setzt sein Liebchen hinten auf den Schecken;
30 verlässt der Prinz die Burg von Prilip.
Mittag mochte wohl die Sonne zeigen
zamen zu der Kirche Popovici
und zum kühlen Quell der Petroviei.
Die Geliebte flieht, beschwört den Prinzen:
— Steig doch ab vom wohlgenährten Schecken,
denn vor Qualen mein’ ich zu verdürsten;
geh, erlaub’ mir einen einz’gen Schluck nur,
auch den Schecken müsstest du schon tränken.
Wenig scheert sich Marko um ihr Flehen.
— Zieht mein Schecke hin zur Türkengrenze,
mag er Quellenwasser nicht verkosten, 60
denn er lischt den Durst mit Wein und Branntwein.
Bis wir in’s Gebiet der Türken kommen,
ain zum Wirthshaus meiner Schenkin Angja
werd’ ich meinen Schecken auch bewirthen.
Marko kam in’s Grenzgebiet der Türken, 65
vor dem Wirthshaus band er an den Schecken,
ging hinein in’s Wirthshaus mit dem Liebchen;
kneipt nach Lust, es schenkt ihm ein das Liebchen;
Sieh, wer naht? — Auf weissem Rosse Mujo.
Vor dem Wirthshaus steigt vom Rosse Mujo, 70
geht hinein zu Marko in das Wirthshaus
und begrüsst in alter Freundschaft Marko:
— Lieber Bruder, Königssprössling Marko.
Ja — was soll denn hier dein treues Liebchen?
— Frag mich gar nicht, Mujo von der Grenze, 75
Will mein Weibsen da um Geld verkaufen,
um mich endlich schuldenfrei zu machen,
Was, du bist ja doch kein rechter Käufer?
Na, ein Käufer wär’ ich wohl, mein Marko,
doch mit dir zu handeln ist beschwerlich.
Kaum hast du den Handel abgeschlossen,
schon gereut’s dich, bist schon and’ren Sinnes.
Mujo ging und sattelte sein Rösslein.
Sieh, da reitet Tankovi@ Osmane.
vor dem Wirthshaus steigt er ab vom Rösslein, 85
geht hinein zu Marko in das Wirthshaus
und begrüsst in alter Freundschaft Marko:
— Ja, was soll denn hier dein Liebchen, Marko?
— Frag mich gar nicht, Tankovi@ Osmane,
Will mein Liebehen da um Geld verkaufen, 90
um mich endlich schuldenfrei zu machen.
Joch was kümmert’s dich? Du kaufst sie eh’ nicht.
— Na warum? Ich wäre schon ein Käufer,
doch mit dir ist kein Geschäft zu machen,
kaum verkaufst was, thut’s dich schoen gereuen. 95
Osman sagt: „mit Gott!“ und reitet weiter.
He, da kommt dir Bojici@ Halile.,
Vor dem Wirthshaus steigt er ab vom Fuchsen,
zeht hinein zu Marko in das Wirthshaus.
— Gut, gesund und frisch und froh, mein Marko? 100
Ja, was soll denn, Marko, hier dein Liebchen?
— Frag’ mich gar nicht, Bojicie Halile,
Will mein Liebchen hier um Geld verkaufen,
um mich endlich schuldenfrei zu machen.
Na, du bist der Mann nicht, der sie kaufte! 105
Hm, so, so, es fehlt mir nicht an Kleingeld,
ıber Bruder, du bist kein Geschäftsmann.
villst das Geld und auch die Waare haben.
Halil ging und ritt des Weges weiter.
Marko merkt’s, hier lässt sich nichts verkaufen, 110
ınd besteigt von Neuem seinen Schecken
ı1ebt sein Liebchen hinter sich auf’s Rösslein,
zieht in’s Küstenland hinab nach Süden
ängs der Christen- und der Türken-Dreimark.
Eine Kutsche kommt dahergeflogen 115
zwei Araberstuten zieh’n die Kutsche,
n der Kutsche gibt es Gold in Fülle,
ıuf dem Kutschbock sitzt ein spanischer Ritter,
spornt die Stuten an zu gröss’rer Eile.
— Gott zum Gruss, o Marko! ruft der Spanier. 120
Was zum —! bringst du her dein Liebchen, Marko?
— Frag mich lieber gar nicht, Freund aus Spanien,
War mit ihr schon in der türkischen Grenze,
lenn ich bin, mein Freund, gar tief verschuldet,
neist in Kneipen bei den türkischen Wirthen, 125
Suchte einen Käufer auf mein Liebchen,
ım mich endlich schuldenfrei zu machen.
Viemand hat den Muth, die Frau zu kaufen.
Nun, du Spanier bist mir auch kein Käufer!
— Ob ich nicht ein rechter Käufer wäre! 130
\ber Marko, du bist kein Verkäufer,
saum verkaufst du, heisst es: „Nein, es gilt nicht!“
-— So mir Gott, ich sage nicht „es gilt nicht!“
— Nun, bei Gott, es gilt bei mir kein „gilt nicht!“
Mit dem Kopfe müsstest du mir’s büssen! 135
Und der Spanier sprang sogleich vom Kutschbock,
eert die Säckel aus voll Golddukaten:
— Hier das Kaufgeld, Königssprössling Marko,
nagst es zählen oder ’s Zählen lassen.
Magst du’s, Marko, nicht mehr überzählen, 140
will ich gern dir eine D’raufgab geben.
Marko breitet auf den Reisemantel
\uf den Mantel wirft das Gold der Spanier
Marko lacht auf's Gold und rafft’s zusammen,
zibt dem Spanier hin das treue Liebchen,
Auf den Wagen setzte sich der Spanier
ınd zur Eile trieb er an die Rosse.
Marko ritt zurück zur Türkengrenze
vief von Weitem zu der Wirthin Angja:
— Füll dukatenweis’ die Becher, Angja! 150
Mit Dukaten sind gespickt die Taschen,
auch die alte Schuld kann ich begleichen,
die Dukaten gab mein Freund der Spanier.
Marko setzt sich hin und zecht im Wirthshaus.
Hei! wer kommt auf weissem Rosse? — Mujo. 155
— Sag, warum hast du dein Weib verschachert?
— Na, hab’ ich sie dir nicht angetragen ?
Sag, warum hast du sie denn nicht mögen?
Mujo wandte um sein weisses Rösslein.
- Der soll meine Freundin nicht entführen! 160
Eiligst jagt er nach der Spur des Spaniers.
Hinterdrein kommt Tankovie Osmane,
ınd nach Osman Bojici@ Halile,
Mustafa ereilte bald den Spanier: ;
— Wart du feiler Kerl, dich mein’ ich, Spanier! 165
Nirst mir meine Freundin nicht entführen,
jiner muss es mit dem Kopfe büssen.