der mit dem
Antlitz zu Boden gekehrten Skelette. In manchen Gefässen
waren Quarzstücke. Als Beigaben fanden sich noch Bronzeinge,
 Ohrringe und eine Nadel. — Barsche in der March. +
Prähistorische Funde in der Umgebung von Kremsier. —
Urnenfunde zwischen Zdounek, Hradisko und Träynik. —
Zeste grosser, graphithältiger Gefässe auf der Töpferscheibe
verfertigt, nach Vırcnow slavisch, aus dem 10. Jahrhunderte,
— Beim Eisenbahnbau von Zborovie Urnenfunde. — Bei
Zdounek grub auf prähistorische Alterthümer MUDr. SucHny
n Kremsier mit gutem Erfolg.
Reste mährischer nationaler Ornamentik. Von ViAsraA
HavzıKova. Pag. 100—104,
Färbige Ornamente auf den Wandsockeln unserer Dorfaäuser.
 — Ornamentenschmuck aus alter Zeit auf gestickten
Jbjecten der mährischen Nationaltracht. — Ornamente auf
zestickten Tauftüchern und Tüchern beim Wochenbette. —
Analogie dieser mährischen Ornamente mit kleinrussischen.
Ueber die Tracht der mährischen Wallachen. Von
Mat. VAcLAvex in Vsetin. Pag. 110—115.
Die mährische Nationaltracht schwindet allmälig. —
Reste findet man noch bei den Hanäken und Valachen. In
ler Gegend von Wall.-Meseritsch ist sie jedoch schon ganz
rerschwunden. Erhalten blieb sie in der RoZnauer Gegend.
3eschreibung der Tracht der Valachen,
Sloup. Von J. Haverga. (Sammt Abbildung.) Fag. 116
bis 117.
Skizze von Sloup und den Slouper Höhlen nebst Angabe
ler Forschungen Dr. H. WaAnkei’s und der ausgegrabenen
Jiluvialen Ueberreste,
            
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