Boiern, die aus ihrer Heimat gewichen und ohne
Zweifel zahlreich im Kriegsgefolge der Markmannen
und Allemannen vertreten waren) vielmehr die verlorene
Heimat wieder zu gewinnen und von der
Fremdherrschaft zu befreien.
Durch diese etwas weitläufig gewordene Ausführung
glaube ich meine Zweifel an den Wanderungen
der Baiern und ihrer Abstammung von den
Markmannen gerechtfertigt zu haben. Die von Zzuss
ängeleitete Stamm- und Wandergeschichte des Baiervolkes
will aber auch in Baiern selbst nicht überall
nehr verfangen, denn wie im oberbaierischen Archive
B. 41) zu lesen, hat man dort neuestens wieder
andere Stammeltern als die Markmannen — die
‚alamannischen“ Juthungen entdeckt.
Salzburg, im März 1883.
Südslavische Hexensagen
Von
Dr. Friedrich S. Krauss.
Ueber den Hexenglauben bei den verschiedensten
Völkern, hauptsächlich aber bei den Deutschen, besteht
schon eine ungeheure Literatur, nur über den
südslavischen ist so gut wie nichts, oder ganz genau
ausgedrückt, gar nichts in deutscher Sprache veröffentlicht
worden. Aber auch die Südslaven können
sich nicht berühmen, dass in ihrer weitverbreitetsten
Schriftsprache, der serbisch-kroatischen, eine eigentche
Untersuchung über diesen Gegenstand je geschrieben
worden wäre. Im Nachfolgenden will ich
liesem Mangel abhelfen, indem ich mich dazu umsomehr
berechtigt fühle, als mir erstens aus meinen
Jugendjahren nicht wenig Erinnerungen an Hexenglauben
haften geblieben, und zweitens, weil mir eine
Reihe höchst werthvoller, bisher noch nirgends publizirter
privater Mittheilungen von wackeren Freunden
zur Verfügung gestellt wurde, wodurch ich in die
Lage versetzt bin, ein ziemlich anschauliches Bild
zom südslavischen Hexenglauben entwerfen zu können.
Den grössten Theil des vorliegenden Stoffes verdanke
ich der Güte des Herrn Prof. M. VALJAvEC,
der im Jahre 1859 eine Sammlung kroatischer Sagen
ınd Märchen veranstaltete; an zweiter Stelle bin
ich zu grossem Danke meinem Freund F. R. PıomL
HerDvicov, Notar in Warasdin, verpflichtet, der einen
ganzen Stoss nicht zu unterschätzender Notizen über
Volksglauben niederschrieb und mir einschickte; besonders
dankbar aber bin ich meinem Freunde
Pyımrr Löw, derzeit Advocaturspraktikanten in Kreuz
in Kroatien, der es so meisterhaft versteht, sich in
Jas Volksthum hineinzuleben und noch meisterhafter
las Gehörte mit phonographischer Treue zu Papier
zu bringen. Vorzügliche Belege bietet mir auch eine
angedruckte Sammlung von tausend Volksliedern
aus Slavonien, die mir jüngst von Herrn NıxorA
TorDiNAc, einem vielversprechenden jüngeren südslavischen
Folkloristen, behufs einer kritischen Würligung
des reichen Stoffes zugesandt wurde. Mehrere
Yarallelen zu anderweitig schon beglaubigten Nachichten
erzählte mir mein verehrter Freund Hauptmann
C. Größer, der bekannte Interpret der Lieder
‚om Königssohn Marko. Einige Nachrichten über
yulgarischen Hexenglauben theilte mir brieflich mit
ıın Freund Promr’s, Herr Bruno Dürrıen, jetzt Finanzbeamter
in Agram. Im abgelaufenen Winter forschte
ar einen damals gerade in Agram weilenden Bulgaren
iber bulgarische Weihnachtsgebräuche aus und dabei
ntfiel Einiges auch auf Hexen, wie diese um die
Vitternachtsmette in der Kirche ihren Unfug treiben.
Jieser Glaube, von dem später die Rede sein wird,
st im ganzen slavischen Süden derselbe, wie denn
ıberhaupt die Bulgaren sich kaum in einer Hinücht
in Volksglaube, Sitte und Brauch durch be-;onders
augenfällige Eigenthümlichkeiten von den
3ruderstämmen der Serben, Kroaten und Neuslovenen
ınterscheiden, wovon :ich mich durch eingehendes
Studium des südslavischen Volksthums täglich mehr
iberzeuge.
I. Der Name.
Der eigentliche slavische Name für Hexe ist
7zjeStica, bulg. vjeSe@irica, für den Hexenmeister
ieStac. Die Etymologie des Wortes ist klar. Es
jedeutete ursprünglich die Wissende, der Wissende,
lie Kundige und hat in Nebenformen noch in der
vegenwärtigen Sprache diese Bedeutung beibehalten;
zeda neuslovenisch: das Wissen; neveda ein Unvissender:
vedavica Kartenaufschlägerin (Russ.