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das 60 mm lange, 31—41 mm dicke Fragment eines
grossen Thonringes (Feuer- oder Herd-Ringes) aus sehr
grobem Material vor.
Die Topfscherben der zweiten Fundstelle rühren
von grösseren, bauchigen, auf der Drehscheibe gefertigten
Gefässen mit umgelegtem Rande her. Sie sind
6—8 mm dick, gut gebrannt, grau. Der Thon war reich
mit Quarzsand gemengt, daher auch die Oberfläche (trotz
einer Glättung im feuchten Zustande) körnig und rauh ist.
Wir haben es also hier mit zweierlei, der Zeit nach
weit auseinanderliegenden Funden zu thun, Jene der
ersten Fundstelle deuten auf einen Wohnplatz der neolithischen
Periode hin, jene der zweiten Fundstelle gehören
dem Burgwalltypus an und stammen wahrscheinlich
aus urslavischer Zeit, vielleicht aus der Mitte des ersten
Jahrtausends n. Chr. Beide Funde sind wohl derart,
dass eine energische Fortsetzung der Nachgrabungen
weitere Resultate verspricht und wir wünschen den
Bemühungen der Baronesse WATTMANN die besten Erfolge
5. Fürst Ernst zu Windischgrätz legt ein
Eisenschwert von St. Michael in Krain
vor, welches in der Hälfte zusammengebogen und noch
ganz in Leichenbrand und Kohle gehüllt ist.
St. Michael liegt in der Nähe von Adelsberg und
es finden sich dort Brandgräber, in welchen Bronzen
und Eisenwaffen gefunden werden, welche von den
St. Margarethener, Watscher und Hallstätter Funden ganz
verschieden sind. Das Schwert ist oben 46 mm breit,
and verschmälert sich nach abwärts, so dass es knapp
üiber der Spitze noch 25 mm breit ist. Zur Befestigung
des Griffes dient eine 120 mm lange, in der Mitte 14 mm
breite Angel. Das ganze Schwert ist 82 cm lang.
Besonders berüchsichtigungswerth ist es, dass dieses
Schwert so vollkommen zusammengebogen ist und es ist für
mich wahrscheinlich, dass es zum Zwecke des Zusammenbiegens
vorher glühend gemacht wurde. Die Verschiedenheit
der Funde von St. Michael und von Watsch deutet
jarauf hin, dass diese beiden Gräberstätten von verschiedenen
Völkerschaften benützt wurden, so wie die
verschiedene Bestattungsart (Skelet- und Brandgräber)
in Watsch selbst auch auf zwei verschiedene Nationen
hinweist. Ich bin geneigt, das Grabfeld von St. Michael
dem illyrischen Volksstamme der Japygen oder Japoden
zuzuschreiben, denn von Strabo wissen wir,
Jass die Japoden von Süden her bis Nauportus (dem
jetzigen Oberlaibach) wohnten, während weiterhin nach
Norden (Watsch und Hallstatt) die Taurisker wohnten.
Herr Szombathy bemerkt, dass dieses Schwert mit
seiner breiten, flachen Klinge, der dornförmigen Griffangel
und der steil zulaufenden Spitze den Typus der
La tene-Schwerter repräsentirt, von welchen bisher
in den Ostalpen nur vereinzelte Stücke gefunden
wurden, wie z. B. ein La tene-Schwert von Hallstatt
mit der bekannten von BARON SACKEN !) publicirten
1) Dr. E. FREIHERR VON SACKEN, Ueber einige neue Funde
im Grabfelde bei Hallstatt. Mitth. d. k. k. Central-Comm
Wien. 1875.
‚erzierten Scheide und eine Klinge von St. Margarethen
Krain) in der prähistorischen Sammlung des k. k. naturıistorischen
Hofmuseums. Ein grösserer, zusammenhängenler
La tene-Fund ist aus den Ostalpen noch nicht bekannt
zeworden und wenn unter den von Sr. Durchlaucht bis
etzt gesammelten Funden von St. Michael sich noch
äine grössere Anzahl von La töne-Stücken vorfinden
3ollten, wie dies nach den Bemerkungen Sr. Durchlaucht
sehr möglich ist, so wäre nicht nur die baldigste und
sorgfältigste Aufdeckung der noch übrigen Theile des
Gräberfeldes, sondern auch eine genaue Revision der
is jetzt aufgegrabenen Stellen geboten, um vollkommnene
Sicherheit in die Kenntniss dieser Grabstätte
zu bringen.
Das Zusammenbiegen des Schwertes mag auch ohne
Srhitzung geschehen sein, da wir ja wissen, dass diese
Waffen aus einer. sehr weichen Eisensorte geschmiedet
waren. Es hatte gewiss nur den Zweck, das Hineinlegen
der Waffen in die Urnen zu ermöglichen. Man findet
solche Schwerter und grössere Dolchmesser theils einder
zweimal zusammengeknickt, theils zusammengerollt.
6. Herr Prof, Dr. J. N. WoldFich hält einen Vortrag:
Ueber den Lagerplatz des diluvialen Mammuthfängers
bei Predmost unweit Prerau in Mähren,
lessen im Museum zu Olmütz befindliche Fundobjecte
;r kürzlich besichtigte. Zunächst gab der Vortragende
>inen Ueberblick über die bisherigen Funde aus der
Zeit des diluvialen Menschen in Oesterreich, wobei der-'elbe
bemerkte, dass in dem Berichte über den wichigen
Fund in der Gudenushöhle im Kremsthale faunitische
Versehen enthalten sind, indem da von einer
postdiluvialen Renthierzeit« die Rede sei. Seiner Anicht
nach weist das veröffentlichte Verzeichniss der
"hierreste dieser Höhle auf eine Jüngere diluviale Mischauna
(Weide- und Waldfauna) hin und die Stein- und
Xnochenartefacten dürften der diluvialen Waldzeit anzehören
und Jünger sein als jene von Zuzlawitz im
3öhmerwalde und von PFfedmost in Mähren. Hierauf
vendete sich der Vortragende zur Besprechung des
üngst bekannt gewordenen, durch Kohlen-' und Ascheneste
mitten im Löss gekennzeichneten Lagerplatzes am
echten Ufer der BeGva bei Prerau.
Nach dem Berichte Dr. H. Wankzr’s !) wurde
lieser äusserst wichtige Fundplatz von WANKEL im
lahre 1880 als solcher constatirt, nachdem bereits eine
‚rosse Menge von Mammuthknochen behufs Düngung
weggeführt wurde. Mittlerweile hat auch Herr Prof.
K. J. MASkA in Neutitschein an der Stelle gegraben
ınd eine bedeutende Ausbeute gemacht, worüber derjelbe
einen kurzen Bericht veröffentlichte ?). Die letzten
Ausgrabungen WAnkEL’s ergaben ein massenhaftes Materiale
an Mammuthknochen und Zähnen, an denen
noch die Asche und Kohlenstückehen hafteten: meist
*) Prvni stopy lidske na Morav& (die ersten Spuren der
Menschen in Mähren) Casopis muzejn. spol. olomuck6ho. Bd. I.
Nr. 3 u. 4 Olmütz 1884.
?) Neue Lössfunde bei PFedmost in Mähren. Corrspb. d.
Deutsch. Ges. f. Anthrop. ete. Jahrg. XV. Nr. 5 München 1884.