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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 4=14.1884

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besitzt, befinden sich unter Anderem verschiedene Bronze:
bleche mit getriebenen Punktornamenten, mehrere Situlahenkel,.
 eine halbkreisförmige Fibula ete.
Das neuerworbene Fragment (vergl. die nachstehende
Fig. 56) lässt deutlich zwei übereinander geordnete
Zonen erkennen, welche durch Reihen von getriebenen
Punkten und Buckeln getrennt sind. Die Punktreihen
sind auf der Rückseite mit dem Stichel vorliniert. Die
Thierfigur ist von Innen heraus getrieben, die Contouren
zind theils fortlaufend, theils in kurzen Strichen von
Aussen eingeschlagen, ganz ähnlich wie auf den Situlen
ron Watsch und von Matrei, Die nahe Verwandtschaft
unseres Bruchstückes mit den analogen Funden von
Krain, Tirol und Oberitalien in Bezug auf Composition,
Zeichnung. und Technik ist so in die Augen springend,
lass es. weiterer Ausführungen nicht bedarf.
Das Pusterthaler Fragment scheint von einem Gürteloleche
 herzurühren. Dafür spricht der angenietete Schliesshaken
 (resp. Schleife), der geradlinig verlaufende untere
Rand, vor Allem aber die an diesem angebrachte Reihe
ron äquidistanten kleinen kreisrunden Oeffnungen. Diezelben
 dürfen entschieden nicht als Nietlöcher gedeutet
werden, sondern dienten ohne Zweifel zur Befestigung

ron Hangschmuck. Derartigen Bronzegürteln mit hänzenden
 Kettchen und Klapperblechen begegnen wir ja
zuch anderwärts nicht selten, z. B. unter den Hallstätter
 Funden.

5. Herr Ingenieur Ferdinand Brun in Kottes beuchtet
 über
Schalensteine bei Arbesbach in Niederösterreich.
In der Gemeinde Lohn bei Arbesbach, ON O0. von
Ottenschlag, am rechten Ufer des Lohnbaches, auf
Jem höchsten Punkte der Höllleiten, findet man in
äinem Umkreise von etwa 100 m eine grössere Anzahl
mächtiger Granitblöcke, welche in Folge der Verwitterung
von dem Grundgebirge ganz abgetrennt sind. Die sechs
zrössten Blöcke zeigen auf ihrer oberen Fläche Vertiefungen
 von circa 120 cm Länge, 70-—80 cm Breite
ınd 30 cm Tiefe mit je einer rinnenförmigen Abfluss-5ffnung,
 welehe offenbar absichtlich in den Stein eingemeisselt
 sind. Das Volk kennt diese Vertiefungen und
nennt sie im Allgemeinen „Wändeln“ und eines davon
‚das steinerne Bründl“, An dieses knüpft sich die Sage,
lass die heilige Maria, als sie von Böhmen nach Maria-Zell
 auswanderte, an dieser Stelle gerastet und das
Jesukindl im steinernen Bründl gebadet habe. Die aus
lem Waldviertel nach den verschiedenen südlicher geegenen
 Gnadenorten ziehenden Bittprocessionen rasten
»"agelmässig bei diesem steinernen Bründel und das in

iemselben . sich. sammelnde Regenwasser gilt den Wallahrern
 als ‚geweiht und als heilkräftig bei Augencrankheiten.
 .
Diese Sage von der heil. Maria ist ein interessantes
Zeispiel der so häufigen Uebertünchung heidnischer
Irinnerungen mit christlicher Legende und ihre Form
jeigt, dass diese Christianisirung in einer sehr späten
Zeit geschehen sein muss.
Ein solches „Wändel“ findet sich auch am Fusse
ier Schlossruine von. Arbesbach, unmittelbar unter
hrer nördlichen Umfassungsmauer. Ein weiteres fand
ch am linken Ufer des Kamp, bei Rappoltenstein.

6. Herr J. Spöttl übersendet eine Notiz über
Eine Metallschmelze aus prähistorischer Zeit in der
Tatra.
Durch die Güte des Herrn Dr. N. v. SZONTAGH,
3Zesitzer des Bades Neu-Schmeks, kam mir zur Kenntılss,
 dass in der Nähe dieses Ortes, mitten im Hochvalde,
 eine Anhäufung von Schlacken sich befinde. Ich
ıntersuchte in den letzten Tagen des Juni dieses Jahres
n Gesellschaft des Herrn v. SzonTAGH und des Direcors
 des Felkaer Tatramuseums, Herrn A. W. SCHERFEL,
liesen Ort. .
Etwas mehr als eine Viertelstunde vom Bade in der
lchtung gegen SO. liegt nahe an einem schönen Ge-»irgsbache
 die Schlackenhalde. Das ganze Aussehen des
Irtes weist darauf hin, dass hier in der Nähe eine alte
Strasse vorbeizog, ja man sieht sogar Spuren von ihr
ınter den mächtigen Fichten. Sie zog dicht an der
Schlackenhalde vorbei, hinunter gegen Schlaggendorf
3twa und anderseits hinauf gegen das Felkaer Thal.
Der Schlackenhügel mag ursprünglich etwas mehr
ıls 1m hoch gewesen sein. Der Umfang mag 12—15 m
getragen. Schon nach den ersten Spatenstichen kamen
wir zur Ueberzeugung, dass wir es hier mit. einer
Schmelze aus vorgeschichtlicher Zeit zu thun hatten;
wir fanden nämlich, wenn auch nur spärlich, aus
ichlechtem Materiale primitiv geformte und mangelhaft
zebrannte Topfscherben, die deutlich zeigten, dass die
zefässe noch aus freier Hand gefertigt waren. Die
refässfragmente sind von selbem Material und von
ielber Form, wie ich sie voriges Jahr auf der sogeı1annten
 Neu-Walddorfer Burg fand, einem zerstörten
»rossen Tumulus, in dem man Eisengeräthe, Schwerter,
‚anzen und Sicheln gefunden haben soll. Ich selbst
and den Theil ‚eines eisernen Halsringes dortselbst.
Joch besehen wir uns nun das Schlackenmaterial geıauer.
 Es sind Eisenschlacken, mit oft sehr grossem
tehalte von Eisen, darunter oft ganze Klumpen fast
einen Eisens, stark vom Rost zerfressen und eine Menge
‚on Holzkohlen, Bei dem Fortschritte der Grabungen
sahen wir deutlich, dass rundum Steine gelegt waren
ınd Lehm gehäuft war, kurz Alles gethan, um einen
;chmelzofen zu fertigen. Wir fanden auch bald die
leste eines Gusslöffels von. genau derselben Form, wie
ze Dr. M. Mvca aus den Pfahlbauten des Mondsees
ırhielt. Wir fanden auch’ etliche Schritte zur Rechten
Xinen mächtigen Granitblock. der allem Anscheine nach
            
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