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phönikische wie an hellenische Einflüsse sehr conservativ
und liess neue Richtungen erst nach geraumer Zeit auf sich
einwirken. Oestlich. vom Appennin hat sich nicht nur das
Handwerk, sondern die Cultur überhaupt sehr langsam entwickelt
(spätes Vorkommen des Bernsteinschmucks bei den
Etruskern der Poebene, primitive Bewaffnung der Picentiner
noch im 5, Jahrhundert). In dem schwer zugänglichen Bereiche
des Hochappennin scheint die Bevölkerung, abgeschnitten
von den grossen Verkehrsstrassen, mancherlei Typen, die ihr
früher aus Tarent oder anderen griechischen Colonien zugekommen
sind, viele Generationen hindurch, vielleicht bis ins
vierte oder dritte Jahrhundert herab festgehalten zu haben.
Volle Beachtung hat hier auch das nordische Handwerk
zu finden. Die erste Periode der mitteleuropäischen
Bronzetechnik wurde durch eine aus dem Südosten kommende
Culturströmung bedingt; dann folgt ein Zeitraum, während
dessen Mitteleuropa mancherlei Cultureinflüsse aus der Apenninhalbinsel
erfuhr. Der Beginn dieser Periode (Gräber von Villanova)
reicht über den Anfang der hellenischen Colonisation
des Westens hinauf. In diesen Verkehr Italiens mit dem
Norden wurden dann die hellenischen Pflanzstädte hineingezogen
(Vasenfragmente korinthischen Styls auf der Roseninsel
'm Starnbergersee, die archaisch-griechische Hydria von
Grächwyl, die gerippten Cisten von Hallstatt u. s. w.). In
beiden Perioden ahmte das nordische Handwerk Vorbilder
nach, welche aus dem höher civilisirten Süden importirt
worden waren, und diese Reproduetionen sind deshalb zum
Theil zahlreicher erhalten als ihre Vorbilder, weil im Mittelmeergebiet
die Culturphasen rascher aufeinanderfolgten und
ihre Typen nur kurze Zeit im Gebrauche blieben, während
sich im mittleren Europa die einmal angenommenen Formen
der Waffen, Geräthe etc. längere Zeit erhielten. So dürfen
wir selbst gewisse archaische Typen, deren Vorbilder im
Süden nicht mehr nachweisbar sind, ohneweiters als Ergänzung
des südeuropäischen Denkmälervorrathes verwenden.
In diesem weiten Bereich ist es nun eine Reihe von Fundgruppen,
welcher wir das gegenwärtig zugängliche Material
verdanken. Die Funde von Hıssarııx fallen vor das homerische
Zeitalter und reichen in eine Epoche hinauf, in welcher das
nordwestliche Kleinasien von semitisch-orientalischen Ein-Aüssen
nur ganz oberflächlich berührt war. Nach den allerdings
unsicheren Schlüssen, die sich aus ägyptischen Wandgemälden
ziehen lassen, dürften sie beträchtliche Zeit vor
das 14. Jahrhundert zu setzen sein, in welchem die Tekri
(Teukrer) schon eine ungleich vorgeschrittenere Civilisation
besassen. Später, aber noch immer in die vorhomerische Zeit,
fallen die auf Thera, dann in Jalysos und Kameiros auf
Rhodos entdeckten Ueberreste, sowie die Burggräber von
Mykenae. Die Cultur, welche im Zeitalter jener Bestattungen
auf Mykenae geherrscht hat, ist von der im Epos geschilderten
in den Hauptzügen durchaus verschieden (dort Beisetzung
ganzer u, zw, mumificirter Leichen, hier Leichenverbrennung),
und erscheint im Ganzen ungleich üppiger und prunkvoller
als diese (gerade die prächtigsten Grabfundstücke finden in
den Beschreibungen des Epos keine Analogie), was jedoch
nicht so sehr das Resultat selbstständiger Entwicklung als
fremder Einflüsse war. Nach ihren Burggräbern erscheinen
die Mykenäer recht eigentlich als Orientalen, wogegen im
homerischen Zeitalter eine Abnahme des fremden. Elementes,
yelches, soweit es ethnischer Natur, bereits ausgeschieden
der assimilir; war, unverkennbar ist. Um so viel, als die
1omerische Cultur massvoller und einfacher ist als die mykeaische,
nähert sie sich der hellenischen oder classischen und
'rscheint dadurch als eine jüngere Entwicklungsstufe.
Während die homerischen Griechen den Mykenäern in
nancher Beziehung überlegen sind (Besitz der Fibula, eiserner
jegenstände, keine steinernen Pfeilspitzen), scheint die Entvicklung
in mancher andern Hinsicht (Bearbeitung des Steines
zu Bauten und Sculpturen) durch die dorische Wanderung
ınterbrochen worden zu sein. Die Dorier standen auf einer
>rimitiven Culturstufe, und die Folge ihres Einbruches war,
lass in dem durch mehrere Generationen andauernden Kriegsxustande
die engen Beziehungen zum Morgenlande, auf denen
lie peloponnesische Cultur beruhte, abgebrochen wurden.
\indere Störungen verursachte die griechische Colonisation.
Jie auf den Inseln des ägäischen Meeres ansässigen Phönikier
vurden vertrieben oder assimilirt, jedenfalls hörten sie auf,
lerren der von Asien nach Griechenland führenden Verkehrsvege
zu sein. Diese Beschränkung führte zu einer Reduction
les orientalischen Einflusses sowohl im Mntterlande, als in
Jen Colonien, wo es zudem Anfangs mehr auf das Nothwendige
ınd Nützliche, als auf Luxus und Ausschmückung des Lebens
ınkam. Damit hängt auch der Rückschritt im Steinbau zujiammen,
da die rasche Befestigung einer neuen Ansiedlung
ıicht auf so schwierige und langwierige Weise hergestellt
verden konnte, wie früher in Tiryns und Mykenae. Man
chützte sich im homerischen Zeitalter durch Erdwerke und
”allisaden, die man, wenn sich die Verhältnisse friedlicher
‚estalteten, verfallen liess, wenn Gefahr drohte, jedoch rasch
ırneuerte. Ein steinerner Mauerring galt noch um die Mitte
les 6. Jahrhunderts als eine ungewöhnliche Leistung.
Während so die mykenischen Gräber, obwohl viel jünger
ıls die altersgrauen Reste von Hissarlik, noch immer vor das
0. Jahrhundert, in welchem der Abschluss der dorischen
iroberungen im Peloponnes erfolgte, fallen, gehören die vom
ıthenischen Dipylon stammenden und ihnen verwandten Vasen
iner Jüngeren Epoche als das Epos an. Ihre figürlichen Dartellungen
zeigen einerseits manche Berührung mit den epiıchen
Schilderungen, andrerseits in der Ausrüstung der Schiffe
x Kriegszwecken einen Fortschritt, der auf eine jüngere
Zeit (das 8, Jahrhundert) und auf Phönikien als Ausgangsjunkt
hinweist, wie sich denn auch in der weiten, von einem
der wenigen Fabriksorten ausgehenden Verbreitung dieserVasen
un Fortschritt gegen die homerische Epoche erkennen lässt.
Die Fortsetzung dieser Fundgruppen findet sich im Westen
ler griechischen Welt, in Italien. In den Pfahldörfern der
Doebene zeigt sich das älteste Culturstadium, welches die
taliker auf ihrer Halbinsel durchgemacht haben. Aexte und
feilspitzen aus Stein, gegossene, nicht geschmiedete Bronze,
nkenntniss des Eisens und gewisser, späterhin stark hervorcetender
Typen (Fibeln, Arm- und Halsringe, Gürtelschnallen
ınd Beschläge) kennzeichnen diese Stufe, auf welche eine
ındere folgt, in der die Steinmanufactur aufhört, die Schmiedung
ler Bronze wie auch des Eisens beginnt und die Zahl der
5chmucksachen eine erhebliche Steigerung erfährt. In diesem
Stadium haben die Italiker (und später die Etrusker) den
\ppennin überschritten, wie die hieher gehörigen Fundcomjlexe
von Villanova, Chiusi, Tarquinii, La Tolfa und Alba
„onga beweisen. Merkwürdigerweise finden sich nun in dieser
Schicht viele mit griechischen Fundstücken auffallend über-