Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 4=14.1884

37

as abgekocht und der Absud dem Kinde zu trinken
verabreicht. Oder man reibt mit Knoblauch die
Wiege und die Fusssohlen des Kindes ein, weil dies
ein bewährtes Mittel gegen die Hexen sein soll).
In Serbien legt die Mutter in das Amulett, das
sie ihrem Kinde um den Hals hängt, ein Häuptchen
Knoblauch. Dieser Knoblauch wird aber auf folgende
Weise gezogen. Die erste Schlange, die man im Jahre
erblickt, muss man tödten, ihren Kopf vom Leibe
lostrennen und kleinstossen. In diese Stücke thut
man das Zechel von einem Häuptchen Knoblauch
nnd pflanzt das Ganze im Garten ein. Das Häuptchen,
das daraus entsteht, kommt in’s Amulett. (MıL1öRvIe
im Glasnik XII S. 158 f.)
Viele Bauern pflegen sich zu Weihnachten und
ım Fasching die Brust, die Fusssohlen und die Achselgegend
 mit Knoblauch einzureiben. In Slavonien
trägt der Bauer, natürlich die Bäuerin auch, immer
sin Stück Knoblauch als Amulett mit sich, um
gegen alle Anfechtungen von Hexen gefeit zu sein.
In der Sammlung slavonischer Volkslieder von
Torpixac finde ich zwei kurze Stücke, die hieher
gehören. Die rechtmässige Frau flucht der Beischläferin
 ihres Mannes; in ihren Augen ist sie eine
mnenschenfressende Vila, der vor Knoblauch übel
wird und die sich durch Genuss von altem Unsechlitt
den Tod zuziehen soll. Das erstere Lied lautet:
Oj inoco vilo,
Ne jedi mi tilo!
Ve ti Jedi staro salo,
Ne bi 1 tebe ve@ ne stalo,
2a ti Jedi bila luka,
Nek je tebi veca muka.
„O Du Nebenweib, Du Vila, iss’ mir meinen Leib nicht
ab! Sondern iss’ altes Unschlitt, vielleicht verschwindest Du
loch endlich einmal; ferner iss’ Knoblauch, damit Deine
Qual grösser sei!“
Das zweite :
Gdi bi meni nahudile vile,
Xad ja nosim u nedarah Cine,
3lipa mi$a i od guje repa,
Bila beza i debela veza,
„Wie könnten mir die Vile Schlimmes anthun, da ich
ım Busen Amulette trage, eine Fledermaus und den Schweif
3äiner Natter, weisse Leinwand und dicke Stickerei.“
Dass man weisse Leinwand als Amulett gebraucht,
kann ich sonst nicht belegen. Die Stickerei, welche
verschiedene Figuren und Zeichen darstellen mag,
befremdet durchaus nicht. Ich vermuthe, dass das
beza nur des Gleichklanges mit veza wegen statt
luka (Lauch) aufgenommen wurde. In solchen Vier-1)
 Arkiv za poviestnicu jJugoslovensku B. I 8. 219.

zeilen muss sich gewöhnlich in der Schlusszeile die
»rste Hälfte mit der anderen reimen. Dies bietet den
Tanzenden die Möglichkeit, am Schlusse in einen
»ascheren Takt zu übergehen und doch durch eine kleine
Yause das Hastige des jähen Endes abzuschwächen.
Ein Märchen aus Krasica im kroatischen Küstenande?)
 schildert das Treiben einer menschenhinvürgenden
 Hexe wie folgt:
„Es war einmal ein Graf, der hatte eine einzige
Tochter. Diese Tochter war ein sehr übermüthiges
ınd verwöhntes ‚Kind. Als sie herangewachsen war,
ı:chickte man sie in die Schule. Die Lehrerin, zu
ler man sie in die Schule schickte, war eine Hexe,
ron der die Kinder blutwenig lernten. Sie pflegte
zaum in die Schulstube zu kommen, um die Kinder
zu ermahnen, dann ging sie wieder hinaus und kam
'rst zurück, wenn es Zeit war, die Kinder zu entassen.
 Wenn die Hexe zufällig draussen eines ihrer
'chulkinder erblickte, so schlug und prügelte sie es
vie ein stummes Thier, Als nun des Grafen Töchterlein
um erstenmale die Schule besuchte, die Lehrerin
‚ber sich gar nicht blicken liess, so ging das
Mädchen hinaus, um doch zu sehen, wo die Lehrerin
)leibe. Sie kommt hinaus, schaut in die Luft und
la gewahrt sie ihre Lehrerin oben, wie sie eben
Kinder abwürgt. Wie das Mägdlein aber von der
‚ehrerin erblickt wurde, so drohte ihr diese von oben
nerab. Als die Schule aus war, kehrte das Mädchen
aelm und fand den sämmtlichen Viehstand zu Hause
v‚erendet. Als sie am nächsten Tage aus der Schule
ı1ach Hause kam, da fand sie die Diener und die
)ienerinnen todt. Am dritten Tage waren Vater und
Mutter todt und das ganze Haus nur mehr ein
I’rümmerhaufen. Dies alles hatte‘ die Lehrerin-Hexe
verbrochen.“ — Im weiteren Verlauf des Märchens
spielt die Hexe die bekannte Rolle der bösen
Schwiegermutter, die die Kinder ihres Sohnes und
Jer ihr missliebiger Schnur immer mit Jungen Hunden
ınd Katzen vertauscht und so bewirkt, dass der
Sohn seine Frau einmauern lässt. Schliesslich stellt
uch aber durch Gottes Wunder der wahre Sachverhalt
 heraus und die Anstifterin alles Unheils ereidet
 das Schlimmste. In unserem Märchen wird sie
yzleichfalls eingemauert ?).

1) Narodne pripovietke i pjesme iz hrvatskoga primorja.
YobiljeZio ih Fran Mikullie. U Kraljevici 1876. S. 130.
?) Vergl. Krauss Südslv. Sagen und Märchen. S. 382—384.
JAmn, Griech. u. alb. Märchen. II. S. 25 ff. Die Strigla
1. St. 66 Lemonitza. Beachtenswerth ist, dass auch bei
Yıxz. die Hexe striga genannt wird.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.