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Penka Karl. Origines Ariacae. Linguistisch-ethnologische
Untersuchungen zur ältesten Geschichte
der arischen Völker und Sprachen. Wien und
Teschen. ProcHaska, 1883. 8. VII, 214 S.
Das vorliegende Werk beschäftigt sich mit der wichtigen
Trage über den Ursprung jener Völker, welche gegenwärtig
Sprachen reden, die zu dem sogenannten indogermanischen
“arischen) Sprachstamme gehören. Der Verfasser kritisirt zunächst
den Begriff der mittelländischen (früher kaukasisch
zenannten) Rasse, den er als unhaltbar betrachtet. Darauf
wendet er sich zur Bestimmung des Typus der Arier, die er
als eine von den andern Rassen verschiedene, durch hellweissen
Teint, blaue Augen und blonde, lockige Haare auszezoichnete
Rasse hinstellt. In Uebereinstimmung mit den
ı1eueren Forschungen und Ansichten sucht er die Urheimat
lieser Rasse nicht in Asien, sondern in Europa, und zwar
;n Skandinavien. Letzteres geht für den Verfasser daraus
1ıervor, dass die arische Rasse, eine eminent nordische, in
Skandinavien noch bis auf den heutigen Tag sich am reinsten
arhalten hat, und die dort aus den Gräbern zu Tage geförderten
Schädelfunde theils mit dem heutigen echt skandinarischen,
theils mit dem in Mitteleuropa als ältesten anerzannten
Schädeltypus vollkommen übereinstimmen. Nachdem
der Verfasser auf diese Weise den arischen Grundtypus und
lie Urheimat desselben festgestellt hat, geht er zur Darlegung
seiner Ansichten über die Entstehung der Menschenrassen
äiberhaupt und dann über die Entstehung der sogenannten
arischen (indogermanischen) Völker im Einzelnen über. Den
sechsten und siebenten Abschnitt des Buches, welche den
>honologischen und morphologischen Charakter der arischen
Grundsprache behandeln, lassen wir hier ganz bei Seite, da
die. Besprechung derselben in ein der Sprachwissenschaft
zewidmetes Organ gehört.
Der Verfasser documentirt in seinen ethnologisch-anthrovologischen
Studien eine nicht gewöhnliche kritische Begabung
and eine ausgebreitete Gelehrsamkeit. Durch geistvolle Combinationen
der Thatsachen kommt er öfter zu überraschenden
Ansichten und regt zum Nachdenken über manche Probleme
an. Ob es ihm aber gelungen ist, den Kern seiner ganzen
Untersuchung, nämlich den Nachweis, dass Skandinavien als
die Urheimat der arischen Rasse betrachtet werden müsse,
or Einwendungen sicherzustellen , möchten wir dennoch
jezweifeln, und erlauben wir uns hier auf Einiges hinzuweisen,
das den vom Verfasser geführten Beweis zn erschüttern
im Stande sein dürfte.
Nach Pesga ist der nordische Typus der Arier aus den
klimatischen Einwirkungen ihrer jetzigen Wohnsitze nicht zu
arklären, da in diesem Falle die dunkelgefärbten schwarznaarigen
Polarvölker denselben mit den Ariern theilen
müssten. Pzxxa meint ‚daher, dass dieser Typus als das
Resultat der Einwirkung der Eisperiode, innerhalb welcher
die Entstehung der Rassen stattgefunden hatte, zu betrachten
sei. Als die Arier nach dem Ende der quaternären Periode
n Skandinavien einwanderten, war das Land unbewohnt, da
lie Lappen erwiesenermassen erst viel später von Nordosten
ıer eingedrungen sind.
Hier möchten wir vor Allem bemerken, dass die Schlüsse,
welche man aus den den Gräbern entnommenen Schädelunden
ableitet, für uns nicht jenen Grad der Ueberzeugung
ıaben, den man ihnen allenthalben zuschreibt. — Sollte das
uetztere stattfinden, dann müsste man über die Formen der
‚eichenbestattung aller in Betracht kommenden Völker genau
ınterrichtet sein. — Nehmen wir z. B. an, in einem Lande
vohne ein Volk, das seine Todten, gleich den alten Persern
ınd den heutigen Mongolen, den Thieren zum Frasse aus-'etzt
oder dieselben verbrennt und die Asche dann in den
"luss schüttet, und dieses Volk werde von einem andern
ınterjocht, das seine Todten beerdigt und für seine Edlen
nit Stein ausgelegte Gräber errichtet, so wird der zukünfige
Forscher aus den Gräberfunden allein nie den wahren
Sachverhalt ermitteln können. Da von dem ersteren Volke
ntweder gar keine Ueberreste vorhanden sind oder nur
elten in den Gräbern des zweiten Volkes vorkommen, so
vird er das zweite Volk, das durch zahlreiche Gräberfunde
ertreten ist, als autochthon betrachten und. die seltenen,
'em ersten Volke angehörenden Funde als von auswärts.
'urch Sclaverei oder dergleichen verschleppt hinstellen.
PenxkKa nimmt an, dass Skandinavien zur Zeit der arischen
Sinwanderung unbewohnt gewesen sei. Daraus erklärt sich
ıun von selbst einerseits die Reinheit des skandinavischen
ypus, anderseits die Uebereinstimmung der Gräberfunde
ait dem heutigen Zustande, Da ferner die Entstehung des
rischen Typus nicht auf Skandinavien, sondern auf die Eiszeit
m beziehen ist, so fällt damit die zwingende Nothwendigkeit,
Skandinavien für die Urheimat der Arier zu erklären, von
elbst und es kann jeder Punkt des mittleren Europa als
tie Urheimat der Arier angenommen werden. Dass vom Heimatsande
nach einem bisher unbewohnten Punkte abgegangene
Jolonien, die vor einer grösseren fremden Invasion geschützt
ind, sich rein erhalten, während die Leute der Heimat selbst
lurch mehrfache Mischungen ganz umgeändert werden, ist
une so bekannte Thatsache, dass eine nähere und ausführichere
Darlegung derselben gar nicht nothwendig erscheint.
Yriedrich Mühler.
Felix Liebrecht. Zur Volkskunde. Alte und neue
Aufsätze. Heilbronn. Gebrüder Hexxınaer. 1879.
8, 522 S
LIEBRECHT vereinigt in diesem Werke seine kleinen Ab-1andlungen,
die er im Laufe eines Menschenalters in ver-‚chiedenen
Zeitschriften hatte erscheinen lassen. Es ist aber
zein blosser Abdruck des Alten, sondern vielmehr zum
;rossen Theil ein ganz neues Werk, das uns vorliegt, indem
ler Verfasser bemüht war, die einschlägige neuere Literatur
ur Vervollständigung seiner Artikel überall zu verwerthen.
ie einzelnen Untersuchungen stehen auf der Höhe moderner
‚issenschaftlicher Forschung. Die Belesenheit LıEBRECHT’S
nirkt zuweilen wahrhaft verblüffend. Ich verweise beispielsalber
auf die Artikel „Der Mäusethurm“ (S. 1—17), „Die
ergrabenen Menschen“ (S. 284—296). Die Oekonomie des
Verkes ist folgende: I. Sagenkunde. 1. Der Mäusethurm.,
i. Romulus und die Welfen. 3. Zu den Nugae Curialium des
*ualterus Mapes. 4. Die Todten von Lustnau. 5. Die Ragnar
‚odbroksage in Persien. 6. Germanische Mythen im alten
\merika. 7. Neugriechische Sagen. 8. Arabische Sagen über
\egypten. 9. Sicilische Sagen. 10. Aus Nordindien. 11. Godiva.