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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 4=14.1884

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m Wirbel dahin fahren, so braucht man nur ein
anges und scharfes Messer in den Wirbel hineinzuwerfen
 *). Die Hexen können dies nicht leiden, sie
yerathen in Streit um den Besitz des Messers,
ınd schneiden sich. So wird das Messer ganz und
gar blutig.
Ueberrascht man die Hexen bei ihrem Reigen,
so schonen sie Niemand, auch nicht ihren nächsten
Anverwandten. Auf irgend eine Art muss es der
Lauscher immer büssen. Davon erzählen drei Sagen
bei VALJAvEC in den „Narodne prip.“ S. 246:

4.
Es war einmal eine Mutter, die eine Hexe war.
Sie hatte einen erwachsenen Sohn, den sie zu einem
Herrn in Dienst gab. Einmal ging der Bursche auf
Fuhrlohn und gerieth, als er Nachts heimkehrte, in
lie Hexenversammlung, in welcher sich auch seine
Mutter und Tante befanden. Kaum wurde die Mutter
seiner gewahr, rief sie aus: „Wir müssen ihm die
Zunge herausschneiden, sonst erzählt er der ganzen
Welt, wir seien Hexen.“ — Schon traf die Mutter
Anstalten, um ihm die Zunge herauszuschneiden,
als sie von der Tante, d. h. ihrer Schwester daran
verhindert wurde. „Was fällt Dir nicht ein“, rief
liese aus, „Du wirst doch Deinem eigenen Sohne
ıicht die Zunge herausreissen wollen!“ — Da stand
zie ab von ihrem Vorhaben, dafür schlugen die Hexen
insgesammt auf den Burschen los, bis ihn die Kräfte
verliessen. Er hielt sich an den Strängen fest, so
dass ihn die Pferde nach Hause schleiften. Nach
Haus gekommen, war er vom überstandenen Schreck
30 gelähmt, dass er kein Wörtchen sprechen konnte.
indessen kam sein Herr sogleich auf den Gedanken,
der Bursche müsse unter die Hexen gerathen sein,
1ahm einen Besen zur Hand und schlug um ihn
herum. Endlich, mit grosser Müh’ und Noth gewann
der Arme wiederum die Sprache und erzählte dem
Herrn, wie er unter die Hexen gekommen und wie
arg sie ihm mitgespielt. Am nächsten Tag in der
Früh verfügten sich Beide zu den Nachbarn und
erzählten ihnen die ganze Geschichte. Hierauf versammelten
 sich alle Männer, gingen zu seiner Mutter
und Tante in’s Haus, banden sie fest und verbrannten
sie auf einem Scheiterhaufen.

) Im Gouvernement Archangel gilt der Wirbelwind als
der Tanz des LjeSi mit seiner Braut, Die Le&%e rauben
Kinder, nehmen sie in ihre unterirdischen Höhlen mit und
antlassen sie ganz verwildert erst nach Jahresfrist. Vrgl.
AFANASIEV, „PoetiGeskia vozrienia Slavjan na prirodu“, Moskau.
S. 303—23183.

IL.
Es waren einmal zwei Freunde, die reisten als
Kaufleute durch die Welt. Sie reisten lange, lange
Zeit mitsammen, bis sie einmal sich trennten und
ainer von dem andern nichts mehr erfuhr. Der eine
zing und ging und kam in einen Wald. Dort stand
3än verdorrter Baum, wo der Teufel jeden Samstag
lie Hexen in Beichte zu nehmen pflegte (de je vrag
zopernice vsake subote spovedaval). Der Mann wusste
nichts davon, sondern stieg auf den Baum hinauf,
ım auf ihm zu übernachten, denn die Nacht war
ıerangebrochen. Als sich der Kaufmann oben bequem
zemacht, kam der Teufel unter den Baum und
wartete auf die Hexen. Die Hexen kamen und der
Leufel forschte sie über ihr Thun und Lassen aus.
ie eine erzählte, dass sie vornehmlich Kühen die
Vilch entzogen, eine zweite gestand, dass sie Menschen
las Herz herausgerissen, die eine erzählte dies, die
ındere jenes, jede etwas, nur eine, das war die Jüngste,
alelt sich für die verschlagenste und schwieg. Fragte
sie der Teufel: „Na, was hast denn Du inzwischen
zetrieben?“ Antwortete sie: „Ich habe es der Prinzessin
 angethan, dass sie zehn Jahre keinen Schritt
wird machen können.“ Fragte der Teufel, was es
ür Gegenmittel für diese Verzauberung gebe. Sie
prach: „Es müsste ein braver Jüngling zu Pferde
z<ommen, der Jüngling müsste so lange auf dem
erde reiten, bis es ganz von Gischt bedeckt wäre,
lann sollte er das Pferd mit einem weissen Mantel
)jedecken, so dass der Mantel von dem Gischt ganz
ıass würde und zuletzt die Prinzessin in diesen
Mantel hüllen.“
Der Mann auf dem Baume hatte dies Alles beauscht,
 und als es tagte, stieg er vom Baume
ınab '). Er reiste mit seiner Waare weiter durch
lie Welt, und es traf sich, dass er gerade in jenen
Jrt gelangte, wo die Prinzessin krank lag. Er fragte
lie Diener, ob sie etwas kaufen wollen. Sie darauf:
‚Was und wozu sollten wir was kaufen? Unsere
Drinzessin ist ja krank.“ Er: ‚Könnte ich nicht da

') Es ist ein häufig wiederkehrender Zug der Sage, dass
in Sterblicher die Geister bei ihren Zusammenkünften beauscht
 und durch das, was er hört, Heilung für eine Krank-1eit
 findet. Vrgl. Kravss, Südslav. Sagen u. M, I. S. 432 ff.
'n dem Märchen „Pravda i Krivda“ (Recht und Unrecht)
ei Vuxg KaranZıc Srpske nar. prip. 1870, St. 16, S. 86 f.
;rkennt man das obige Stück als Variante. Bei Vux sind es
Tile, deren Gespräch belauscht wird. Der Genosse des Glückichen
 wird als ein verworfener Mensch dargestellt. Er wird
ıber mit Recht von den Vile zerrissen, weil er die Unge-»chtigkeit
 über Alles stellte.
            
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