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Annahme um so wahrscheinlicher erscheinen, dass
die gegenwärtige Bevölkerung unserer besprochenen
Gegend ebenfalls zum Theile als Abkömmling des
neolithischen Erdhüttenvolkes dieser Gegenden anzusehen
wäre, weil sich dieses Volk über ein weites
Gebiet erstreckte, seine Ansiedlungen sehr dicht waren
und seine Zahl somit eine bedeutende gewesen ist.
Ein solches Volk, das noch dazu von Viehzucht und
Ackerbau lebte, verlässt nicht insgesammt seine
Sitze, es klebt an der Scholle; an ein Aussterben
desselben ist nicht zu denken. Dasselbe nahm vielmehr
nach und nach die Metalle auf, errichtete
während unruhiger Zeiten, so beispielsweise während
der sogennannten Völkerwanderung, befestigte Plätze
und blieb weiter auf dem Boden, den es so lange
hearbeitete.
Es ist schon oben bemerkt worden, dass die
heutige Bevölkerung Lithauens die in der Nähe
der neolithischen Grubenwohnungen vorkommenden
Gräber mit Leichenbrand „Zale“ oder „Zalniky“')
nennt, genau so wie ihre gegenwärtigen Friedhöfe,
SxorLik *) weist nun darauf hin, dass dies nur möglich
ist, wenn dieselbe Bevölkerung, welche die
Grubenwohnungen errichtete und ihre Leichen verbrannte,
sich bis heute in jenen Gegenden erhalten
hat. Nun ist es interessant, dass unterhalb des RivnäG
das uralte Dorf „Zalov“ 3) (ein Ort des Leides)
auf einem einstigen Begräbnissfelde liegt, auch sind
in Zalov zugeschliffene Steinwerkzeuge *) und Gefässscherben°)
bekannt, welche mit jenen des Rivnät
stimmen. Einzelne schön geformte und mit KEinschnitten
verzierte Knochenartefacte des Rivnä& aber
erinnern an die von G. Ossowsrxı®) in den Höhlen
bei Krakau entdeckten, so merkwürdigen Knochenartefacte.
Dass das Hradist& am Rivnä® mit seinen Bronzeresten
und das dazu gehörige Gräberfeld von Unö@tic
mit theilweise gleichen Bronzen einem slavischen
Stamme angehören dürfte, könnte aus dem Umstande
gefolgert werden, dass (nach Swmouix’s Bericht
an v. a. O0.) südlich unterhalh des Bivnäg die
') Zal = Leid, Betrübniss.
?) Pamätky archeolog. B. XII, Heft 7, 1883.
3) Vergleiche auch: Zalany (Schallan) bei Schlan und
Zelenic, beide mit alten Gräbern.
4) Siehe SmoLik an v. a. O.
5) Siehe SCHNEIDER an Y, a. OÖ.
6) G.Ossowsxı: Trzecie sprawozdanie z badan w jaskiniach
okolic Krakowa. Zbior wiad. do Anthrop. Kraj. Tom. VI
Izial I. 1882.
erühmte Burg „Levy Hradec“ stand, von der Kosma
arzählt, dass sie bereits in der zweiten Hälfte des
ıchten Jahrhunderts ein Fürstensitz war, zu einer
Zeit, in welcher Neklan mit Vlatislav am benacharten
Felde Krieg führte und wo der böhmische
Fürst BoFivoj im Jahre 884 die erste Kirche Böhmens
arrichtete. Es ist nicht wahrscheinlich, dass die
5Slaven, wenn sie erst im 6. Jahrhundert nach Böhmen
ınd in die benachbarten Gebiete eingewandert wären,
aicht nur schon im 8. Jahrhundert in der Burg
Levy Hradec einen Fürstensitz gehabt, sondern
ıuch im 7.°) und 8. Jahrhundert so viele Ansied-‚ungen
und feste Plätze in ganz Böhmen und Mähren
ınd darüber hinaus besessen hätten, wie dies die
Geschichte lehrt. Doch sind dies Fragen, die heute
allenfalls, ohne jede einseitige Voreingenommenheit,
angeregt werden dürfen, einer Beachtung werth, aber
noch nicht entschieden sind.
d) Eeste der neolithischen Fauna,
An die von mir bestimmten und in meinen früheren
Publicationen veröffentlichten Thierreste reihen
sich die nachstehenden Bestimmungen der letzten
Jahre an:
Eingesendet durch Herrn Lup. SCHNEIDER aus der
1eolithischen Station Liben: Canis fam. intermedius
NouD. Bos (brachyceros Rürm.), Cervus elaphus L.,
us scropha L., ein ungewöhnlich grosser, mit Feuerstein
;tark bearbeiteter Eckzahn (Länge von der Spitze zur
Nurzel 14 cm); Sus seropha palustris Rürm., Equus
Jab. minor Wornpn.; Bos sp., ein kurzer, sehr flacher
stirnzapfen, Bos taurus L. (Primigeniusrasse 7), Ovis
'„ Aus der Station VeliS: Bos taurus L. (ein grösseres
Aind), Bos brachyceros RürTm.?, Ovis, Aus Popovic:
us scropha (palustris RüTm.); Equus Cab. minor Woip.
Aus Neu-BydZorv, Sror’s Ziegelei, Aschenlage: Equus
ab. minor WoLrpD. Bos brachyceros Rütm.; Bos taurus
L. (Primigeniusrasse ?), Capra (hircus L.), ungewöhnich
grosser Stirnzapfen. SCHNABEL’S Ziegelei, Aschenage:
Equus Cab. minor Worp., sehr viele Reste; Cervus
elaphus L., Ovis, Sus, Bos taurus L. (Primigeniusrasse
?), Bos brachyceros RürTım.; Homo, Fibula und
Radiusfragmente von einem ziemlich (nicht sehr) grossen
Individuum. N
Eingesendet durch Herrn Crrmir in Cäslau aus
äiner Aschengrube bei der Spiritusfabrik: Bos brachyzeros
Rürım., unter zahlreichen Resten ‚ein Schädel
vollkommen gleich dem der Pfahlbauten der Schweiz,
30s L., eine mittelgrosse Rasse, vielleicht Kreuzung;
Ovis, eine sehr kleine Tibia, Equus Cab. minor Wo_p.,
Equus Caballus L., Cervus elaphus L., Sus scropha
palustris RürTm., Canis fam. matris optimae Jerrr.
') Die Existenz der Burg VySehrad bei Prag und der
Burg Tetin im 7. Jahrhunderte ist zweifellos.