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ı. A. S. 58 Folgendes: „Die herrschenden Handels-„und
Industriemächte auf der Balkanhalbinsel im Mittelalter
waren die italienischen Republiken. ... Aber, obwohl
die Märkte des bosnischen und serbischen Binnen-:andes
in der venezianischen Handelssphäre lagen, traf
man im Innern des Landes doch nur wenige eingeborene
Venezianer oder überhaupt Italiener an. Den Zwischen-“4andel
zwischen Italien und dem bosnischen und
serbischen Reiche vermittelten die Städte an der Ostküste
der Adria, vor Allem Ragusa.
„Die vorzüglichsten Ausfuhrartikel Bosniens und
Serbiens waren: Vieh, Käse, getrocknete Fische, Thier-Felle,
Wolle, Honig, Wachs, allerlei rohe Holzwaaren
und unverarbeitete Metalle.“ (Bezüglich der letzteren
sagt JirucEK S. 47: „Die vollständige Reinigung —
affinatio, affinatura — des Metalls, besonders des Silbers
und Kupfers wurde grösstentheils erst in Ragusa oder
gar in Venedig durchgeführt. Affinatio des rag. Kupfers
in Venedig erwähnt z. B. 1334 Lyvsi6, Monum., I 435,
Die Affinatio von Silber betrieb seit 1430 in Ragusa
ein Neapolitaner MExN1CocIUS BURELLUS „per quello prexio,
che si lavora a Venezia“, wohin man es früher meist
zu senden pflegte, “) Die wichtigsten Importartikel waren
dagegen Salz und Tuch. Die Tücher und die andern
Kleiderstoffe kamen aus Venedig, Verona, Mantua, Florenz
und aus den Werkstätten von Ragusa selbst ; die Geschenke
der Ragusaner an die slavischen Herrscher und
Zdelleute bestanden einem alten Gebrauche gemäss
stets aus kostbaren farbigen Stoffen, Goldbrocate, Seide
und Sammt fanden bei dem zahlreichen prachtliebenden
Adel Bosniens und Serbiens immer einen guten Absatz.
Auch fertige Kleider wurden importirt. Die übrigen
Zinfuhrsartikel waren: Metallwaaren, einerseits Silber
and Goldschmuck aller Art, andererseits Waffen,
Aexte, Pferderüstungen und allerlei Geräthe und Gefässe,
ferner Glaswaaren (Trinkgefässe und Spiegel),
Seife, Parfümerien, Gewürze, Südfrüchte und Confecte
aller Art, Fische, Oel und endlich Wein... .. Die Waaren
wurden ohne Ausnahme auf Tragthieren transportirt,
auf Saumpferden, Maulthieren oder Eseln; nie werden
Wägen erwähnt, die ja nach dem frühen Verfall
der römischen Strassen und vor der Anlage moderner
Chausseen gar nicht fortkommen konnten. Es war aber
nicht nur ein Karawanen-, sondern zum guten Theile
auch noch ein Tauschhandel, dessen Spuren
wir bis zum Ausgang des Mittelalters verfolgen
können. In der Stiftungsurkunde des serbischen Klosters
Ziba (1222—1228) und in dem Handelsvertrage des
bosnischen Bans STEPHAN mit den Ragusanern (1332)
erscheinen Ochsen als Zahlungsmittel, anderweitig
sehen wir ein Pferd um 16 Ellen Stoff verkauft oder
eine gewisse Arbeit gegen grosse Quantitäten Käse
verrichtet!
Nun noch ein Wort über die venezianischen Waffen
der „späteren bosnischen Helden“. In einem serbischen
Volkslied — wir verweisen für unsere deutschen Leser
auf die Uebersetzung in FrAankKL’s GusLEe SS. 39 £. —
creibt ein christlicher Kaufmann auf der, Hochebene
von Glasinac tausend Ochsen vor sich hin „an’s dicke
Meer“; er begegnet einem nach schönen Waffen lüsternen
Türken und sagt zu ihm:
„Nach Venedig treib’ ich meine Ochsen,
Bis die tausend Ochsen ich verhandelt,
Kauf’ ich sicher Dir die blanken Waffen,
Lass’ vollenden sie in unserm Zara. —“
Das ist sehr interessant. Man wird nicht glauben,
ass die Waffen erst in Zara u. zw. von slavischen
{ünstlern montirt wurden; sondern sie erhielten dort
on Leuten, die mit dem Geschmack der hinterländischen
jevölkerung vertraut waren, gewisse eigenthümliche Zuhaten.
Auf die Klingen wurden etwa eine slavische
nschrift gesetzt, wie dergleichen noch heute üblich
st, um die Flinten noch ein paar plumpe Goldringe
‚eschmiedet, wodurch der Preis sich wesentlich erhöhte,
u 8. w. An der langen „überseeischen“ Flinte (ein
tehendes Epitheton der Feuerwaffen in südslavischen
rolksliedern), welche der erwähnte Kaufmann trägt,
ind dreissig goldene Ringe, jeder im Werth von zehn,
:;er letzte aber von dreissig Dukaten; kein Wunder
]so, dass der Türke für solche Waffen tausend Dukaten
;ahlen will. Eine gute Flinte heisst im serbischen
Teldenlied ohne weitere Bezeichnung blos „ Venezianerin“
der „Brescianerin“. Wir waren selbst in der Lage, wäh-‚end
der Entwaffnung Bosniens im Jahre 1878 zahlreiche
Nagenladungen zum Theil uralter Waffen, die sich
ıls Erbstücke durch viele Generationen erhalten haben,
zu sehen und ihre „überseeische“ Provenienz zweifellos
zu constatiren. Es gab freilich noch ein anderes Mittel,
ıls Kauf oder Tausch, um sich in den Besitz dieser
ielbegehrten Prunkstücke, sowie anderer fremder Kostbarzeiten
zu setzen. Das war der unter dem Namen Handelszoll
von den bosnischen Duodezfürsten des Mittelalters
ınd ohne jeden Euphemismus von den „späteren Helden“
schwunghaft betriebene Strassenraub an den Handelscarawanen
der Seestädte, Auch hiefür bieten die Archive
jer letzteren und das nationale Volkslied zahlreiche
zZelege; doch haben schon im Mittelalter nicht nur
lie erwähnten Herren, sondern auch das gemeine Volk
n manchen Gegenden (s. z. B. JirEGEK S. 25) neben
ler ortsüblichen Kohlenbrennerei auch jenem einträglicheren
Erwerbszweig gehuldigt. Noch im XV. Jahrlundert
lebte SrArRınA Novar, welchen KArpper den
Tater und das Urbild des bosnischen Haidukenthums
ıennt. Vierzig Jahre, wenn wir den epischen Liedern
rlauben: dürfen, hielt sich dieser würdige Greis im
lomanjagebirg, welches die Strasse von Sarajevo nach
iogatica und weiterhin nach Visegrad und Serbien
lurchzieht, lauerte auf „des Gestades Kaufherrn“ und
ıahm ihnen ihr Gold und Silber, ihre Zeuge, Stoffe,
3ammt und Seide, um sich und seine Gefährten kostbar
m kleiden. In unzähligen Variationen wird die Thätigkeit
rieler späten Helden als eine im Grunde ganz ähnliche
‚eschildert.
Der Karawanenhandel vom adriatischen Litorale in’s
nnere Bosniens und Serbiens hat nach dem Einbruche
ter Türken nicht ab- sondern eher zugenommen und wurde
ron den Osmanen durch den Bau von Brücken und
Xarawanserail’s zum Theil grossartig unterstützt, wobei
lie mit dem osmanischen Reich verbündete Republik
Ragusa vielfach kräftige Hilfe leistete. Die mannigfachen
aistorischen Umstände, welche denselben zuerst begün-;stigten
und dann seinen Verfall herbeiführten, gehören