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als Ambos diente, wie eine Schmiedefurche lehrt. Das
Metall‘ muss in die Länge geschmiedet worden sein,
etwa in Form von Schwertern, Lanzen u. dgl. Ich sah
im Karpathenmuseum alte Sicheln ganz eigenthümlicher
Form, die auch aus prähistorischer Zeit stammen mögen.
Vielleicht sind sie wie die Funde von Neu-Walddorf
aus dieser Fabrik.
Mein Augenmerk war ganz besonders auf das Vorkommen
von Erzstückchen gerichtet, um aus ihnen
ginen Schluss zu ziehen, woher das Eisenmateriale genommen
wurde. .
Ich fand auch bald etliche Stücke Rotheisenstein,
theils noch mit granatischem Gesteine behaftet, ganz
so wie ich ihn vorigen Jahres von den Wänden der
Gerlsdorfer Spitze losbrach und Stückchen von Eisenglanz,
wie ich selben am Kastenberge antraf. .
Es müssen sehr arme Leute gewesen sein, die diese
geringen Erzklümpchen sammelten, so weit aus der
Felswüste des Felkaer Thales herabbrachten und sie
hier so primitiv schmolzen und schmiedeten, wie etwa
heute die Volksstämme Afrikas. ;
Gewiss sind noch viele derlei Schlackenhalden und
Schmelzen in dem Wäldern der Tatra verborgen. So
soll eine etwa 1’/, Stunden von hier auf Mühlenbacher
Gebiet sein, die besser erhalten und grösser ist;
sie soll auch‘ noch Mauerreste weisen. Leider konnte
ich sie heuer nicht besuchen, da die Witterungsverhältnisse
zu ungünstig waren. .
7. Vortrag des Herrn Dr. Michael Haberlandt:
Sind die Indogermanen in Europa eingewandert?
Die Ansicht, dass die Indogermanen aus Asien nach
Europa gewandert seien, ist alt und war vorhanden,
ehe man irgend welche wissenschaftliche Mittel besass,
sie zu stützen. Sie war hervorgegangen aus der Auffassung
Asiens als der Geburtsstätte der Menschheit
ınd menschlichen Gesittung überhaupt, also aus einer
Deberlieferung des Alterthums. und des christlichen
Mittelalters, welche sich aus mannigfachen wunderlichen
und ehrwürdigen, aber gewiss immer unsachlichen
Vorstellungen und Gründen herausgebildet hatte.
Wie war aber überhaupt eine wissenschaftliche Erkenntniss
von der Herkunft und‘ den ursprünglichen
Verhältnissen der europäischen Völker zu gewinnen?
Die Völker haben keine Erinnerung ihrer Urzeit bewahrt;
weder wenn sie sich für Autochthonen in ihrem
Lande halten, noch wenn sie in Wandersagen die
Erinnerung an die Herkunft aus einer fernen Heimat
bewahrt zu haben scheinen, lässt sich solche Sagenvorstellung
für geschichtliche Erkenntniss benützen.
Da trat als erste der wirklich wissenschaftlichen Erkenntnissquellen
für den Ursprung unseres Stammes
die durch Franz Borp begründete indogermanische
Sprachforschung auf. Die durch sie erwiesene Einheit
der europäischen Sprachen mit den iranischen und
indischen Idiomen setzte eine prähistorische Einheit
und Continuität der Stämme voraus — das Postulat
eines Urvolkes war gegeben. Unmöglich konnten alle
Indogermanen Europas und Asiens Autochthonen sein. —
vo war der Schauplatz ihres einstigen Zusammen wohnens ?
Seit fast einem halben Jahrhundert arbeitet die Sprachwissenschaft
an der Lösung dieses Problems, welches
‚on eminent historischer Bedeutung ist; sie thut es in
jelseitiger Weise durch vergleichende Analyse der
iprachen ihrem lautlichen und grammatischen Bau nach,
lurch Ermittlung des primitiven, urgeschichtlichen Culurzustandes,
der dem Sonderleben der Völker vorausing,
als linguistische Paläontologie, und endlich durch
Jombination aller geographischen und historischen Monente,
welche irgend einen Hinweis für die geogra-»hische
Bestimmung der .indogermanischen Urheimat
inschliessen. Diese indogermanische Forschung ist nun
ın einem neuen Wendepunkt angelangt; sie wird bald,
xie sie überhaupt‘ das erste Wort in der Frage, ob
lie Bevölkerung Europas autochthon oder eingewandert
zei, gesprochen hat, ihr letztes Wort in dieser Sache
zeredet haben, und die Resultate, zu denen sie mit
hren Mitteln gelangen konnte, andern Erkenntnissjuellen,
andern Diseiplinen, der physischen Anthropologie,
ler Prähistorik zur Prüfung und Benützung überlassen
nüssen. Ich will in Folgendem versuchen, den gegenwärtigen
Stand der indogermanischen Heimatfrage vom
inguistischen Standpunkt, soweit die sprachlichen Data
in Urtheil darüber ermöglichen, zu schildern. Dazu
wird aber nöthig sein, den Weg, welchen die Forschung
lahin genommen, wenn er auch ein Umweg scheint,
m berühren; denn im Hin und Wider der Meinungen
vurde erst der ganze Umfang alles bei der Frage in Be-Tracht
Kommenden klar, wurde das Problem selbst
jefer und weiter.
Bereits vor etwa 30—40 Jahren schien die Frage
aach der ursprünglichen Heimat des indogermanischen
Urvolkes definitiv entschieden zu sein. Asien, die unzeheure
officina gentium und speciell die Thäler des
Ixus oder die Abhänge des Mustagh und Belurtagh
oetrachteten die Sprachforscher und mit ihnen die ganze
zelehrte Welt als den ersten Ausgangspunkt der Indozermanen,
als ihre Urheimat, von welcher aus sie in
verschiedener Richtung und zu verschiedenen Zeiten
wandernd und nomadisirend ihre späteren Sitze erveichten.
Wenn den ersten, ehrwürdigen Entdeckern
ler indogermanischen Spracheinheit diese Annahme einer
prähistorischen Völkereinheit zunächst nur als Hinterzrund
für die Erklärung des Zusammenhanges der indozermanischen
Sprachen diente, so begann jener Gedanke
loch auch bald in seiner eminent historischen Bedeutung
und Wichtigkeit erkannt zu werden. Männer,
wie Ruopge, Porr, Lassen, Grimm regten all die histoischen
und ethnographischen Fragen, welche mit der
irkenntniss der indogermanischen Spracheinheit in Verindung
stehen, auf’s Eifrigste an und führten sie einer
Lösung zu, welche eine definitive zu sein schien, ein
Jauerndes Besitzthum der Wissenschaft. So sprach JAcozr
7RIMM aus der vollen Ueberzeugung der wissenschaftichen
Welt. seinerzeit heraus,‘ als er in seiner „Geschichte
der deutschen Sprache“ (1848) sagte: „Alle
Völker Europas sind in ferner Zeit aus Asien eingewandert;
vom Osten nach dem Westen setzte sie ein
ınhemmbarer Trieb, dessen Ursache uns verborgen liegt,
n Bewegung, Je weiter gegen Abend wir ein Volk