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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 4=14.1884

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sitzender. Stellung auf einer absichtlich angelegten
Erdstütze, etwas nach rechts‘ zu: gewendet.
Was die Lage der Hände betrifft, ist dieselbe auch
verschieden, namentlich in Böhmen pflegen diese
Hocker ‘die Hand jener Seite, auf der sie ruhen,
unter dem Kopfe zu haben !); oft findet man sie
aber auch mit Händen: auf den Knien oder im Schosse
ruhend ?). Andere Varianten?) gehören schon zu
Seltenheiten oder Ausnahmen. Bei den sitzenden
Hockern findet man schon bedeutendere Variationen
in Stellung und Beisetzung, auf die ich nur nebenbei
hinweise‘). Zum Sachverhalte nur die Bemerkung,
dass diese verschiedenen Bestattungsarten, ergänzt
Jurch die sie oft begleitenden Brandgräber und Liebesgaben,
 von denen derzeit kaum zwei gleichmässige
unter allen den verschiedenen Begräbnissstätten zu
verzeichnen sind, uns hinlänglichen Beleg für die
Annahme bieten, dass selbe. lediglich von localen
Verhältnissen und Anschauungen beeinflusst waren.
Was die beigesetzten.Liebesgaben betrifft, herrschte
sbenfalls die grösste Mannigfaltigkeit in dieser Beziehung;
 Manche pflegen reich, Andere dagegen sehr
arm oder gar nicht beschenkt zu sein; doch überall
5ndet man varlirende Gebräuche 5).
Was das allfällige Auftreten der Brandgräber
neben‘ den Hockern betrifft, darüber dürfte man
gereits nach den bisherigen diesbezüglichen Erforı)

 Wie wir z. B. oben kennen gelernt haben; weiter fand
ich dies auch beiden Klein-CiGevicer Hockern, Auf dem
Rondway Hill (in Nord-Wiltshire in England) lag der
Hocker in derselben Stellung. auf der linken Seite u. 8. W.
?) Wie bei ZaluZe und Klein-Tinz (in Schlesien).
7 Wie z. B. P. LAms. Karner (in d, Mitthlgn. d. Anthrop.
Gesellsch. in Wien, Bd. XII, p. 222) bei dem Roggendorfer
Hocker, dessen rechte Hand gegen Ost ausgestreckt war,
zefunden, etc.
4)'Z. B. auf die Begräbnissweise von Parcelly Hay,
wo der Hocker die Hände zu den Fersen am Boden  ausgestreckt
 hatte, und die mannigfaltigen Stellungen der schw edischen
 Hocker (vergl. „Der vorgesch. Mensch“, p. 357
a. 264). — In dem Grabhügel von Kn&%i häj bei Petersburg
‘Böhmen) war der Hocker ohne Kopf bestattet. Aehnliche
sollen auch in Luxemburg, Thüringen und Mähren
gefunden worden sein. (Pam. Arch. VII, 312.) v8
5) Ueber diese Erscheinung werde ich mich hier nicht
auslassen, da dieser Thatbestand allgemein bekannt sein
Jürfte. Ich will nur der Hockergräber von Klein-Cißevic
erwähnen. Diese haben die nämliche Lage der Branik-Hodkovikker.
 Oberhalb des Kopfes liegt ihnen eine Schüssel
oder ein Topf, auf der linken Hüfte haben sie ebenfalls ein
irdenes Gefäss liegen. Die äussersten drei Endpunkte der
Skelette, nämlich: der Kopf, die Knie und die Fersen sind
je mit einem runden Stein (Rollstein) oder einer irdenen
Kugel belegt.

schungen ‚im Klaren sein, nämlich: dass selbe, wo
sie mit den Skeletgräbern vorkommen, zumeist
zleichzeitig sind. — Der Grabhügel von Svinskoe
Hill barg in sich 13 Gräber von ruhenden Hockern;
3 Brandgräber, ein Schweinsskelet und ferner fanden
sich daselbst auch Bruchtheile eines menschlichen
Skelets. In Schallan (Zalany bei Schlan in
3Zöhmen) wurden. fünf Gräber von gleicher Construcjjon
 (sie waren nämlich mit grossen Gneisplatten
ımwölbt) aufgedeckt, von welchen. vier Brandgräber
und eines einen ruhenden Hocker enthielt?!). Die
Brandgräber von Branik-Hodkovi@ky varliren
»los durch ihre Beisetzung, nämlich als Urnenzräber,
 deren Leichenverbrennung an anderem Orte
;tattfand und welcher Art auch ‘das von Cunör
IyzuerR unter den liegenden Hockern von Unötiec
ıntdeckte Urnengrab zu sein scheint ?), deren mehrere
ındere derselbe noch nebenbei erwähnt ®). Die Bechiner
 Brandgräber erweisen jedoch Kesselgräber,
vo die Bestattung der Asche in grossen Urnen statt-'and,
 nachdem man an Ort und Stelle die Leichen
verbrannt hatte.
Das Auftreten der Brandgräber neben den Skeletzräbern
 auf einer und derselben Begräbnissstätte ist
äbrigens nichts Seltenes, und eben dieser Umstand
reranlasste viele Forscher zu verschiedenen Schlüssen.
Mlanche folgerten daraus: 1. dass diese verschiedenen
Zräber verschiedenen Nationen angehören;
3, oder, falls sie einer Nation angehören, dass sie
n verschiedene Zeitalter fallen; oder 3., dass selbe
Jurch mehrere Jahrhunderte benutzt worden waren
ı. s. w. Allein es herrscht noch eine andere Ansicht
iber dieselben, welche Dr. R. Bızrer gelegentlich
‚einer Beschreibung der Reihengräber von Klein-Cinz‘)
 äusserte, nämlich die, dass die in den Skelet-‚räbern
 bestattete Generation gleichzeitig mit einem
Theile derjenigen Generation lebte, welche in Urnen
jeigesetzt wurden. Und diese Ansicht erörtert derelbe
 Forscher durch Beigaben, die dieselben Gegentände
 hier und dort auffinden lassen. . Diese Ansicht,
»bzwar hierorts schon bei jüngeren Gräberfunden
»onstatirt (es wurden dort nämlich Ringe mit S-för-1)

 Dr. Junxus FöpiscH: „Die heidnische Todtenbestattung
n Böhmen“, p. 11—12.
2) „Radov6 hroby bliZz Unötic“ Grab Nr. 22 (Pam.
Arch. XI, p. 300—301).
3) Ib. p. 291, nämlich: „Unter den Gräbern (der Hocker)
befanden sich auch einzelne Gefässe, die Asche enthielten, etc.“
4) In „Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift“
Breslau) Bd. II, p. 206.
            
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