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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 4=14.1884

45]

Nach den Historikern waren die Umbrer die ersten
Einwanderer aus unseren Alpen nach der Poebene, dann
zollen die Etrusker gefolgt sein, welche die Umbrer
ınterjocht haben und nach den Etruskern waren es
lie Gallier, welche über die Alpen nach Oberitalien
zogen. Alle diese Völker müssen die ihnen eigenthümiche
 Cultur mitgebracht haben.
Das, was trotzdem immer noch von anderer Seite
oetont wird, ist: dass die Hallstatt-Cultur von Süden,
d. h. aus Italien nach dem Norden gekommen sei und
diese Ansicht ist es eben, die ich durch die Funde
von St. Margarethen und Watsch für vollständig beseitigt
 glaube. Es sind mir keine Funde bekannt,
welche so vollkommen zu den Darstellungen auf den
Situlen von Bologna, Este, Watsch und Matrei passen,
wie unsere Funde von Watsch und St. Margarethen.
\n diesen Orten sind die Menschen, namentlich die
Xrieger mit ihren Helmen und Waffen thatsächlich
ausgegraben worden, welche auf jenen Situlen und auf
lem Gürtelblech von Watsch dargestellt sind. In unseren
Alpen haben also die auf unseren Bronzegefässen dargestellten
 Menschen wirklich gelebt, das ist eine unzweifelhaft
 festgestellte Thatsache, Die Darstellungen
sind nach dem Leben gemacht, allerdings mit Kunstoraktiken,
 welche ursprünglich dem Orient entnommen
sein mögen; mit dem archäisch-griechischen Kunstkreis
haben sie ungemein viele Berührungspunkte.
Das Schwert von Hallstatt, auf welches hingewiesen
wurde, gehört nicht dem Hallstätter Formenkreise an,
sondern dem der La Tene-Periode und ist vielleicht ein
zallisches Erzeugniss.

5. Herr Dr. Graf Adalbert Dzieduszycki:
Man hat, meine Herren, vielfach die Aehnlichkeit
Jer einerseits in Watsch und Hallstatt, und andererzeits
 im Süden gefundenen Bronze- und Kisengegenstände
 hier besprochen. Man hat auch die "Theorie
ausgesprochen, es wäre das Volk, welches die erwähnten
Gegenstände verfertigte, von Norden nach Süden mit
seiner ganzen, bereits fertigen Cultur vorgerückt und
a hätte die Erzeugnisse seines Fleisses mit sich aus
den Alpenländern nach Italien getragen. Wäre diese
Hypothese richtig, so wäre das Hallstatt-Watschervolk
irgendwo aus Nordwest-Asien durch Nordost-Europa
vorgerückt und wir würden die hier besprochenen
Gegenstände in allen nordslavischen Ländern, und zwar
in einem älteren Stadium ihrer Entwicklung finden.
Ich werde nun wohl auf einige ähnliche im Norden
vorgefundene Gegenstände Ihre Aufmerksamkeit richten,
ich werde aber dabei bemerken, dass diese Gegenstände
ziemlich vereinzelt und meiner Ueberzeugung nach viel
jünger sind, und dass daher die Wahrscheinlichkeit der
nordischen Provenienztheorie mir gering erscheint.
Man hat an der äussersten Ostgrenze Galiziens vor
5 Jahren in Michalkowice einen reichen Goldschatz
aus den ersten Jahrhunderten vor Chr. gefunden, der
jetzt Eigenthum des Dzieduszycki'schen Museums in
Lemberg ist. Das an ein jonisches Capitäl mahnende
Irnament, welches Professor BENNDORF mit so grossem
Nachdruck gezeigt hat, findet sich in diesem Schatze
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. B. XIV. 1884. Verhandlunge

t und auch plastisch wiederholt, manchmal in vollzommen
 ausgebildeter, manchmal in mehr archäistiıcher
 Form,
Es werden überhaupt im Norden, in Polen, auch
ındere ähnliche Gegenstände gefunden, Es ist aber in
ler ganzen Periode Eisen in Polen äusserst selten,
3ronze dagegen gewöhnlich, Gold ziemlich häufig. Die
n Hallstätter und Watscher Knochengräbern vorge-'undenen
 Urnenformen sind meines Wissens in Polen
ınbekannt, dagegen ist die Form der Urnen aus den
3randgräbern eine gewöhnliche und reicht bis in die
;hristliche Zeit hinein. Es finden sich auch Helme
vie in Watsch vor; man hält sie aber allgemein für
sehr späte Gegenstände. Daneben bestehen aber auch
zrosse und durchschneidende Unterschiede zwischen den
»olnischen und den alpenländischen Funden.
Ich glaube, meine Herren, wir haben in Wirklichzeit
 sowohl in Polen, 'als in den Alpenländern und
ıllenthalben in Nordeuropa mit dem Einfluss der griehischen
 Cultur zu thun, die auf verschiedenen Wegen
ınter die Barbaren eindrang und es wird vielleicht
.berhaupt angezeigt sein, die Aufmerksamkeit der
Porscher mehr auf die Texte alter Schriftsteller zu
ichten, wodurch wir vielleicht oft Auskunft bekommen
verden, sowohl über die Völker, welche Bronze- und
lisengegenstände verfertigt haben, als auch über die
Wege, auf welchen der griechische Einfluss zu ihnen
zelangte.
Um zu den Hallstatt-Watscher Gegenständen zurückzukehren,
 so halte ich schon des Vorwiegen des Eisens
:ür einen Beleg ihrer späten Entstehung. Die Bronze
spielte noch im früheren classischen Alterthum eine
sehr vorwiegende Rolle, Als ein König von Lydien im
sechsten Jahrhundert vor Chr. dem delphischen Gott
än ausserordentlich kostspieliges Geschenk machen
wollte, liess er nicht ein goldenes, sondern ein eisernes
jefäss verfertigen. Eine uns zufällig durch Diodor von
Yicilien erhaltene Nachricht versichert, dass, als der
’hokische Strateg Onomarch sein Volk zum heiligen
Criege im vierten Jahrhundert vor Chr. rüstete, er ihm
el mehr bronzene als eiserne Waffen verschaffte,
Nürden wir nun zugeben, es hätte eine Eisenzeit in
len Alpenländern schon früher gegeben, so würden wir
ınsere Begriffe über den Gang der Cultur auf den
Kopf stellen.
Es findet sich weiter in Hallstatt eine ungewöhniche
 Menge von Bernstein vor. Ich will mich gar nicht
n die Frage einlassen, ob wir hier etwa mit nordichem
 oder etwa mit viel späterem, im Alterthum ganz
ınbekanntem sicilischen Bernstein zu thun haben.
ch will zulassen, wir hätten hier nordischen, also aniken
 Bernstein. Er war im frühen Alterthum an den
zestaden der Adria eine Seltenheit, von deren Ursprung
nan sich die abenteuerlichsten Sagen erzählte, ähnlich
vie von dem Ursprunge des Goldes, von dem man fa-‚jelte,
 es stamme aus dem weitesten Arimasperlande,
irst um die Zeit Christi wurde der Bernstein so gevöhnlich,
 dass nach dem Zeugnisse des Plinius die
y‚enetischen Bauerndirnen am Nordgestade der Adria
len Bernstein als den gewöhnlichsten Schmuck geırauchten.

            
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