Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 5=15.1885

I6

durch Flechten, die längs der Wangen herabfallen und vielleicht
durch goldene Spiralen gefestigt sind. Ebensowenig entspricht
Helena den classischen Vorstellungen: ein bunter, reichgemusterter
 Peplos, der einen feinen, stark riechenden Parfüm
aushaucht, umgibt enganliegend den mächtigen Körper. Auf
Jer Büste glitzern die goldenen Fibulae oder Hefteln, welche
den Brustschlitz zusammenhalten. Der von ihnen gebildete
Streifen wird durchschnitten von Hormos, an dem der dunkelrothe
 Bernstein einen scharfen coloristischen Contrast zu den
yoldenen Bestandtheilen darbietet. Das Haar erscheint künstlich
 in Flechten disponirt. Der Kopf wird vielleicht überragt
ron einer hohen steifen Haube, die in der Mitte von einem
bunten, wulstigen Bande umgeben ist, während auf der Vorderseite
 der goldene Ampyx erglänzt. Entweder von der Haube
oder. unmittelbar von dem Scheitel fällt das Schleiertuch
über Schultern und Rücken herab und gibt, aus weissglänzender
 Leinwand gearbeitet, dem Farbengewimmel und Mecallgeglitzer,
 welches auf der Vorderseite des Peplos herrscht,
3ine einigermassen ruhige Folie, Allenthalben sieht man die
sonventionellen Formen und die bunte Farbenpracht des Orients,
nirgends die freie Würde und massvolle Harmonie des echten
Hellenenthums.“
Aus den der Bewaffnung des homerischen Kriegsvolkes
gewidmeten Capiteln heben wir nur Einzelheiten heraus. Die
witpn, ein breiter, mit Erz beschlagener Gürtel, welcher unmittelbar
 auf dem Leibrock getragen wurde, lässt sich trefflich
veranschaulichen durch breite, in der Regel mit geometrischem
Irnament verzierte Beschläge aus Bronze, die sich in Griechenland
 und Italien, wie auch jenseits der Alpen vielfach gefunden
haben. Dieses Rüstungsstück, welches in Italien bereits aus
vorhellenischen Schichten bekannt ist und in Griechenland
bald abgekommen zu sein scheint, müssen wir als die einzige
Schutzwehr nordischer Krieger ansehen, da in jenen Gräbern
Mitteleuropas, wo es gefunden wurde, die Panzer fehlen,
Der homerische Helm bestand in einer Erzkappe, welche
Stirn, Schläfen und Wangen deckte und mit Ausschnitten
für die Augen versehen war. Altgriechische, in Olympia gefundene
 Helme illustriren das Epitheton „dreischichtig“,
welches dem Helme des Hektor beigelegt wird, indem sie
aus drei Bronzeschichten bestehen, einer dicken mittleren und
zwei dünneren. Als Sturmband diente ein Riemen, der Helm
war so weit, dass er bei heftigen Bewegungen an den Schläfen
hin und her schwankte. Viele Stellen beweisen, dass das
Visir die Helden unkenntlich machte. Die beweglichen Backenschienen
 gehören einer späteren Zeit an. ®diog ist der Bügel,
welcher sich über die Mitte der Helmkappe legte, zur Verstärkung
 derselben und zum Einsetzen des Helmbusches;
äupeioalos, ein Helm mit doppeltem Bügel; es werden auch
solche mit vier Bügeln erwähnt. Helme mit doppeltem Bügel
besitzen wir aus Olympia (1), Samnium (3), Hallstatt (1) und
Watsch (1) und kennen sie zudem aus Vasenbildern, Eine
andere Art, den Helmbusch zu befestigen, war die mittelst
einer oder zweier Bronzeröhren, die entweder vom Scheitel
oder von den Schläfen, in letzterem Falle convergirend,
emporstanden, Die wdiu«px des Helmes waren Metallbuckel,
die aus der Erzkappe herausgetrieben oder auf derselben
aufgenietet waren und ebenso zum Schmuck wie zur Verstärkung
 dienten. Ein öpepipaxiog aus Samnium und eine
Sturmhaube aus Etrurien haben auf jeder Seite der Kappe
anen solchen Buckel. ein Bronzehelm des Neapeler Museums

ieren 3 auf der Vorderseite. Zwei sehen wir deutlich auf
lem c&Aupipaiog der in Gurina gefundenen Zinnfigürchen der
ıthene, welcher Helm auch sonst genau dem citirten, bei
IzuBı16 abgebildeten Exemplar aus Samnium entspricht. $d4iapa
ind auch die Bronzescheiben der in St. Margarethen gefunlenen
 und auf dem Certosa-Eimer abgebildeten Schüsselıelme,
 von welchen HocHsrerrerR gehandelt hat. Es darf aber
loch nicht übersehen werden, dass die Helmtypen, an denen
vir bisher wdiog und ydAiaxpa studiren konnten, ganz andere
ind, als der von HeLsıc für die geläufige homerische Form
Yklärte Helm !); und dieser Einwand wird nicht beseitigt,
venn man sagt, dass die erhaltenen Exemplare des homeri-‚chen
 Helmtypus zu Sepulcralzwecken gearbeitet sind und
laher nur die wesentlichsten Bestandtheile (Kappe und Schirm),
ıicht aber die Bügel und Buckel oder die Röhre darstellen.
Von einer ganzen Reihe verschiedener Schildformen,
welche uns die ältesten in Griechenland gefundenen Kunstwerke
 zeigen, kennt Homer nur 2, den mässig grossen kreisunden,
 und den mannshohen, ovalen Schild. Dieses Rüstungs-;tück
 bestand aus mehreren übereinandergenähten Rindsıäuten,
 deren Aussenseite in der Regel mit Bronze überzogen
der beschlagen war. In der Mitte wurde die Widerstandszraft
 noch durch den Nabel, eine runde Bronzeplatte, die
vir aus mehreren erhaltenen Exemplaren kennen, verstärkt.
Jer mit 21 Buckeln geschmückte Schild des Achilleus wird
]lustrirt durch ein Exemplar aus Dänemark, dessen Mitte
in grösserer Nabel einnimmt, während kleinere rund herum
zuf der Fläche angebracht sind.
Bei den Angriffswaffen lässt sich die Frage nach der
Doppelherrschaft des Eisens und der Bronze in
lien homerischen Liedern nicht ganz umgehen. Schon das
Zahlenverhältniss, wonach in der Ilias 179mal von Bronze,
>»8mal von Eisen, in der Odyssee aber 80mal von ersterer,
»5mal von letzterem die Rede ist, zeigt, dass das Eisen in
len älteren Theilen des Epos seltener erwähnt wird, als in
len jüngeren. Zudem gehört der die Leichenspiele für Patroklos
schildernde Gesang, in welchem am häufigsten das Eisen geıannt
 wird, zu den jühgsten Theilen der Ilias; in der Entstehungszeit
 dieses Gedichtes herrschte sonach ein Verhältıiss,
 wie in der „prima epoca del ferro“ der italienischen
Paläoethnologen. In der Entstehungszeit der jüngeren Theile
les Epos hat die Verwendung des Eisens mindestens eine
ırhebliche Zunahme erfahren. Auffallend und sehr interessant
st die Bemerkung, dass das Eisen im Epos ungleich öfter
ıls Material von friedlichen Werkzeugen als von Waffen erwähnt
 wird: Messer, Axen, Ketten, das Geräth von Pflügern
ınd Schäfern liebt man aus Eisen; in den jüngeren Theilen
ler Odyssee findet sich dagegen bereits das merkwürdige
Sprichwort, dass „Eisen den Mann anziehe“.
Nachdem der Verfasser aus der grossen Anzahl erhaltener
Schwerter, Lanzenspitzen etc. die mit Homer’s Andeutungen
ibereinstimmenden Typen herausgesucht und festgestellt, ur-‘heilt
 er mit gewohnter Schärfe über das Verhältniss
der homerischen Kriegsrüstung zur classischen

1) Auf einem Vasenbilde des Wiener Antiken-Cabinets, das ich in der
‚rchäol. Zg. 1877, Tf. 5, S. 21 publicirte und besprach, sehen wir einen
ackten Krieger mit kegelförmigem Helm, dessen Rand dicht mit OAÄAupa
‚esetzt ist. Statt des Panzers trägt er blos den Gürtel und 2 mit Phalaren
esetzte Bänder, die sich über der Brust kreuzen und hier noch durch eine
Togse runde Bronzescheibe verstärkt werden.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.